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Von Grossdietwil nach Brasilien: So haben sich Nachkommen von Auswanderern wiedergefunden

Grossdietwil war vor 200 Jahren ein Auswanderer-Dorf. Anita Weibel-Knupp hat die Geschichte erforscht – und weit entfernte Verwandte gefunden.
Niels Jost
Anita Weibel-Knupp und Jorge Knupp, der in Brasilien lebt, vor dem Gasthaus Löwen in Grossdietwil. (Bild: Dominik Wunderli, 7. September 2019)

Anita Weibel-Knupp und Jorge Knupp, der in Brasilien lebt, vor dem Gasthaus Löwen in Grossdietwil. (Bild: Dominik Wunderli, 7. September 2019)

Hunger, Not und Elend grassierten in Grossdietwil im Jahr 1819. Wie im Rest des Landes litt die Bevölkerung unter den Folgen des «Jahres ohne Sommer». Hoffnung schenkte den Brüdern Josephus und Joanes Knupp das weit entfernte Brasilien mit seinen fruchtbaren Feldern.

Gemeinsam mit rund 140 Luzernern machten sie sich mit ihren Ehefrauen und sechs- respektive sieben Kindern auf die Reise ins Unbekannte. Via Reuss, Rhein, Holland und den Atlantik ging's nach Brasilien, wie das untenstehende Bild veranschaulicht:

Diese von 1819 stammende Zeichnung von Isaak Schouman zeigt Schweizer Auswanderer in Brasilien. (Bild: PD)

Diese von 1819 stammende Zeichnung von Isaak Schouman zeigt Schweizer Auswanderer in Brasilien. (Bild: PD)

Und tatsächlich: Nach fünfmonatigen Strapazen erreichten die Knupp-Brüder das brasilianische Nova Friburgo, eine Schweizer Kolonie, 130 Kilometer nordöstlich von Rio de Janeiro, benannt nach den Gründervätern aus Fribourg.

Ungefähr so muss das hügelige Land bei Nova Friburgo ausgesehen haben. (Zeichnung: PD/J.-B. Debret , 1826)

Ungefähr so muss das hügelige Land bei Nova Friburgo ausgesehen haben. (Zeichnung: PD/J.-B. Debret , 1826)

Nach 200 Jahren: Nachkommen treffen sich wieder

Seither sind genau 200 Jahre vergangen. Doch der Mythos der Gebrüder Knupp lebt noch heute. So haben sich am vergangenen Wochenende in Grossdietwil zum zweiten Mal überhaupt rund 40 Nachkommen der beiden Auswanderer getroffen, kommend aus Luzern und Umgebung – sowie aus Brasilien. Selbst Gemeindeammann Josef Müller hielt eine kurze Rede.

Möglich gemacht hat das Treffen Anita Weibel-Knupp. Ihr Name verrät es bereits: Die 68-Jährige ist ein direkter Nachkomme der ausgewanderten Knupp-Brüder. Die Ahnenforscherin, mittlerweile wohnhaft im aargauischen Mülligen, war 1994 eine der ersten, welche die Geschichte der Luzerner Auswanderer erforschte. Über ihre eigenen Ahnen und deren beschwerlichen Reise ans andere Ende der Welt kennt sie jedes Detail. Die Recherche sei allerdings «Knochenarbeit» gewesen, wie sie betont. «Das Internet war damals kaum verbreitet, daher musste ich häufig in verschiedensten Städten ins Archiv.»

Nach Jahre langer Suche: Cousin 5. Grades gefunden

Ein erster Durchbruch gelang der Geschäftsführerin einer Druckerei 2000: Mit Jorge Knupp fand sie ihren Cousin 5. Grades – in Nova Friburgo. Die erste Kontaktaufnahme gestaltete sich allerdings als schwierig. Denn obwohl Jorge Knupp über einen Professor- und Doktortitel in Zahnmedizin verfügt, konnte er nur portugiesisch. Kurzerhand liess er sich aber von einem Freund helfen, der sich auf Deutsch verständigen konnte. «Mittlerweile spricht er recht gut Deutsch und wir haben regelmässig Kontakt», sagt Anita Weibel-Knupp.

Da sich Jorge Knupp in diesen Wochen auf Europareise befindet, hat der 67-Jährige seine weit entfernte Cousine und ihren Mann besucht. Gemeinsam haben sie die Reise ihrer Vorfahren nachgestellt: Von Grossdietwil ging’s – mit dem Auto – nach Luzern, wo die Auswanderer vor 200 Jahren in Boote auf der Reuss gestiegen sind. Jorge Knupp und seine Familie sind stolz auf ihre Schweizer Herkunft. «Bis zur Kontaktaufnahme von Anita waren wir nirgends richtig verwurzelt. Unsere Herkunft zu kennen, gibt uns viel Kraft.»

Nicht nur Sätze wie diese spornen die Genealogin an, weiter über ihre Familie zu forschen. «Mich hat Geschichte schon immer fasziniert», sagt Anita Weibel-Knupp, die bereits eine über 600 Seiten starke Chronik über ihre Ahnen geschrieben hat. Bis 1343 kennt sie ihre Vorfahren. Aktuell forscht sie an ihrem zweiten Buch – über die Knupps aus der Ostschweiz.

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