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Von Schottland, Spaniern und Rikschas

Sie kennen das: Ferien im Ausland, Preisparadies für Schweizer. Haben wir erst einmal unsere Landesgrenzen hinter uns gelassen, ist auf einmal alles viel günstiger. Das hat seine unbestrittenen Vor­teile. Wer spart nicht gerne?
Kilian Küttel
Mit der E-Bike-Ambulanz der Luzerner Organisation Solidarmed sollen Schwangere in Afrika schneller ins Spital kommen. Model Nadine Stritt­matter und Komiker Johnny Burn mit Sohn Morris in der Rikscha präsentieren das neue Gefährt. (Bild: Keystone/Alexandra Wey (Luzern, 26. Oktober 2017))

Mit der E-Bike-Ambulanz der Luzerner Organisation Solidarmed sollen Schwangere in Afrika schneller ins Spital kommen. Model Nadine Stritt­matter und Komiker Johnny Burn mit Sohn Morris in der Rikscha präsentieren das neue Gefährt. (Bild: Keystone/Alexandra Wey (Luzern, 26. Oktober 2017))

Auf den zweiten Blick haben die tiefen Preise ihre Schattenseiten. Für Einheimische und andere Touristen riechen Schweizer nach Geld: «Ah, you’re from Switzerland? So you must be rich, my friend.» Damit kann man leben, die blöden Sprüche weglächeln, und zur Not auch mal eine Runde schmeissen. Kostet ja nicht die Welt. Dafür ist nachher Ruhe. Funktioniert meist prächtig.

Allerdings nicht immer. Wie damals, im Sommer 2012, in Edinburgh. Ich besuchte einen Freund im Sprachaufenthalt. Eine Woche war ich mit ihm unterwegs, zusammen mit seinen Freunden aus der Sprachschule – Italiener, Japaner, Franzosen. Und Spanier. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will niemanden schubladisieren. Fakt aber ist, dass die Spanier auf dem Geld hockten. Denn für sie war Schottland ein teures Pflaster. Konnte ich verstehen, war trotzdem mühsam.

Abend für Abend das gleiche Bild: Wir wollten in das Pub, den Spaniern war’s zu teuer. Lieber tranken sie erst einmal eine Flasche selber gekauften Aprikosenwodka. Draussen. Im schottischen Regen.

Aus Solidarität warteten die beiden Schweizer vor dem Lokal. Konnten wir dann endlich einkehren, beschränkten sich die Spanier auf ein Pint. Was ihr gutes Recht war. Es störte mich auch nicht, wenn sie fragten, ob sie einen Schluck von meinem Bier haben dürfen. Oder ob ich ihnen einen ausgeben könne. Alles kein Problem, 2 Pfund – war ja nicht die Welt. Und in den Ferien spart man schliesslich nicht.

Das ging so lange gut, bis ich mitbekam, wie jemand vermeintlich unbemerkt aus meinem Glas trank. À la: Der sieht’s ja eh nicht. Und wenn schon – der hat genug Geld für ein neues Bier. Dieser Ver­trauensbruch sorgte dafür, dass wir beiden Schweizer damit anfingen, unseren vermeint­lichen Reichtum anstandslos zu zelebrieren. Ein Beispiel: Die anderen kauften ihr Mittagessen im Laden, die Schweizer gingen ins Restaurant.

Eines Abends auf dem Weg zu einem Nachtclub. Normalerweise wären wir gelaufen. Aber da stand diese Rikscha, ähnlich dem Gefährt in unserem Bild. Das ist eigentlich als E-Bike-Ambulanz dafür gedacht, dereinst in Afrika schwangere Frauen schneller ins Spital zu bringen. Die Rikscha in Edinburgh diente dazu, Touristen herumzukutschieren. Und wir liessen uns nicht zweimal bitten. Die anderen liefen, die Schweizer fuhren grinsend an ihnen vorbei. Wir fühlten uns wie die Könige. Bis die Rechnung kam: Fünf Minuten, 20 Pfund. Den beiden «reichen» Schweizern gefror das blöde Grinsen im Gesicht.

Ja, in den Ferien spart man nicht. Eigentlich. Aber kann ich trotzdem einen Schluck von deinem Bier haben?

Kilian Küttel

kilian.kuettel@luzernerzeitung.ch

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