Vorerst keine Vorträge für Senioren an der Uni Luzern

Die Seniorenuniversität Luzern startet am Montag mit reduzierter Kapazität und Schutzkonzept ins Herbstsemester. Während Vorträge gestrichen werden, profitieren die Senioren von zusätzlich angebotenen Seminaren.

Stephan Santschi
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Ein Bild aus Zeiten vor der Pandemie: Vorlesung an der Seniorenuniversität von Anfang 2019.

Ein Bild aus Zeiten vor der Pandemie: Vorlesung an der Seniorenuniversität von Anfang 2019.

Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 14. Januar 2019)

«Wir starten wie geplant.» Michel Hubli, Präsident der Seniorenuniversität Luzern, blickt zuversichtlich auf das Herbstsemester, das am Montag mit einer Eröffnungsfeier lanciert wird. Normalität soll zurückkehren, zumindest soweit es die staatlichen Vorgaben in der Coronakrise zulassen. «Klar gibt es Leute, die vorerst lieber verzichten», sagt Hubli – im Wissen, dass die Klientel altersbedingt zur Risikogruppe für eine ernsthafte Covid-19-Erkrankung gehört. «Grundsätzlich möchten sie aber wiederkommen. Es geht ja nicht nur um Bildung, sondern auch um soziale Kontakte. Mit den Anmeldungen sind wir sehr zufrieden.»

Dass das Programm nicht im gewohnten Rahmen abläuft, war indes zu erwarten. Die rund 40 Vorträge in der Universität an der Frohburgstrasse 3 werden praktisch gänzlich gestrichen, damit es nicht zu einer Durchmischung zwischen Jung und Alt kommt. Ausnahme bilden Abendveranstaltungen, die auf besonders grosses Interesse stossen. «Diese könnten wir kurzfristig in die Universität verlegen.» Auch Exkursionen und Kulturreisen werden reduziert.

Zahl der Seminare wird fast verdoppelt

Die Seminare in den Räumlichkeiten der Seniorenuniversität am Schweizerhofquai 2 werden derweil fast verdoppelt, 77 sind es insgesamt. «Wir öffnen auch den Freitag für Termine, so können wir Themen aus dem Frühjahrssemester noch zu Ende bringen», erklärt Michel Hubli. Auch Sprachkurse und Lesezirkel stehen wieder zur Auswahl bereit. «Der Umfang der Veranstaltungen bleibt damit insgesamt etwa gleich.» Merklich verkleinert werden muss indes die Kapazität für die Zuhörer. Die grossen Säle an der Universität, die bei besonders beliebten Vorträgen mit bis zu 250 Menschen gefüllt sind, fallen weg. Und im eigenen Seminarraum mit 48 Plätzen werden nur 20 zugelassen. Für eine Non-Profit-Organisation ohne staatliche Subventionen, die vor allem von den Beiträgen ihrer 4000 Mitglieder und den Eintritten der Veranstaltungen lebt, bedeutet dies eine finanziell starke Belastung. Hinzu kommt die Schliessung aufgrund des Lockdowns von März bis Juni, während vier von zehn Betriebsmonaten also. Dementsprechend ist sich Michel Hubli bewusst:

«Das aktuelle Geschäftsjahr wird nicht sehr gut aussehen, am Ende werden einige tausend Franken fehlen.»

Der frühere Rektor der Kantonsschule Sursee betont aber auch: «Wir haben in den letzten Jahren gut gearbeitet und uns eine Reserve schaffen können. Zudem haben wir die Pensen des Personals und die Honorare der Dozenten etwas kürzen können. Wenn unsere Seminare gut ausgelastet sind, sollten wir gut über die Runden kommen.»

Prominente Neuzugänge im Vorstand

Neben der Absage der Vorträge in der Universität und dem verringerten Fassungsvermögen des Seminarraums beinhaltet das Covid-19-Schutzkonzept die üblichen Massnahmen. Das Tragen von selber mitgebrachten Schutzmasken ist Pflicht. Bodenmarkierungen erinnern an die Distanzregeln und das Einhalten von mindestens 1,5 Metern Abstand. Die Räume werden nach jeder Veranstaltung gereinigt und desinfiziert, ebenso wie die Sanitäranlagen und verschiedene Zugänge (Eingang, Lift, Korridore, Aufenthaltszonen). «Wir verfügen auch über die Möglichkeit der Temperaturmessung und dürfen Personen mit Krankheitssymptomen keinen Zutritt gewähren», erklärt Hubli. Jede Veranstaltung läuft zudem über eine Anmeldung, womit auch dem Contact-Tracing zur Genüge Rechnung getragen wird.

Fest steht: Auch in dieser speziellen Zeit wartet die Seniorenuniversität wieder mit einem reichhaltigen Programm auf, wobei zeit- und kunstgeschichtliche sowie literarische, philosophische und religiöse Themen im Zentrum des Interesses stehen. Um diese Vielfalt zu wahren, braucht es ein entsprechendes Netzwerk und deshalb ist Michel Hubli stolz darauf, dass der Vorstand mit drei prominenten Personen ergänzt werden kann. Namentlich sind dies: Hans-Rudolf Schärer, der abtretende Rektor der Pädagogischen Hochschule Luzern, Pius Muff, ehemaliger Prorektor der Luzerner Wirtschaftshochschule, und Martina Caroni, Prorektorin und Professorin der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Luzern.