Von Fliegern, Öl und Achterbahnen – im Wauwilermoos waren schon viele Grossprojekte geplant

Das Wauwilermoos war Projektionsfläche für etliche Grossprojekte, wie die neuste «Heimatkunde Wiggertal» zeigt.

Alexander von Däniken
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Die Natur und die Justizvollzugsanstalt: Sie prägen das Wauwilermoos heute. Es hätte auch ganz anders kommen können, wie die neuste Ausgabe «Heimatkunde Wiggertal 2020» zeigt. Den meisten bekannt sein dürfte die nicht fertig gebaute Langenthal-Wauwil-Bahn. Sie wäre die schnellstmögliche Verbindung von Luzern nach Bern gewesen, hätte Stationen bei St.Urban, Altbüron, Ebersecken und Schötz vorgesehen und den «Stalten» zwischen Altbüron und Ebersecken mit einem 2010 Meter langen Tunnel bezwungen. Dafür wurden bereits 1300 Meter ausgebrochen und teilweise ausgemauert. Im Oktober 1874 hat die Schweizerische Centralbahn (SCB) mit dem Bau begonnen – und ein Jahr später wegen der schweizerischen Finanzkrise wieder eingestellt. Für immer.

Blick auf das Wauwilermoos vom Santenberg ob Wauwil.

Blick auf das Wauwilermoos vom Santenberg ob Wauwil.

Bilder: Pius Amrein (26.November 2019)

1941 hegte das eidgenössische Luftamt Pläne für einen neuen Grossflughafen. Dafür wurden unter anderem Utzenstorf, Cham, Altenrhein, Ecublens und die Wauwiler Ebene in Betracht gezogen. Für die Ebene weibelte unter anderem alt Nationalrat, Unternehmer und Anwalt Ludwig Friederich Meyer. Auch die Hotellerie und Fremdenverkehrsindustrie in der Zentralschweiz erhoffte sich vom Interkontinentalflughafen im Wauwilermoos einen Aufschwung. Nähere Abklärungen liessen das Projekt in der Planung «grounden»: wegen der angrenzenden Hügelketten, des schlechten Untergrunds und der Nähe zum Landessender Beromünster.

Kurz- und Mittelwellen- Sender ebenfalls gescheitert

Die nächste Welle an Projekten brandete in den 1960er-Jahren über das Wauwilermoos – und blieb zuerst aviatisch: Ein Initiativkomitee von fünf Privatpiloten stellte bei der Luzerner Regierung ein Gesuch, auf dem Gebiet der Strafanstalt einen Privatflugplatz zu errichten. Nach einer Vernehmlassung mit mehrheitlich negativen Stellungnahmen lehnte der Regierungsrat das Gesuch ab.

Wohlwollender stand die Regierung der Idee gegenüber, im Gebiet Hostris eine Erdölraffinerie bauen zu lassen. Die Pläne wurden konkreter, der Widerstand wuchs. Erst der Bundesrat legte 1966 sein Veto ein. Darauf wollte der Kanton auf dem erworbenen Raffineriegelände einen Kurz- und Mittelwellensender errichten. Das Projekt scheiterte wegen Befürchtungen über intensive Strahlenbelastung.

Die Raffinerieinvestoren besassen noch 130 Hektaren Land. Darauf sollte ein Erlebnispark, ein sogenanntes Mini-Europa, entstehen, wie das «Vaterland» 1973 enthüllte. Geplant waren ein Grossaquarium mit Delfinschau, ein Wasserzoo, ein künstlicher See, ein wissenschaftliches Labor und ein Studienzentrum. Dieses Projekt scheiterte wohl am Mangel von willigen Investoren und Rentabilitätsaussichten. Gescheitert sind auch zwei Kehrichtdeponien; 1968 beim Vogelreservat und in den 1990er-Jahren im Gebiet Hostris. Die Autoren des Beitrags in der «Heimatkunde Wiggertal», Hansjörg Gassmann und Josef Stöckli, resümieren über die erfolglosen Grossprojekte: «Die ‹raffinierte Natur› war zum Glück stärker!»

Themen von Jungsteinzeit bis in die Gegenwart

In der 230 Seiten starken Heimatkunde ist die Wauwiler Ebene auch beim jungsteinzeitlichen Ackerbau ein Thema. Ausserdem wird den Fragen nachgegangen, was Hinterländer von Hinterwäldlern unterscheidet, wie aus Eppenwil Grossdietwil wurde und wie die Johanneskapelle in Schötz wieder auftauchte. Das Buch ist für 45 Franken in Buchhandlungen, ausgewählten Papeterien und Dorfläden im Wiggertal erhältlich.

Am Samstag findet um 15 Uhr bei der Schär Holzbau AG in Altbüron der Wiggertaler Heimattag statt. Das Thema: Altbüron, die Schär Holz AG und weitere örtliche Leckerbissen. www.hvwiggertal.ch