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Von spärlich bis professionell: So präsentieren sich die Luzerner Regierungsratskandidaten im Web

Kurz vor den Wahlen wollen sich die neun Kandidaten online von ihrer besten Seite präsentieren. Wobei: Nicht alle sind aktiv. Während der älteste Kandidat mit Videos punkten möchte, ist die Jüngste eher zurückhaltend.
Niels Jost

Egal, wo man sich derzeit im Kanton Luzern umsieht: Überall lächeln Politiker von den unzähligen Wahlplakaten und werben für sich oder die eigene Partei, so wie hier eingangs Ebikon:

(Bild: Philipp Schmidli, 17. März 2019)

(Bild: Philipp Schmidli, 17. März 2019)

Am 31. März sind die Regierungs- und Kantonsratswahlen. Doch der Wahlkampf spielt sich auch in der digitalen Welt ab. Ein Blick auf die Online-Aktivitäten der neun Anwärter auf einen der fünf Sitze im Luzerner Regierungsrat zeigt: Die Kandidaten «posten» und «liken» sehr unterschiedlich häufig in den sozialen Medien. Auch die Auftritte auf den persönlichen Webseiten driften weit auseinander – von sehr professionell bis spärlich bespielt.

Unsere Zeitung hat den Online-Wahlkampf der Regierungsratskandidaten unter die Lupe genommen. Und folgende Muster erkannt:

Twitter ist hoch im Kurs

Die Plattform Twitter gehört zu den politischsten unter den sozialen Medien. Dort tummeln sich vor allem Politiker, Journalisten und Unternehmer. Am aktivsten ist Roland Fischer von der GLP. Er hat aktuell 791 Tweets verfasst und zählt 1638 Follower. Fischer tweetet beinahe täglich. «Für mich haben die soziale Medien eine grosse Bedeutung. Da die GLP gerade auch junge Wähler anspricht, sind sie zentral für unseren Wahlkampf», sagt der Udligenswiler.

Dies ist der aktuellste Tweet Fischers:

Ein ebenso aktiver Twitterer ist Guido Graf (CVP). Der Pfaffnauer ist bekannt dafür, sich in Tweets pointiert zu einem Thema zu äussern. Als Regierungsrat hat er dadurch auch schon die Aufmerksamkeit der Medien erhalten, wie dieses Beispiel über die Bundesratswahlen 2018 zeigt:

Aufgrund dieses Tweets von Guido Graf entstand der folgende Zeitungsartikel:

Eine Plattform reicht nicht

Fünf der neun Kandidaten sind auf mehr als nur einer Plattform aktiv. Dabei veröffentlichen viele die fast genau gleichen Inhalte auf den unterschiedlichen Plattformen. Nicht so Jörg Meyer. Der SP-Kantonsrat achte darauf, bestimmte Themen entweder nur auf Twitter oder auf Facebook zu posten – «je nach Zielgruppe, die ich erreichen möchte», sagt der Adligenswiler.

Ein Beispiel: Die untenstehende Meldung postete Meyer nur auf Facebook.

Und diese Meldung teilte Meyer lediglich via Twitter:

Auch für Meyer haben die sozialen Medien einen hohen Stellenwert. «Sie ermöglichen eine direkte und ungefilterte Kommunikation.» Das sei aber sehr zeitaufwendig – gerade, weil man online schnell auf Aktualitäten reagieren müsse und er die verschiedenen Plattformen persönlich bespiele. Gleiches ist von Korintha Bärtsch zu hören. Die 34-Jährige ist die jüngste Kandidatin, aber nur auf Facebook aktiv. Extra für die Wahlen auf anderen Plattformen ein Profil einzurichten, ist für die Stadtluzernerin nicht in Frage gekommen. «Das wäre nicht authentisch.» Facebook biete ihr die Möglichkeit, der Öffentlichkeit ihre Person näher zu bringen, wie dieses Beispiel zeigt:

Videos sind Trumpf

Soziale Medien sind nur was für junge Leute – könnte man meinen. SVP-Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker beweist das Gegenteil. Der 63-Jährige ist der älteste der neun Kandidaten – und einer der aktivsten. Der Krienser setzt vor allem auf Videos. Deren Inhalt dreht sich meist um Sicherheitsthemen – oder um die Fasnacht, wie dieses Beispiel zeigt:

Während manche Beiträge eher gestellt wirken, bieten andere tatsächlich einen visuellen Mehrwert. Winiker betont, dass Videos ermöglichen, über aktuelle und auch schwierige Themen rasch und in verständlicher Form zu informieren. Ohnehin schätze er die neuen Möglichkeiten der sozialen Medien. «Gestützt auf die vielen Reaktionen aus der Bevölkerung habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass die Art der direkten Kommunikation gewünscht, gar erwartet wird», sagt der Krienser.

Privates auf Instagram

Instagram ist vor allem bei Jungen beliebt – und wegen des fast ausschliesslich auf Bildern basierten Mitteilungscharakters eher unpolitisch. Entsprechend sind hier nur zwei der neun Kandidaten aktiv: Roland Fischer und Fabian Peter. Doch auch «Insta» kann seine Vorteile haben, wie FDP-Kantonsrat Peter erklärt: «Weil Instagram von Bildern lebt, ist es sicher eher eine Plattform, um mich als Person zu präsentieren. Da die Regierungsratswahlen eben auch Personenwahlen sind, will man auch wissen, was der Mensch ‹Fabian Peter› so macht.» Der 42-jährige Inwiler postet neben persönlichen Bildern von Familienausflügen oder von der Fasnacht auch Momente aus seinem Wahlkampf, wie diese Beiträge zeigen:

Peter erklärt weiter, dass er via Instagram vermehrt auch junge Wählerinnen und Wähler – sprich: Wähler unter 35 Jahren – erreichen möchte.

Das Web hat keine Priorität

Wahlkampf wird nicht im Internet, sondern in persönlichen Gesprächen betrieben. Dies dürften sich wohl insbesondere Reto Wyss (CVP), Marcel Schwerzmann (parteilos) und Ruedi Schweizer (Parteilose Schweizer) denken. Sie sind kaum präsent im Web. Zwar verfügt der Rothenburger Bildungs- und Kulturdirektor Wyss über einen Twitter-Account, produziert dort jedoch weniger eigene Inhalte, als dass er «retweetet». Und gleich wie Regierungsratskollege Schwerzmann aus Kriens verfügt er über ein LinkedIn-Profil. Dies dient primär der beruflichen und politischen Vernetzung.

Auffallend ist bei Wyss, Schwerzmann und dem in Luzern wohnhaften Schweizer ferner, dass ihre persönlichen Webseiten zwar solide aufgebaut sind, aber auch nicht mehr. Da bespielen andere Kandidaten ihren Webauftritt durchaus fleissiger.

Erfolg hat, wer sein Profil lange aufbaut und oft betreut

Doch ist die Online-Abstinenz überhaupt schlimm? Oder anders gefragt: Was bringt die Präsenz im Web überhaupt? Politologen und Social-Media-Experten sind sich einig: Es lohnt sich nicht, bloss für den Wahlkampf ein eigenes Konto auf Twitter oder Facebook zu eröffnen. Innert weniger Monate kann man keine genügend grosse Anzahl «Follower» oder «Freunde» erwerben, um den Wahlkampf beeinflussen zu können. Und selbst wenn man diese über Jahre aufgebaut hat, ist nicht garantiert, dass man tatsächlich auch eine neue Wählergruppe erschliessen kann – wahrscheinlicher ist es, «nur» die eigene Wählerschaft zu erreichen. Schliesslich folgt Otto-Normalbürger ja nicht primär einem Politiker, der ihm nicht passt.

Eine nicht zu unterschätzende Gefahr sind zudem Fettnäpfchen. Gerade weil Politiker auf sozialen Online-Plattformen schnell und direkt ihre Meinung kund tun können, besteht das Risiko von unreflektierten Äusserungen, die einen «Shit-Storm» auslösen können. Die sorgfältige Betreuung der persönlichen Accounts ist daher wichtig.

Nichtsdestotrotz sind soziale Medien und das Internet ein legitimes zusätzliches Wahlkampfmittel. Wie entscheidend sie schliesslich sind, wird sich am 31. März zeigen.

Diese Social-Media-Kanäle nutzen die Regierungsratskandidaten

Hinweis: Die Webseiten der Luzerner Regierungsratskandidaten:
www.reto-wyss.ch
www.guidograf.ch
www.paulwiniker.ch
www.marcelschwerzmann.ch
www.fabianpeter.ch
www.joergmeyer.ch
www.roland-fischer.ch
www.korinthabaertsch.ch
www.ruedischweizer.ch

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