Von der Steuerhölle in eine erbauliche Zukunft: Menznau wird aufgepäppelt

Menznau hatte lange mit den Finanzen zu kämpfen. Nun stehen diverse Bauprojekte an – und damit verbundenes Wachstum.

Niels Jost
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Das nun zu Ende gehende Jahrzehnt war ein herausforderndes für Menznau. Die 2900-Einwohner-Gemeinde hatte mit grossen Steuerausfällen zu kämpfen, musste den Steuerfuss aufs höchste Niveau im Kanton hieven und Sparpakete schnüren. Möglichkeiten für Investitionen gab es kaum. Nun scheint Menznau die Talsohle überwunden zu haben. Der Steuerfuss wurde innert zweier Jahre von 2,60 auf 2,20 Einheiten gesenkt und soll aufs kommende Jahr erneut runter gehen. Die Gemeinde kann wieder Investitionen tätigen – und auch Private sowie der Kanton sorgen für merkbare Veränderungen im Dorf.

So wird am Donnerstag ein neuer Spar-Supermarkt eröffnet, Mitte Dezember folgt der modernisierte Bahnhof. Und in den kommenden Jahren entstehen nicht nur neue Wohnhäuser und eine Sportanlage, sondern im Dorfkern auch ein Kreisel bei der Lammkreuzung sowie ein Begegnungsplatz auf dem Kirchenareal (Visualisierung unten).

Gemeinderat hat Strategie für Entwicklung festgelegt

Menznau wird also aufgepäppelt. Das ist nicht zuletzt auf die Strategien des Gemeinderats zurückzuführen. So wurden beispielsweise mit der bereits revidierten Ortsplanung und der Erarbeitung des Bebauungsplanes Unterdorf die Grundpfeiler für die innere Verdichtung gelegt.

Doch auch bei der Ansiedlung des neuen Spar-Supermarkts habe man sich aktiv eingebracht, sagt CVP-Gemeindepräsident Adrian J. Duss. «Es bestand der Wunsch in der Bevölkerung, einen zweiten Laden im Dorf zu haben», sagt er. Als das Projekt für die Überbauung des «Bahnhöfli»-Areals initiiert wurde, habe man bei Grossverteilern nachgefragt, ob Interesse für eine neue Filiale bestünde. Der Spar habe schliesslich zugesagt.

Gemeindeammann Beat Blum (links) und Gemeindepräsident Adrian J. Duss beim Bahnhof Menznau. (Bilder: Dominik Wunderli, 21. November 2019)

Gemeindeammann Beat Blum (links) und Gemeindepräsident Adrian J. Duss beim Bahnhof Menznau. (Bilder: Dominik Wunderli, 21. November 2019)

Doch ist es überhaupt die Aufgabe eines Gemeinderats, sich für die Ansiedelung von Gewerbebetrieben zu engagieren? Duss bejaht:

«Um ein aktives Dorfleben beizubehalten, ist es legitim, bei Projekten unterstützend mitzuwirken.»

Einen zweiten Laden begrüsst der Gemeindepräsident auch daher, weil in unmittelbarer Nähe gleich mehrere Wohnhäuser entstehen. «Es steigert die Lebens- und Wohnqualität, wenn man innerhalb des Dorfes den gesamten Einkauf für den täglichen Bedarf tätigen kann», sagt Duss. Für den einen oder anderen Zuzüger könnte die Nähe zu einem Laden ein Argument sein, nach Menznau zu ziehen. Für die Gemeinde bedeutet das: eine Attraktivitätssteigerung und einen zusätzlichen Steuerzahler.

In der Tat rechnet CVP-Gemeindeammann und Finanzvorsteher Beat Blum damit, dass dank der neuen Überbauungen der Steuerertrag für Menznau steigt. Auch er sagt: «Eine gute Infrastruktur ist die zentrale Grundvoraussetzung für ein lebendiges Dorf.»

Doch das Wachstum in der Gemeinde stösst auch auf kritische Stimmen, räumt Blum ein. Er gibt aber Entwarnung: «Wir erwarten ein gestaffeltes und moderates Wachstum. Die langfristigen Auswirkungen auf die Infrastruktur haben wir berechnen lassen. Beispielsweise die Anlagen der Schulen sowie für die Versorgung und Entsorgung sind noch nicht ausgelastet.» Gemäss Lustat Statistik Luzern ist die Bevölkerung von Menznau in den vergangenen zehn Jahren um 3,9 Prozent gewachsen, was weit weniger als der kantonale Durchschnitt von 11,1 Prozent ist. Blum betont: «Dass wir überhaupt wachsen, ist für unsere Gemeinde, die ausserhalb der y-Achse liegt, nicht selbstverständlich.»

Neuer Begegnungsplatz bei Kirche geplant

Gerüstet ist die Gemeinde künftig auch beim ÖV. Pünktlich zum Fahrplanwechsel vom 15. Dezember wird der total umgebaute Bahnhof eröffnet. Insgesamt investiert die BLS rund 32 Millionen Franken. Neben der teilweisen Überdachung der Perrons werden diese neu durch eine Unterführung verbunden, die «Park&Ride»-Anlage wurde erneuert und der Güterumschlag auf das Areal der Swiss Krono AG verlegt. Die Erneuerung des Bahnhofs gilt als Schlüsselprojekt für die Angebotserweiterung der S77, welche neu in den Stosszeiten dreimal in der Stunde zwischen Luzern und Willisau verkehrt.

Doch nicht nur in den ÖV wird investiert. Im kommenden Frühling starten die Bauarbeiten für den Kreisel beim Gemeindehaus. Dieser soll die Durchfahrt durch Menznau und das Abzweigen Richtung Menzberg und Geiss vereinfachen. Das lässt sich der Kanton fünf Millionen Franken kosten. Anschliessend an die rund einjährige Bauzeit wird der nebenan gelegene Vorplatz der Kirche erneuert. Die katholische Kirchgemeinde hat hierfür bereits am vergangenen Freitag einen Planungskredit von 30'000 Franken genehmigt. Über den Baukredit soll die Kirchgemeinde an einer ausserordentlichen Versammlung im Frühling befinden.

Auch die politische Gemeinde wird sich an den Baukosten beteiligen. Dies aufgrund der zentralen Lage und der künftigen Funktion des Platzes mit dem neuen Standort des Dorfbrunnens. Mit welchem Betrag, ist gemäss Beat Blum noch nicht definiert. Klar ist hingegen, dass ein neuer Begegnungsplatz entstehen soll: Zusammen mit dem nahen Rickenbach, den mit Bäumen gesäumten Fussweg und dem Platz samt Dorfbrunnen soll er Menznau «ein neues, ansprechendes Gesicht geben», so Blum.

Kirchenratspräsident Erwin Pfyffer lobt die Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde und der Bevölkerung: «Dass wir gemeinsam ein solches Projekt realisieren möchten, spricht für den guten Zusammenhalt im Dorf – und dafür, dass wir alle dasselbe Ziel verfolgen: eine attraktive Gemeinde zu bleiben.»