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Vor Schwyzer Gericht: Autofahrer soll Tod eines 21-jährigen Luzerner Töfffahrers verursacht haben

Ein tödlicher Töffunfall in Brunnen im Jahr 2015 hat ein gerichtliches Nachspiel. Auch wenn es nicht zur Kollision kam, beschuldigt der Staatsanwalt einen beteiligten Autofahrer wegen fahrlässiger Tötung.
Ruggero Vercellone

Im September 2015 fuhr ein 21-jähriger Töfffahrer aus dem Kanton Luzern beim Bahnhof Brunnen in den Tod. Er bog von Gersau her kommend in den Kreisel vor dem Bahnhof Brunnen ein, beschleunigte hierauf seinen Töff, in Richtung Schwyz fahrend, auf fast 100 km/h, bremste dann voll ab und kam vor dem Viadukt zu Fall. Auf der Gegenseite wurde er von einem Lieferwagen trotz Vollbremsung überfahren. Der Töfflenker wurde derart schwer verletzt, dass er noch auf der Unfallstelle verstarb.

Schuld an diesem tragischen Unfall soll ein heute 38-jähriger Automobilist gewesen sein, der vom Bahnhofareal vor dem Viadukt links in die Strasse einbiegen wollte, woher der Töfffahrer gefahren kam. Der Automobilist soll dabei laut Anklageschrift mit der Front seines Wagens die Wartelinie bis an den Fahrradstreifen hinaus überfahren haben. Es kam dabei zwar nicht zur Kollision. Der Automobilist habe aber den Motorradfahrer durch sein Verhalten erschreckt, sodass dieser das tödlich endende Bremsmanöver vorgenommen habe.

Bedingte Geldstrafe und Busse verlangt

Der Staatsanwalt forderte für den beschuldigten Autofahrer wegen fahrlässiger Tötung, einfacher Körperverletzung (begangen in einer Auseinandersetzung im Juli 2015), mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (weil er zwischen Oktober 2015 und Juli 2016 Haschisch konsumiert hatte) und wegen mehrfachem vorsätzlichem Missbrauch von Ausweisen und Schildern (er hatte die Verkehrssteuer trotz Fahrausweis- und Kontrollschilderentzug zu spät bezahlt) eine auf drei Jahre bedingte Geldstrafe von 140 Tagessätzen a 70 Franken. Zudem sollte er als Lehre eine sogenannte Verbindungsbusse von 2650 Franken bezahlen.

Mit gebotener Vorsicht hätte der Autofahrer laut Staatsanwalt erkennen müssen, dass sich der Motorradfahrer mit erhöhter Geschwindigkeit näherte, zumal er das sehr laute Motorengeheul hörte und er dies im Verkehrsspiegel durch einen Kontrollblick hätte sehen können.

Keine zwingende Ursache für den Unfall

Der Verteidiger forderte einen Freispruch für den Autofahrer, weil kein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Verhalten seines Klienten und dem tragischen Unfall bestehe. Der Töfffahrer habe durch seine den Rasertatbestand erfüllende Geschwindigkeit ein grosses Selbstverschulden getragen. Mit einer angemessenen Geschwindigkeit hätte er den Unfall verhindern können. Er hätte ausweichen oder sogar unfallfrei bremsen können.

Sein Klient habe dem Töfffahrer die Fahrbahn nicht versperrt und auch nicht den Vortritt abgeschnitten. Dass die Front des Autos etwas über die Haltelinie hinaus ragte, sei keine zwingende Ursache für den Unfall gewesen. Zu einer Kollision sei es ja direkt deswegen auch nicht gekommen.

Sein Mandant habe die Sorgfaltspflicht nicht verletzt. Er habe das zu schnell fahrende Motorrad nicht gehört und zu spät gesehen. Der Motorradfahrer habe aber durch seine Fahrweise seine Sorgfaltspflicht verletzt. Wer sich selbst in Gefahr begebe, dürfe sich im Strassenverkehr nicht darauf verlassen, dass sich andere Verkehrsteilnehmer umso stärker bemühen, sein Fehlverhalten zu korrigieren.

Das Urteil wird schriftlich eröffnet.

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