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Serge Karrer, ehemaliger Gemeindepräsident Hitzkirch (links) und David Affentranger, aktueller Gemeindepräsident von Hitzkirch über dem Nebelmeer in Müswangen. (Bild: Philipp Schmidli (18. Dezember 2018))

Serge Karrer, ehemaliger Gemeindepräsident Hitzkirch (links) und David Affentranger, aktueller Gemeindepräsident von Hitzkirch über dem Nebelmeer in Müswangen. (Bild: Philipp Schmidli (18. Dezember 2018))

Vor zehn Jahren sind acht Gemeinden von der Landkarte verschwunden

Vor zehn Jahren kam es im Kanton Luzern zum bisher grössten Fusions-Schub: Hitzkirch, Beromünster und Triengen wuchsen durch eine Heirat. Ehemalige und amtierende Gemeindepräsidenten erzählen von knappen Resultaten und kleinen Stolpersteinen.
Martina Odermatt

Der Nebel kriecht an diesem Morgen in Hitzkirch unerbittlich in jede Ritze. Die Spitze des Kirchturms lässt sich nur erahnen. Wer die Sonne sehen will, der muss den Berg hoch, nach Müswangen. Dort befindet sich quasi die Sonnenstube Hitzkirchs. Die Bergketten am Horizont zu Beginn deutlich zu erkennen, wandert der Nebel immer höher, bis auch Müswangen im dumpfen Weiss nur noch schemenhaft erkennbar ist. Seit der Gemeindefusion am 1. Januar 2009 ist Müswangen keine eigenständige Gemeinde mehr, sondern gehört zu Hitzkirch. Genauso wie Retschwil, Gelfingen, Hämikon, Sulz und Mosen. Hitzkirch 7 wurde das Fusions-Projekt genannt. Es bleibt bis heute jene Fusion mit den meisten beteiligten Gemeinden im Kanton Luzern.

David Affentranger (CVP), aktueller Gemeindepräsident von Hitzkirch ist Müswanger durch und durch und kann sich noch gut an den Moment erinnern, als die Fusion beschlossene Tatsache war. «Ich war damals sehr traurig», sagt er. «Ich dachte, ich würde alles verlieren.» Ängste, die wohl auch andere Einwohner plagten, sich aber später als unbegründet herausstellten. Auch aufgrund der Vorarbeit der Projektverantwortlichen.

Einer davon war Serge Karrer (CVP), damaliger Gemeindepräsident von Hitzkirch. Auch er erinnert sich noch gut an den Abstimmungssonntag, an dem das Stimmvolk Ja zur Fusion sagte.

«Es herrschte eine Aufbruchstimmung. Und das, nachdem die geplante Fusion von 11 Gemeinden 2006 gescheitert war.»

Verschiedene Faktoren für Fusionsglück

Aufbruchstimmung herrschte in vielerlei Hinsicht. So wurde die erste Gemeindeversammlung der fusionierten Gemeinde in der Euphorie etwas «hemdsärmelig» abgehalten. Es gab keine gesetzliche Grundlage, deshalb habe man nach Köpfen abgestimmt. «Niemand hat das in Frage gestellt, obwohl die juristische Lage nicht ganz klar war», erzählt Karrer, selber Jurist, im Nachhinein.

Prägend war für Karrer auch die Gemeindeversammlung für die Raumordnung. Diese fand in der Kirche statt, 600 Leute nahmen daran teil. «Für mich ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Wir haben alle Anliegen durchgebracht.» Obwohl später eine Stimmrechtsbeschwerde eingegangen war, die vom Justiz- und Sicherheitsdepartement abgewiesen wurde, stand die Bevölkerung sonst geschlossen hinter der Raumordnung. «Es war ein Zeichen, dass wir vieles richtig gemacht haben.»

Dass die Fusion weitestgehend harmonisch verlief, ist laut Karrer verschiedenen Faktoren geschuldet. Einerseits sind sich die Gemeinden im Hitzkirchertal bereits sehr nahe. Andererseits sei es ein Vernunftentscheid gewesen. «Alle wussten, es braucht eine grössere Einheit, um die erhöhten Anforderungen an eine Gemeinde bewerkstelligen zu können», sagt Karrer. Zudem gab es verschiedentlich die Möglichkeit, mitzubestimmen. «Man muss diese Möglichkeiten aber auch wahrnehmen.» Weiter wurden die Identitäten der heutigen Ortsteile mehrheitlich so belassen, wie sie waren: «Wir hatten uns bewusst dazu entschieden, einige Dinge im jeweiligen Ortsteil zu belassen, auch wenn beispielsweise eine Zusammenlegung der Schulen ökonomischer wäre.»

Das habe geholfen, Ängste abzubauen. Auch bei David Affentranger. «Ich habe gemerkt, dass wir nichts verloren haben- wir haben sogar noch unseren Kindergarten in Müswangen.» Heute sehe er, dass die Fusion der einzig richtige Weg gewesen sei. «Wir hätten nie so eine professionelle Verwaltung, wenn wir nicht fusioniert hätten», sagt er.

Noch heute sind in jedem Ortsteil die jeweiligen Flaggen angebracht.

«Eine Fusion wäre gefährlich, wenn den Leuten die Identität weggenommen wird. Ich bin immer noch Müswanger, aber ich bin auch Hitzkircher.»

Affentranger und Karrer sind sich einig: Diese Haltung hat sich bei allen Einwohnern in den letzten zehn Jahren etabliert.

Güsel und Schulhaus waren Stolpersteine

Klingt so, als sei damals alles problemlos vonstatten gegangen? «Die Projektverantwortlichen haben viel Vorarbeit geleistet. Als die Fusion dann Tatsache war, haben wir nicht mehr auf die einzelnen Ortsteile Rücksicht genommen, sondern geschaut, was am besten ist für die fusionierte Gemeinde», erklärt Karrer. Niemand habe probiert, für seine ehemalige Gemeinde etwas mehr rauszuholen – und das bis heute. «Da festgelegt wurde, dass der neue Gemeinderat aus fünf und nicht sieben Mitgliedern konstituiert würde, erledigte sich die Frage nach dem Besitzanspruch nach Ortsteil», sagt Karrer.

Doch es habe auch Stolpersteine gegeben. Die Pläne für das neue Schulhaus seien an der Urne damals unerwartet bachab geschickt worden. «Dann mussten wir einen Schritt zurück machen. Es gab eine öffentliche Veranstaltung und wir fanden heraus, dass die Bürger vorher mehr über die ganze Immobilienstrategie wissen wollten.» Auch bei der Müllentsorgung gab es zuerst Aufschreie: Diese war in allen Ortsteilen anders geregelt. «Bei der Vereinheitlichung ärgerten sich viele. Mittlerweile haben sie sich so daran gewöhnt, dass sie sich über die nächste bevorstehende Änderung ärgern. Aber sie werden sich auch an dieses wieder gewöhnen.» Sie sind sich einig: «Die Opposition kommt nicht aus ganzen Lagern. Wenn, dann sind es Einzelfälle», sagen Karrer und Affentranger.

Mit der Heirat im Jahr 2009 hat sich die Fusionsfreude im Hitzkirchertal jedoch noch nicht gelegt. Bekannterweise hat Altwis an die Türe Hitzkirchs geklopft und möchte nun fusionieren. Letzte Woche liefen dazu Verhandlungen. Spruchreife Ergebnisse werden aber erst im Februar erwartet, wie Affentranger sagt. Bereits 2006 war dies in beiden Gemeinden Thema. Jedoch lehnten sowohl die Hitzkircher wie auch die Altwiser eine Heirat an der Urne ab. Auch 2014 war ein Fusionsprojekt zwischen Hitzkirch und Altwis abgebrochen worden – wegen finanzieller Fragen. Für die jetzige Fusionsplanung können die Gemeinden auf die Unterlagen von damals zurückgreifen. «Es wurde hervorragende Vorarbeit geleistet, das erleichtert uns die Arbeit sehr», sagt Affentranger.

Auch Beromünster brauchte zwei Anläufe zur Fusion

Nicht nur in Hitzkirch wurde vor zehn Jahren fusioniert. Auch Beromünster und Gunzwil wagten die Heirat, nachdem ein Fusionsprojekt zwischen Beromünster und Neudorf 2004 gescheitert war. Die Abstimmung zur Dreierfusion war damals denkbar knapp. Nur gerade zehn Stimmen der Neudorfer schickten das Projekt 2004 bachab. Mittlerweile sind sowohl Gunzwil (seit 2009) wie auch Neudorf (seit 2013) Teil von Beromünster. Vierte Gemeinde ist Schwarzenbach (Seit 2004). Das Echo zur Fusion Beromünster – Gunzwil fiel weitaus positiver aus. 74 Prozent der Möisterer und 57 Prozent der Gunzwiler waren 2007 für eine Heirat der beiden Gemeinden. «Ich glaube, die Abstimmung von 2004 liess Gunzwil und Beromünster zusammenrücken», sagt Charly Freitag (FDP), aktueller Gemeindepräsident von Beromünster. Als er dieses Amt antrat, waren die Verhandlungen der beiden Gemeinden bereits durch; der Gemeinderat musste nun die Umsetzung der Massnahmen vorantreiben. Und: Kaum im Amt, hatte er bereits eine Anfrage der Neudorfer auf dem Schreibtisch, die Gespräche für eine Fusion wieder aufzunehmen.

Heute sei Beromünster eine Gemeinde mit vier Ortsteilen, auf die alle stolz seien, sagt Freitag. Erreicht habe man dies wohl dank zwei Faktoren: «Einerseits haben wir die fusionierte Gemeinde als etwas Neues angesehen, mit neuen Chancen und Möglichkeiten. Andererseits haben wir beide Gemeinden gleich behandelt.» So investiere man laufend, etwa bei der Schule in allen Ortsteilen. Ob die Fusion der richtige Weg war, sei offen. «Wir wissen ja nicht, wie es gewesen wäre, hätten wir nicht fusioniert. Aber: Wir stehen heute finanziell so gut da, wie wir es nicht gedacht hätten.» (mod)

«Ich glaube, die Abstimmung von 2004 liess Gunzwil und Beromünster zusammenrücken»

Charly Freitag, Gemeindepräsident Beromünster

Kantonsbeitrag liess die Fusion in Triengen fast scheitern

2008 sprachen sich 59 Prozent der Trienger und 77 Prozent der Winikoner für eine Fusion aus. «Die Spannung im Gemeinderat und auch bei der Bevölkerung war sehr hoch», erinnert sich Georg Dubach, damaliger Gemeindepräsident von Triengen. Und Willy Heller, ehemaliger Gemeindepräsident von Winikon fügt an: «Der Beitrag des Kantons war ein Knackpunkt. Aus Sicht der Gemeinderäte beider Gemeinden war er zu tief angesetzt. Dadurch wäre die Fusion beinah gescheitert.»

Bei den Vorbereitungen der Fusion konnten die Gemeinden von den Erfahrungen aus dem Jahr 2005 mit Kulmerau und Wilihof profitieren. «Ich glaube, behaupten zu können, dass wir heute ein glückliches Dorf mit vier divergenten Ortsteilen sind», sagt Dubach rückblickend. Er sei überzeugt, dass es für die Entwicklung und die Lebensqualität der richtige Entscheid war. Das sieht auch Willy Heller so: «Durch den gesenkten Steuerfuss wurde der Dorfteil Winikon wieder interessant. Viele junge Winikoner sind geblieben oder kamen wieder zurück.» Die beste «Messlatte» für eine erfolgreiche Fusion seien zufriedene Bürger. «Zurzeit kann ich keine negativen Strömungen bei der Bevölkerung spüren», sagt Dubach. Jedoch habe es in Kulmerau im Jahr 2016, in Zusammenhang mit dem geplanten Windpark, Unruhe gegeben. Man war auf die Unterstützung der Bevölkerung aus den anderen Dorfteilen angewiesen. «Dieser Zusammenhalt hatte damals an der Gemeindeversammlung hervorragend geklappt und damit gezeigt, dass wir ein kompaktes Dorf mit vier harmonischen Dorfteilen sind.» Diese kann man übrigens bald auf einem speziellen Weg zu Fuss besuchen: Die Gemeinde weiht am 1. Januar den Fusionsweg ein, der alle vier Ortsteile miteinander verbindet. (mod)

«Ich glaube, behaupten zu können, dass wir heute ein glückliches Dorf mit vier divergenten Ortsteilen sind.»

Georg Dubach, ehemaliger Gemeindepräsident Triengen

Erfolgreiche Fusionen

  • Start der Gemeindereform 2000+ mit 107 Gemeinden, 1997

Per 01.01.2005 - 103 Gemeinden

  • Beromünster - Schwarzenbach, 1. September 2004
  • Römerswil- Herlisberg, 1. Januar 2005
  • Triengen- Kulmerau - Wilihof, 1. Januar 2005

Per 01.01.2006 - 97 Gemeinden

  • Willisau-Stadt - Willisau-Land, 1. Januar 2006
  • Reiden - Langnau -Richenthal, 1. Januar 2006
  • Ettiswil - Kottwil, 1. Januar 2006
  • Dagmersellen - Uffikon - Buchs, 1. Januar 2006

Per 01.01.2007 - 96 Gemeinden

  • Hohenrain - Lieli, 1. Januar 2007

Per 01.01.2009 - 88 Gemeinden

  • Beromünster - Gunzwil, 1. Januar 2009
  • Hitzkirch, Gelfingen, Hämikon, Mosen, Müswangen, Retschwil, Sulz, 1. Januar 2009
  • Triengen - Winikon, 1. Januar 2009

Per 01.01.2010 - 87 Gemeinden

  • Luzern - Littau, 1. Januar 2010

Per 01.01.2013 - 83 Gemeinden

  • Escholzmatt - Marbach, 1. Januar 2013
  • Schötz - Ohmstal, 1. Januar 2013
  • Rickenbach - Pfeffikon, 1. Januar 2013
  • Beromünster - Neudorf, 1. Januar 2013

Geplante Fusionen

  • Altishofen und Ebersecken werden sich auf den 1. Januar 2020 zusammenschliessen. Das hat die Bevölkerung der beiden Gemeinden am 23. September mit einem sehr deutlichen Resultat entschieden.
  • Im Juni 2018 haben Hitzkirch und Altwis ein entsprechendes Projekt lanciert. Falls es zu einer Fusion kommt, findet sie voraussichtlich am 1. Januar 2021 statt. Anfang September 2018 verkündeten Gettnau und Willisau die Aufnahme von Abklärungen. Hier gilt als möglicher Fusionszeitpunkt ebenfalls der 1. Januar 2021.

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