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Von Hexern und Werwölfen: Der bekannte Luzerner Mythenforscher Kurt Lussi geht in Ruhestand

Der Volkskundler Kurt Lussi beschäftigt sich mit Mythischem und Makabrem. Die magische Zwischenwelt könne auch tröstlich sein, sagt er – und hat darüber jetzt ein Buch veröffentlicht.
Natalie Ehrenzweig
Mythen- und Magie-Forscher Kurt Lussi zeigt sein «Vampire Killing Set». (Bild: Manuela Jans-Koch (Ruswil, 9. November 2018))

Mythen- und Magie-Forscher Kurt Lussi zeigt sein «Vampire Killing Set». (Bild: Manuela Jans-Koch (Ruswil, 9. November 2018))

Religion, Magie, Volksglaube, Volksmedizin: Das sind Kurt Lussis Themen. Der heute 62-jährige gebürtige Nidwaldner ist im Kanton Aargau aufgewachsen und wohnt seit 1983 in Ruswil. Zehn Bücher, sechs Kunstführer und über 300 Artikel hat er publiziert. Im Historischen Museum Luzern betreute er die volkskundliche Sammlung. Zu seiner Pensionierung beim Historischen Museum veröffentlicht dieses nun eine Art «Best-of» von Lussis Werken, das Buch «Mythisches, Magisches, Makabres».

«Menschen wollen wissen, woher sie kommen, warum sie hier sind und wohin sie gehen. Sagen, Mythen und Legenden geben Antworten darauf.»

Kurt Lussi, Volkskundler

Die Sagen- und Mythenwelt der Kulturen in der Innerschweiz und im Ausland unterschieden sich nur auf den ersten Blick, sagt Lussi, der verheiratet ist und zwei erwachsene Kinder hat: «Auf den zweiten Blick geht es immer um das Gleiche. Menschen wollen wissen, woher sie kommen, warum sie hier sind und wohin sie gehen. Sagen, Mythen und Legenden geben Antworten darauf.» Gerade wegen dieser Gemeinsamkeiten geriet Kurt Lussis eigener Glaube – er ist Katholik – nie ins Wanken. Auch nicht auf seinen Reisen zu Voodoo-Priestern in die USA oder nach Afrika.

Ein Fluch kann Menschen töten

«In Kenia habe ich mitten unter den Einheimischen in einer kleinen Hütte gelebt und mich mit der Magie der Luo und später auch mit jener der Massai vertraut gemacht», erzählt Lussi. «Bei den Luo gilt Magie als neutral. Die Menschen sind es, die sie manipulieren, im Guten wie im Bösen.» Ihm wurde von Janawi von Bondo, einem Hexer, erzählt. Dieser habe die Fähigkeit gehabt, einen Menschen zu töten, indem er mit dem Finger auf ihn zeigte: «Es ist der Glaube an diese Kraft, die bewirkt, dass ein mit einem Fluch belegter Mensch auch tatsächlich krank wird oder stirbt.»

Nach Auffassung der Einheimischen sei Magie kein Mythos, sondern Wirklichkeit. Als sein Fahrer ausserhalb von Nairobi einst in eine Radarfalle geriet und eine Busse bezahlen musste, führte er dies auf den bösen Zauber eines Neiders zurück.

Begegnung mit einem Nightrunner

Man könne die Existenz von Geistern weder belegen noch widerlegen, sagt Lussi. «Für die Wissenschaftler zählt nur, was man beweisen kann. Spukerlebnisse führen sie auf Einbildungskraft oder eine lebhafte Fantasie zurück.» Wenn er sich als Volkskundler mit derartigen Phänomenen beschäftige, begebe er sich auf eine Gratwanderung: «Ich muss auf der Hut sein und mich auf das Geschehene konzentrieren, ohne es zu deuten.»

Doch auch er wurde in Afrika und anderswo mit Phänomenen konfrontiert, die er nicht erklären konnte. Im kenianischen Busch begegneten er und sein einheimischer Freund einem Nightrunner. «Diese Menschen sind in der Nacht vom Bösen besessen; die Legende sagt, dass sie jemand anderem einen bösen Zauber auferlegen können. Er hatte ein verzerrtes Gesicht, war sehr dürftig bekleidet und hielt ein brennendes Büschel Gras in der Hand.»

Zurück in seiner Hütte, befiel Lussi ein Schüttelfrost. Er vermutete, dass seine Malaria-Prävention versagt hatte. Am nächsten Tag brachte man ihn zu einem Hexendoktor: «Er befragte die Ahnen, und ich musste ein Orakel auflösen. Plötzlich fühlte ich, wie es mir besser ging, wie die Energie zurückkam.»

«Wir Aufgeklärten wollen über dem Unfassbaren stehen; aber warum zünden dann viele in einer Kirche Kerzen an?»

Kurt Lussi, Volkskundler

Lussi werden viele ähnliche Geschichten erzählt – auch in der Schweiz. «Doch die Menschen schämen sich oft, wollen nicht, dass ich jemandem von ihren Erlebnissen berichte.» Auch viele junge Leute kämen in seine Seminare, wollten aber nicht zugeben, dass sie an die Existenz einer unsichtbaren Anderswelt glauben. «Wir Aufgeklärten wollen über dem Unfassbaren stehen; aber warum zünden dann viele in einer Kirche Kerzen an?»

Als er jünger war, sei er skeptisch gewesen, doch inzwischen habe ihn seine eigene Forschung von einer Zwischenwelt überzeugt. «Das führt dazu, dass man bewusster lebt, mehr Lebensqualität hat. Denn die Existenz einer anderen Dimension, in der sich unsere Ahnen aufhalten, ist tröstlich.» Um diese Zwischenwelt geht es in seinem neuen Buch, für das er neue Texte geschrieben und ältere überarbeitet hat.

Das Leben als Forscher geht weiter

Als Pensionierter wird Lussi das Forschen nicht sein lassen: «Jetzt habe ich mehr Zeit und muss die Forschungsfragen nicht mehr nach dem Leistungsauftrag des Historischen Museums richten.» Er beschäftigt sich mit der Magie im viktorianischen England und ist fasziniert davon, dass die Briten auch heute paranormalen Phänomenen viel aufgeschlossener gegenüberstehen als wir Schweizer. «Wenn es in einem Pub spukt, zieht das die Leute an. Das Okkulte wird als Teil der Realität akzeptiert».

Auch zu Werwölfen und Vampiren hat Lussi eine Meinung. Sie liessen sich mit dem Blick in die Geschichte teilweise erklären. Viele Werwolf-Legenden seien im Zuge des Dreissigjährigen Krieges 1618 bis 1648 entstanden. «Während der Auseinandersetzungen liess man die Leichen oft auf den Schlachtfeldern liegen. In der Folge vermehrten sich die Wölfe, da sie sich an den Leichen gütlich taten. Auf der anderen Seite gab es für die Menschen kaum noch Nahrung. Plündernde Soldaten und hungernde Menschen hatten den Wildbestand auf ein Minimum reduziert.»

Folglich sei es zu Angriffen von Wölfen auf Menschen, namentlich alte Personen und Kindern gekommen. «Diese Übergriffe ermöglichten die Entstehung von Werwolf-Legenden.»

Hinweis: Samstag, 8. Dezember, 15 bis 18 Uhr, Marianischer Saal, Bahnhofstrasse 18, Luzern: Buchvernissage Kurt Lussi, «Mythisches, Magisches, Makabres».

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