Vor Gericht kommt es zum Schlagabtausch rund ums Luzerner 21st Century Orchestra

Pirmin Zängerle, früherer Präsident des Vereins 21st Century Orchestra, soll sich des unlauteren Wettbewerbs schuldig gemacht haben.

Evelyne Fischer
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Indiana Jones, James Bond und Harry Potter hatten bereits das Vergnügen: Sie flimmerten im KKL über die Leinwand, während Streicher, Bläser und Perkussionisten für die Live-Filmmusik sorgten. Eine Erfolgsgeschichte des 21st Century Orchestra. Seit Herbst 2018 werden auch unter dem Label «City Light Concerts» Filmvorstellungen angeboten. Dahinter steckt Veranstalter Pirmin Zängerle, früherer Präsident des Vereins 21st Century Orchestra.

Zur Erinnerung: 2017 kam es zwischen dem 21st Century Orchestra und Pirmin Zängerle zum Zerwürfnis. Per Ende März 2017 gab er deshalb das Präsidium ab. Als sein Nachfolger amtet seither Andy Weymann.

Das 21st Century Symphony Orchestra bei der Aufführung von «Star Wars – A New Hope» im Konzertsaal des KKL Luzern.

Das 21st Century Symphony Orchestra bei der Aufführung von «Star Wars – A New Hope» im Konzertsaal des KKL Luzern.

Bild: Philipp Schmidli (6. April 2018)

21st Century Orchestra hat Strafanzeige eingereicht

Nun kommt es auch auf der juristischen Ebene zum Schlagabtausch. Aufgrund einer Anzeige des Vereins 21st Century Orchestra. Weil sich Pirmin Zängerle des unlauteren Wettbewerbs schuldig gemacht haben soll, bestrafte ihn die Staatsanwaltschaft im Juli 2018 mit einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 100 Franken und einer Busse von 1000 Franken. Überwälzt wurden ihm auch Verfahrens- und Anwaltskosten von mehreren tausend Franken. Zängerle erhob Einsprache, am Dienstag wurde der Fall vor dem Bezirksgericht Luzern verhandelt.

Gemäss Anklage, die nicht vor Ort war, soll sich der heute 48-jährige Stadtluzerner trotz Abgabe des Präsidiums weiterhin ins E-Mail-Konto des 21st Century Orchestras eingeloggt haben. Offenbar besass Zängerle einen Zugang zum Administratoren-Account, was ihm erlaubte, an info@21co.ch verschickte Nachrichten zu lesen. Wie festgestellt wurde, wurden an jene Adresse auch E-Mails weitergeleitet, die an Präsident Andy Weymann persönlich gingen.

Zängerle soll an Geschäftsgeheimnisse gelangt sein

Pirmin Zängerle soll so vertrauliche Informationen erhalten haben. Etwa, dass seine mittlerweile von ihm getrennte Frau im Juli 2017 plante, ihre Anteile an der gemeinsamen Firma Art Productions GmbH zu verkaufen – notabene an Andy Weymann. Doch Pirmin Zängerle kam jenem mit seinem Angebot zuvor.

Zängerle soll weiter in den Besitz eines Protokolls gekommen sein, in dem festgehalten wurde, dass der Verein eine Produktion ohne ihn durchführen wollte. Wenige Tage später schrieb Zängerle den Verantwortlichen, jene Produktion könne nicht aus einem bereits beschlossenen Veranstaltungspaket herausgelöst werden.

Bezirksrichter vertagt Verhandlung

So viel vorab: Obwohl der Einzelrichter sowohl Zängerle wie auch Weymann befragte, konnte er am Dienstag kein Urteil fällen, sondern musste den Prozess vertagen. Grund: Der Richter gab einem Beweisantrag von Zängerles Anwalt statt, der die Befragung von zwei weiteren Vorstandsmitgliedern verlangte.

Strittig ist vor allem ein Punkt: Wusste der Vorstand, dass Zängerle auch nach Abgabe des Präsidiums noch Zugriff auf den Administratoren-Account und das E-Mail-Konto info@21co.ch hatte? Glaubt man Zängerle, war dies der Fall. Sein Büro habe noch bis im Sommer 2017 bei der Orchesterdisposition, der Betreuung der Website und der Bewirtschaftung der E-Mail-Adresse info@21co.ch mitgewirkt. Weil es sich dabei um ein kleines Team handle, habe auch er selbst Arbeiten ausgeführt.

Auf das richterliche Nachhaken äusserte sich Zängerle stets vage. Warum er sich zwischen dem 6. Juni und 22. August 2017 nachweislich 27-mal eingeloggt hatte, könne er «konkret leider nicht mehr beantworten». Auch konnte er nicht mehr sagen, ob er die automatisch weitergeleiteten Nachrichten von Weymanns E-Mail-Adresse gelesen hatte. Solche wurden sowohl auf Zängerles Geschäftscomputer wie auch auf dessen privaten Gerät gefunden. Laut Strafbefehl konnte allerdings «nicht rechtsgenüglich nachgewiesen werden», dass Zängerle selbst die Weiterleitung installiert hat.

Zängerle betonte, er habe keinerlei Infos zu seinem Vorteil verwertet. Dass er über den E-Mail-Kanal vom Verkauf der Anteilscheine erfahren haben soll, sei «absoluter Schwachsinn». Auch dass er Kenntnis von einem Protokoll gehabt haben soll, sei «absoluter Unsinn».

«Harzige Übergabe» beim Wechsel des Präsidiums

Andy Weymann, 52, aus Küssnacht, schilderte die Situation freilich anders. Anfang April 2017 habe es zwischen ihm und Zängerle «eine kurze, harzige Übergabe» gegeben. Er habe nicht gewusst, dass dieser weiterhin einen Admin-Zugang besass. Auch sei es – entgegen der Schilderung des Beschuldigten – nicht die Idee gewesen, dass Zängerles Büro die Adresse info@21co.ch weiterhin betreue. Die Website wiederum sei alt gewesen und habe nur wenige Arbeiten benötigt.

Gemäss Weymann gab es bereits 2015 Spannungen zwischen dem Verein, dem Vorstand und Zängerle. Erst recht, als Letzterer im Sommer 2016 unter dem Namen «21st Century Concerts GmbH» seine eigene Firma gegründet hat. Weil die gleichnamige Konzertreihe von Zängerle zum Verwechseln ähnlich klang wie der Verein 21st Century Orchestra, kam es zum Namensstreit. Dieser wurde im Herbst 2018 beigelegt, als Zängerle entschied, seine Veranstaltungen künftig als City Light Concerts zu vermarkten.

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