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Kolumne

Von Menschen und Tieren

Einblicke - Unser Kolumnist Romano Cuonz über die Vor- und Nachteile eines Shitstorms und die vermeintlich heile Welt der Tiere.
Romano Cuonz, Journalist und Publizist Sarnen
Romano Cuonz

Romano Cuonz

«Ist doch einfach keine Art, wie heute jedermann online Shitstorms gegen Promis auslösen darf», moniert Stammtischkollege Wisi. Und zerfliesst fast vor Mitleid, wie er auf ein Bild in seinem Leibblatt deutet. Es zeigt die mittlerweile eher blasse als grüne Nationalratskandidatin Tamy Glauser!

In der Tat: Nach ihrer krassen Fehldiagnose mit Veganerblut gegen Krebs und der wenig fundierten These zum CO2-Ausstoss von Langzeitflügen guckt das Model ziemlich ratlos aus der teuren Wäsche. Und da protestieren auch wir noch! Unisono. Indessen: Uns beschäftigt weniger die naive Politanfängerin. Viel mehr Wisis Versuch, so unbedarfte Promis auch noch vor der Meinungsfreiheit im Netz zu schützen.

«Wer in jedes Fettnäpfchen tritt, verdient nichts anderes als einen ordentlichen Shitstorm», schimpfe ich. Und argumentiere: «Nobelpreisträger Heinrich Böll hat die Prominenz als Pseudoadel, der durch kein Lehen geschützt wird, bezeichnet.» Das gelte noch immer. Besonders für unsere Cervelat-Prominenz, die zurzeit wieder auf Stimmenfang aus sei. An jeder Chilbi oder Gewerbeschau. Schlimmer noch: Dass ihnen ein stumpfsinniges Heer von Anhängern – für das sich Promis vor- und nachher nicht im Geringsten interessieren – zujuble. Oder – wie unser Wisi – gar noch Mitleid für sie empfinde!

Oje, da habe ich mich aber schön in Wut geredet. Ich bezahle. Und gehe. Mache, was ein Vogel Strauss jetzt täte: kehre dem Stammtisch samt Promis und Wahlkarussell den Rücken. Will mich in der noch heilen Welt der Tiere erholen. An der Tierparkkasse sticht mir eine Ansichtskarte in die Augen: Ein schillernder Pfau schlägt ein Rad. Woran erinnert mich denn der schon wieder? Das Aha-Erlebnis, wie ich den Vogel im Alltag entdecke. Weg ist aller Glanz, die Schwanzfedern lässt er hängen.

Weiter oben steht ein Hirsch mit jämmerlich zerfetztem Bastgeweih. Ist das nicht der, der im letzten Wahlherbst noch gewaltig geröhrt hat? Bei den Murmeltieren lese ich: Diese Tiere verfallen, sobald das Klima rauer wird, in einen langen Winterschlaf. Nicht einmal bei den Tieren kann ich abschalten!

Ich blase zum Rückzug. Plötzlich schauen mich grosse Augen treuherzig an: Ja, so ein Viech bin doch ich gewesen, als ich glaubte, Tiere seien anders als Menschen. Auf dem Schild steht’s deutsch und deutlich: «Weisser Barockesel!»

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