Theater in Rothenburg: Vorhang auf für Mani Matters absurde Miniaturen

Das MTM Theater Rothenburg widmet sich in seiner Jubiläumsproduktion dem Berner Troubadour.

Yvonne Imbach
Drucken
Teilen
Das Bühnenbild des Stücks ist karg gehalten, umso mehr legt sich der Fokus auf Matters Texte sowie Mimik und Gestik der überzeugenden Spielerinnen und Spieler. Bild: Dominik Wunderli (Rothenburg, 13. September 2019)

Das Bühnenbild des Stücks ist karg gehalten, umso mehr legt sich der Fokus auf Matters Texte sowie Mimik und Gestik der überzeugenden Spielerinnen und Spieler. Bild: Dominik Wunderli (Rothenburg, 13. September 2019)

Zu seinem 30-jährigen Jubiläum präsentiert das MTM Theater Rothenburg einen Musiktheaterabend in Erinnerung an Mani Matter. Es lädt das Publikum ein, die eher unbekannte Seite des Berner Liedermachers kennen zu lernen.

Vier Jahre nach Matters Tod erschien 1976 das «Rumpelbuch», in dem kunterbunt Geschichten, Gedichte, kleine Dramen und absurde Miniaturen aus seinem Nachlass gesammelt wurden. Die Hommage des Theaters steht unter dem Titel «Zündhölzli – 17 zündende Theaterstückchen» und endet erhellend: Das Ensemble singt mit dem Publikum gemeinsam Mani Matters wohl bekanntestes Lied. Wer den Text vom «Zündhölzli» seit seiner Kindheit vielleicht etwas vergessen hat, findet ihn ausgedruckt auf den kleinen Tischen des Pfarreiheims Rothenburg liegen. Mit der gruppenweisen Bestuhlung wurde der Saal geschickt in ein kleines Variété der intimeren Art verwandelt.

Lieder ergänzen die Szenen

Für die Produktion konnte das MTM Theater den Rothenburger Gitarrenlehrer und Musiker Sacha Zihlmann gewinnen. Passend zum Theaterabend stimmt er das Publikum mit dem Lied «Si hei der Willhelm Täll ufgfüehrt» ein. Weitere Chansons wie «s’Lied vo de Bahnhöf» und «Dr Hansjakobli u ds Babettli» ergänzen immer wieder sensibel das Spiel.

Die Bühne zeigt sich karg: Drei Sitzgruppen in Grün, schwarzer Hintergrund, von der Decke schweben Uhren, Spiegel und Papierflieger. Die zwölf Spielerinnen und Spieler sind ganz in Weiss gekleidet, nichts soll vom Text, der Mimik und Gestik ablenken. Die kurzen Szenen sind stets aus dem Alltag gegriffen, erhalten überraschende Wendungen bis hin zum Absurden. Es lohnt sich, diese Miniaturen konzentriert zu verfolgen. Da kommt ein zerstreuter Professor mit seinem Hausgeist vor, ein Stuhl wird zum gefeierten Kunstobjekt und eine Schauspielerin soll sich selber spielen, kennt sich aber zu wenig. Philosophisches wechselt sich mit Surrealem ab, viel feinsinniger Humor regt zum Schmunzeln an.

Ein grosses Bravo gilt dem Ensemble: Das Stück ist sehr textlastig, manche Sätze und Handlungen absurd und schwierig zum Einstudieren. Unter diesen Bedingungen jede Szene, jeden neuen Auftritt, jeden Monolog oder Dialog fehlerfrei abzuliefern, ist eine grossartige Leistung. Jeder Spielende schlüpft in drei bis vier Rollen. Trotzdem gelingt ein facettenreiches Spiel, und jede neue Figur überzeugt im gezeichneten Charakter. Regisseurin Barbara Alt hat die 17 «zündenden Theaterstückchen» aus insgesamt 33 Texten im «Rumpelbuch» ausgewählt und arrangiert.

Die zweite Generation spielt mit

Es fällt auf, dass das MTM Rothenburg einige junge Spielerinnen im Verein hat. «Das sind Töchter oder Nichten von langjährigen Mitgliedern, also bereits die zweite Generation», freut sich Barbara Alt. Sie selbst ist Gründungsmitglied, hatte kleinere und grössere Rollen und auch schon die Regieassistenz übernommen.

In ihrem 30. Vereinsjahr führt sie nun erstmals das Regiezepter. «Ich bin rundum happy und sehr zufrieden. Das Ensemble hat toll gespielt und das Publikum gut reagiert», freute sie sich nach der Premiere am Samstagabend. Der lange Applaus gab ihr recht.

Weitere Aufführungen: 20., 21., 25., 27. und 28. September um 20 Uhr. 22. September um 17 Uhr. Pfarreiheim Rothenburg. Reservation: vorverkauf@mtm-theater.ch und Telefon 0796989744.