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Vor dem Zentralschweizer Jodlerfest: Es gibt auch «studierte Jodler»

Wie weit darf sich der Jodel auch neuen Trends öffnen? Eine spannende Diskussion –auch im Hinblick auf das am übernächsten Wochenende stattfindende Jodlerfest in Horw.
Natalie Ehrenzweig
An der Hochschule Luzern-Musik gibt es seit 2018 einen neuen Studiengang Jodel. Hier eine Probe des Volksmusik-Ensembles «Alpinis» mit vier Jodlerinnen. Hinten links (mit Brille) Nadja Räss, Dozentin Hauptfach Jodel. Bild: Pius Amrein (Luzern, 28. November 2018)

An der Hochschule Luzern-Musik gibt es seit 2018 einen neuen Studiengang Jodel. Hier eine Probe des Volksmusik-Ensembles «Alpinis» mit vier Jodlerinnen. Hinten links (mit Brille) Nadja Räss, Dozentin Hauptfach Jodel. Bild: Pius Amrein (Luzern, 28. November 2018)

2018 konnte man sich an der Hochschule Luzern-Musik erstmals für das Hauptfach «Jodel» anmelden. «Wir hatten im ersten Jahr vier Jodlerinnen mit unterschiedlichen Fächerschwerpunkten und vier Sängerinnen mit Jodeln als Variantfach», erklärt Nadja Räss, Leiterin des Studienbereichs Volksmusik. Eine spannende Herausforderung sei vor allem die Arbeit im Volksmusik-Ensemble Alpinis gewesen, in dem bisher nur Instrumentalisten mitwirkten. Räss ist überzeugt:

«Die Integration der Jodlerinnen war aufgrund der unterschiedlich zu spielenden Stücke eine gewisse Challenge, ist aber letztlich für alle eine grosse Bereicherung.»

Die Volksmusik entwickle sich stetig weiter: «Wir hören im Unterricht manchmal alte Aufnahmen. Die älteste erhaltene stammt von 1901. So wird den Studierenden die Vielfalt der Volksmusik, auch regional, bewusst.» Um die Musik des Volkes zu leben, brauche es die Orientierung an den Wurzeln, den Traditionen.

«Ich möchte an die Volksmusik von vor 100 Jahren anknüpfen, daraus soll aber auch Neues entstehen. Man muss die Eigenheiten seiner eigenen Stimme kennenlernen und sie technisch auf Vordermann bringen.»

Ziel sei, mit dem Studium den Lernenden einen Gesamtüberblick zu geben, sagt Räss: «Wie hat es einst getönt? Wie tönt es jetzt? Und wie könnte es in Zukunft tönen? Die Studierenden müssen ihren Rucksack packen und dann ihre eigene Jodel-Sprache entwickeln.» Einige in der Volksmusikszene hätten Angst, was mit der Volksmusik passiere, wenn man sie öffne: «Aber wir bieten eine sehr breite Ausbildung, bei der die Wurzeln, die Grundlagen sehr wichtig sind. Es wäre schön, wenn sich ein Austausch mit den Skeptikern entwickeln und man sich gegenseitig auch befruchten könnte.»

Die Regionalität und Urtümlichkeit der Jodellieder und des Naturjodels dürfe auf keinen Fall verloren gehen, betonen Traditionalisten. «Wir bieten seit über 100 Jahren ehrenamtlich hochkarätige Jodelkurse an», sagt Karin Niederberger, Zentralpräsidentin des Eidgenössischen Jodler-Verbands.

«Die Popularität der Volksmusik steigt seit Jahren ohnehin stetig.»

Franziska Wigger, Jodlerin und Jodel-Lehrerin aus Büron, bestätigt dies. Sie studierte klassischen Gesang an der Hochschule Luzern und findet es spannend, «was aus der neuen Hochschul-Ausbildung resultiert und wie sich die Volkmusik weiterentwickeln wird». Gespannt sei sie, wie die studierten Jodel-Lehrpersonen an den Musikschulen Fuss fassen können: «Ich kann mir vorstellen, dass sie viel Anklang finden werden.» Sie selbst wirkt immer häufiger in Projekten mit, in der Musiker aus anderen Sparten mit Jodlerinnen und Jodlern zusammenarbeiten:

«Sie wollen das Urige erleben, merken, wie gut ihnen diese Klänge tun.»

Ruedi Bieri, Volksmusik-Komponist und Jodler, meint kurz und bündig:

«Wenn es für unseren Jodelgesang etwas bringt, ist das Studium gut.»

Auch Vreny Alessandri-Stadelmann, ebenfalls Komponistin und Jodellehrerin, findet das Jodel-Fach an der Musikhochschule eine gute Sache: «Wir müssen mit der Zeit mitgehen», meint sie.

«Ein Wandel ist sicher gut, doch soll das Traditionelle ebenfalls noch Platz finden.»

Im ersten Jahr sei stimmlich viel passiert bei den Studentinnen, sagt Nadja Räss: «Sie haben sich bereits ein sehr beachtliches Repertoire zugelegt. Der Unterricht macht Spass, ist intensiv und manchmal auch emotional. Unsere Stimme ist ja unser Instrument». Für den Herbst hat sich eine neue Studentin für das Hauptfach Jodel angemeldet. «Zudem kommen neu aus dem Bereich der Weiterbildung Volksmusik-Studierende in den Unterricht. Bemerkenswert finde ich, dass darunter auch eine Person mit einer Jazz-Ausbildung ist», freut sich Räss. Für sie ist klar: «Das Wichtigste, was ich meinen Studierenden vermitteln möchte, ist: Es gibt kein Richtig oder Falsch, sondern Musik muss einfach berühren.»

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