Video

Vorlesetag: Wenn der Pilot liest statt fliegt

Vorlesen soll populärer werden. Darum hat die Bibliothek Adligenswil zwei Polizisten, eine Balletttänzerin, einen Piloten und eine Reitlehrerin eingeladen.

Sandra Peter
Drucken
Teilen
Pilot Peter Kronenberg erklärt, was die vier Streifen an seiner Uniform bedeuten: Er ist Kapitän. Bild: Boris Bürgisser (Adligenswil, 22. Mai 2019)

Pilot Peter Kronenberg erklärt, was die vier Streifen an seiner Uniform bedeuten: Er ist Kapitän. Bild: Boris Bürgisser (Adligenswil, 22. Mai 2019)

Ein Mann in einer Uniform sitzt in der Bibliothek in Adligenswil vor einer Kinderschar und liest aus einem Buch vor. Mit konzentrierten Mienen und teilweise offenen Mündern lauschen die Kinder auf dem Boden sitzend den Worten von Swiss-Pilot Peter Kronenberg. Er liest ihnen die Geschichte von Emma vor, die einen Tag im Cockpit ihres Onkels verbringen darf. Die meisten Zuhörer sind gebannt bei der Sache. Auf die Frage «Seid ihr alle angeschnallt?» folgten umgehend Ja- und Nein-Rufe.

Hier eine Hörprobe der Cockpit-Geschichte:

Die Veranstaltung am Mittwoch war Teil des zweiten Schweizer Vorlesetags, einer nationalen Kampagne zur Leseförderung des Instituts für Kinder- und Jugendmedien SIKJM. Mit verschiedenen Veranstaltungen soll auf den Wert des Vorlesens aufmerksam gemacht werden.

Positive Auswirkungen auf Leseverständnis

Studien würden belegen, dass regelmässiges Vorlesen positive Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern und Schüler habe, so das SIKJM. So verfügten Kinder, denen täglich vorgelesen wird, über einen grösseren Wortschatz und würden leichter lesen und schreiben lernen als Gleichaltrige ohne Vorlese-Erfahrung. Dass Leseförderung nötig ist, zeigt die letzte PISA-Studie von 2015: Demnach verfügte ein Viertel der 15-jährigen Schweizer Schüler beim Leseverständnis nicht einmal über die Grundkompetenzen, bei den Schülerinnen waren es 15 Prozent. Das Vorlesen hat zudem eine soziale Komponente; Geschichten lassen sich gemeinsam erleben und Gespräche werden angeregt. Die Adligenswiler Organisatoren setzten bei den Vorlesern nicht wie andere Veranstalter auf bekannte Persönlichkeiten, sondern spezielle Berufe. «Wir wollten etwas anbieten, das die Kinder packt. Bücher über Piloten, Polizisten, Ballerinas oder das Reiten werden am häufigsten ausgeliehen. Deswegen suchten wir nach Vertretern dieser Berufe als Vorleser», erklärt Bibliothekarin Vivien Seufert das Konzept, das sie mit Berufskollegin Gabi Alfaré ausgearbeitet hat. Die Vorlesenden sollten den Kindern bei Fragen auch etwas aus ihrer Erfahrung im wirklichen Berufsalltag erzählen können und Ausrüstung oder Accessoires mitbringen.

60 Kinder hörten zu

Nebst dem Piloten konnten die Bibliothekarinnen zwei Polizisten, eine Balletttänzerin mit Bühnenerfahrung sowie eine Reitlehrerin für den Anlass begeistern. Die Geschichten für den Vorlesetag haben die Bibliothekarinnen ausgewählt.

Im Falle der Polizisten übernahm Bibliothekarin Alfaré das Vorlesen der Geschichte «Grosseinsatz», bei der es um Polizisten bei einem Fussballspiel von Deutschland gegen England ging. Hier eine Hörprobe davon:

Die Beantwortung der Fragen und die Vorstellung der Ausrüstung für einen ebensolchen Einsatz übernahmen die beiden Polizisten dann wieder selber.

Für das Programm hat die Adligenswiler Bibliothek einen der fünf ausgeschriebenen Unterstützungsbeiträge des Vereins Kinder- und Jugendmedien Zentralschweiz über 500 Franken erhalten. Über 60 Kinder haben den Vorlesetag in der Bibliothek Adligenswil besucht. «Wir sind sehr zufrieden damit», sagt die Bibliotheksleiterin Lisbeth Bühler. Das Team schätzt, dass rund zwei Drittel der Besucher zu den regelmässigen Bibliothekskunden zählen und ein Drittel neue Gesichter in der Bibliothek waren.

Mehr zum Vorlesetag: www.schweizervorlesetag.ch

Hugo Bischof liest aus der «Luzerner Zeitung»:

Video

Wenn Luzerns Stadtpräsident im Bus vorliest

Auf der VBL-Linie 1 in der Stadt Luzern erzählen Promis anlässlich des Schweizer Vorlesetags im Bus ihre Lieblingsgeschichten. Für Stadtpräsident Beat Züsli ist das eine Herzensangelegenheit.
René Meier