Von wegen Ruhe und Besinnlichkeit: In der Weihnachtszeit sind Pfarrer besonders gefordert

Während unsereins an Weihnachten gemütlich um den liebevoll geschmückten Weihnachtsbaum sitzt und die Zeit mit der Familie geniesst, eilen Priester von Gottesdienst zu Gottesdienst.

Martina Odermatt
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Die Advents- und Weihnachtszeit ist für Pater Bruno Oegerli jeweils besonders streng. Hier ist er im Pfarrhaus St. Stephan in Beromünster.

Die Advents- und Weihnachtszeit ist für Pater Bruno Oegerli jeweils besonders streng. Hier ist er im Pfarrhaus St. Stephan in Beromünster.

Bild: Jakob Ineichen (11. Dezember 2019)

Dieser Tage trudeln etliche Weihnachtskarten im heimischen sowie geschäftlichen Briefkasten ein. Eine ruhige und besinnliche Zeit wird da meist gewünscht. Ruhe und Besinnlichkeit, davon träumt wohl nicht nur unsereins, sondern auch die Geistlichen.

Denn an Weihnachten - und in der Adventszeit allgemein - ist für sie Hochbetrieb: Etliche Gottesdienste werden vorbereitet und gehalten, man eilt von Feier zu Feier. An einem der wichtigsten Tage für sie, können Pfarrer diesen gar nicht richtig geniessen, oder?

Pater Bruno Oegerli ist Priester in Beromünster und gehört dem Orden der Salesianer Don Boscos an. Geniessen könne er Weihnachten schon, aber seine Tage seien sehr durchgetaktet, sagt er im Gespräch.

24. Dezember: 14.30 Uhr

Bruno Oegerli hält zum ersten Mal den Gottesdienst im Pflegeheim Bärgmättli. «Ich muss die Predigt in möglichst einfache Worte fassen», erklärt er. Der Gottesdienst, der auch von Angehörigen gerne besucht wird, dauert ungefähr eine Stunde.

24. Dezember: 16.30 Uhr

Um 16.30 Uhr beginnt in der Kirche St. Stephan der Familiengottesdienst. Für Oegerli die schönste Feier. «Es kommen viele Väter mit ihren Kindern, während die Mütter zu Hause das Fest vorbereiten», sagt Oegerli. Bis anhin hat er immer selbst ein Krippenspiel organisiert. Dieses Jahr hat er diese Aufgabe an die Religionspädagogin delegiert, da er mit diversen Gottesdiensten zeitlich absorbiert ist. Das Krippenspiel sei wichtig, um den Kindern eine bildhafte Vorstellung des Weihnachtsgeschehens zu geben. Kinder dürfen in seinem Gottesdienst auch mal quengeln oder aufmucken – dem Pater macht dies nichts aus. Im Gegenteil: «Dann lebt der Gottesdienst, Kinder sind ein Geschenk», sagt er.

Dass der Familiengottesdienst für Oegerli jener ist, der für ihn am schönsten ist, erstaunt nicht. Oegerli gehört dem Orden der Salesianer Don Boscos in Beromünster an. Der Orden setzt sich besonders für Kinder und Jugendliche ein, und das weltweit. In Beromünster gehört ihnen das Jugendwek Don Bosco. Dieses ist bei den Möischterern fest verankert: Früher wohnten dort jeweils 120 Schüler aus dem ganzen Kanton Luzern und einige auch aus anderen Kantonen, die nach Beromünster an die Kantonsschule gingen. Mit dem Ausbau der Kantonsschulen im Seetal (Baldegg), Willisau und Schüpfheim zur Matura gab es weniger Schüler, die im Jugendheim wohnten, also verkaufte der Orden die Hälfte ihrer Gebäude an die Stiftung Mariazell in Sursee und bietet nun für die Erstklässler der Kanti Beromünster einen Mittagstisch an. Im Haus befindet sich auch das Hilfswerk Jugendhilfe Weltweit. Oegerli plant mit älteren Schülerinnen und Schüler auch das Freizeitangebot. Die Jugendlichen können nach dem Mittagessen ihre Freizeit im Don Bosco verbringen. In dieser freien Zeit «muss man die Jugendlichen beschäftigen, sonst beschäftigen sie dich», sagt er.

24. Dezember: 19 Uhr

Bruno Oegerli hat Zeit für ein kurzes Essen. Mit seinen zwei Mitbrüdern isst er zu Abend. Meistens gibt es laut Oegerli etwas Einfaches. Zeit für ein aufwendiges Abendessen hat Oegerli sowieso nicht, denn er muss schon bald wieder weiter zur nächsten Eucharistiefeier. Eine Stunde bleibt den drei Brüdern für das gemeinsame Abendessen. Meistens gibt es Wienerli oder Weisswürste. Dann trennen sich ihre Wege für den Abend, da alle noch an andere Orte müssen für weitere Gottesdienste.

24. Dezember: Mitternacht

Im Luzernischen Pfeffikon hält Pater Oegerli die Mitternachtsmesse. Immer wieder muss sich Bruno Oegerli auf eine anders zusammengesetzte Gottesdienstgemeinschaft einstellen, die Gestaltung der Eucharistiefeier entsprechend anpassen. Keine einfache Aufgabe. In Pfeffikon besuchen viele ältere Gläubige mit ihren Söhnen und Töchtern die sie besuchen den Gottesdienst. Sie singen gerne traditionelle Weihnachtslieder

25. Dezember: Morgen

Ausruhen von der Mitternachtsmesse ist bei Bruno Oegerli nicht wirklich angesagt . Da alle Pfarreien des Pastoralraums Michelsamt eine Eucharistiefeier erhalten sollen, hält Oegerli am Morgen des 25. Dezember in Rickenbach einen Festgottesdienst. Neben Rickenbach gehören auch noch die Pfarreien Pfeffikon, Neudorf, Schwarzenbach und St. Stephan in Beromünster zum Pastoralraum. Es ist ein Gottesdienst in dem alle Altersgruppen der Pfarrei anwesend sind und die Gläubigen gerne mitsingen.

25. Dezember: Abend

Und dann, dann kann auch Bruno Oegerli etwas herunterfahren. Am 25. Dezember feiert er abends gemeinsam mit seinen Mitbrüdern Weihnachten. Zuerst gibt es in der neu gemachten Hauskapelle eine kleine Einstimmung, danach wird gesungen und gebetet. Zu ihrer Weihnachtsfeier laden die Brüder immer auch eine oder zwei alleinstehende Person ein. Dieses Jahr ist es der indischer Priester, der im Pastoralraum mitarbeitet und ein ehemaliger Schüler vom Jugendwerk Don Bosco.

Die Rollen in der Wohngemeinschaft sind klar verteilt: Der älteste Bruder Don Boscos bereitet das Festmahl zu. Er koche sehr gerne und gut, sagt Oegerli. «Wir anderen beiden kümmern uns dann um den Abwasch, respektive wir füllen das gebrauchte Geschirr in unser ‹elektrisches Marie›», sagt er und schmunzelt spitzbübisch.

Schon am nächsten Tag geht der Alltag für Bruno Oegerli weiter: Am zweiten Weihnachtstag gedenkt die Pfarrei St. Stephan in einem Festgottesdienst ihres Kirchenpatron. «Im Gottesdienst feiert dieses Jahr unser Kirchenchor auch sein 125-jähriges Bestehen. »Begleitet vom Orchester Camerata Musica Luzern und unterstützt von vier Solisten singen sie die Missa Solemnis von Wolfgang Amadeus Mozart. «Es wird sicher ein festlicher Gottesdienst als Abschluss einer strengen pastoralen Zeit.»