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Gastkommentar

Von der Wichtigkeit der Zwischenräume

Es tut sich was in Luzern Süd! Ein Gastbeitrag zur Stadtentwicklung.
Peter Schwehr
Die Gestaltung des Zwischenraums kommt heute beim Bauen oft zu kurz – nach Meinung des Autors auch hier im Schweighof. Bild: Philipp Schmidli (Kriens, 4. September 2018)

Die Gestaltung des Zwischenraums kommt heute beim Bauen oft zu kurz – nach Meinung des Autors auch hier im Schweighof. Bild: Philipp Schmidli (Kriens, 4. September 2018)

Die ersten Bewohner sind in die neuen Quartiere eingezogen, zum Beispiel im Schweighof in Kriens. Zeit für eine erste Bestandsaufnahme. Da fällt zunächst auf: Es ist dicht im Quartier. Prinzipiell ist dies etwas Gutes, zeugen verdichtete Quartiere doch von einem nachhaltigen Umgang mit der Ressource Boden. Verdichtungsauftrag erfüllt, könnte man meinen. Und doch kann man sich einmal mehr des Eindrucks nicht erwehren, dass Grenzabstände, Ausnutzungsziffern und Renditeabsichten die massgeblichen Treiber des städtebaulichen Konzeptes waren.

Grossflächig aufgemalte Baumsujets an den Fassaden versuchen das entstehende Gefühl der Enge und der Anonymität zu übertönen und legen dabei das Problem offen dar: den vernachlässigten Zwischenraum. Wer dichte Quartiere möchte, muss aber gerade dem Dazwischen Aufmerksamkeit widmen. Denn der Raum zwischen den Gebäuden entscheidet über die Qualität und Gestaltung des Lebensalltags im Quartier. Wir leben im Zwischenraum.

Habe ich noch genug Privatheit, wenn der Nachbar quasi bei mir im Schlafzimmer sitzt? Bekommt die Wohnung genügend Tageslicht? Fühle ich mich sicher in den Gebäudeschluchten? Wo findet das gemeinschaftliche Leben statt? Wo lerne ich meinen Nachbarn kennen? Das sind einige der grundlegenden Fragen, die bei der Planung von dichten Quartieren am Anfang stehen müssten – und die allzu häufig nicht gestellt werden, weil Architektinnen und Projektentwickler sich auf das einzelne Gebäude konzentrieren.

Das Denken hört an der Parzellengrenze auf. Wir vergessen den Ort als Gesamtes und wundern uns dann darüber, dass es nicht gelingt, ihn zu beleben.

Der gebaute Lebensraum ist aber nicht begrenzt auf das Gebäude und die Wohnung. Er beinhaltet eben gerade das, was zwischen den Gebäuden geschieht. Der Zwischenraum sichert Privatheit, bietet Raum für Begegnung, er organisiert unsere Wege durch den Alltag und schafft Orientierung. Darüber hinaus bietet er Kompensation zum Beispiel für geringen privaten Aussenbereich: Grillplätze ersparen den Grill auf dem eigenen Balkon und fördern das Miteinander.

Der vergessene Zwischenraum ist eine verpasste Chance. Denn sorgfältig geplante Zwischenräume führen zu einer Belebung des Quartiers und vermeiden Dichtestress.

Hinweis: Peter Schwehr (54) ist Leiter des Kompetenzzentrums Typologie und Planung in Architektur der Hochschule Luzern, Departement Technik und Architektur. Einmal im Monat äussern sich Professoren des Departements zu städtebaulichen Themen des Kantons Luzern. Ihre Ansichten müssen nicht jener der Redaktion entsprechen.

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