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VORSCHAU: «Nur Musiker sein, reicht nicht mehr»

Der Perkussionist Ross Karre startete seine Karriere in der Lucerne Festival Academy. Heute kommt er als «Vorbild» nach Luzern.
Interview Roman Kühne
Backstage im KKL: der amerikanische Perkussionist Ross Karre (30) mit seinen Schlaginstrumenten. (Bild Dominik Wunderli)

Backstage im KKL: der amerikanische Perkussionist Ross Karre (30) mit seinen Schlaginstrumenten. (Bild Dominik Wunderli)

Ross Karre, im Oktober haben Sie eine grosse Premiere.

Ross Karre: Ja, da habe ich mit dem National Symphony Orchestra im Kennedy Center in Washington eine Uraufführung des Komponisten Roger Reynolds, der ja schon den Pulitzer-Preis gewann.

Allerdings spielen Sie da nicht Perkussion, was Sie ja studiert haben.

Karre: Ich begleite das Projekt filmisch. Auf drei Leinwänden setze ich die Geschichte, die Briefe George Washingtons, bildlich in Szene, zeitgleich zu drei Erzählern und zur Orchestermusik. Daran habe ich jetzt fast zwei Jahre gearbeitet.

Ist das nicht etwas ungewöhnlich für einen klassisch ausgebildeten Musiker?

Karre: Nach meinem Doctor of Musical Arts habe ich ein Kunststudium in Video angehängt. Es ist heute für einen Musiker, vor allem wenn er sich in der «Moderne» bewegt, fast unmöglich, nur über die Musik ein Auskommen zu finden. Nur Musiker sein, reicht heute nicht mehr. Zumindest in den USA ist dies so. In Europa scheinen da andere Gesetze zu gelten. Ich lebe momentan in New York, Brooklyn. Dort sind fast alle Berufskollegen auf mehreren Ebenen tätig. Sie besitzen meist einen Abschluss auf einem Instrument, haben noch ein Standbein in der Elektronik und arbeiten fast immer multimedial. Viele sind auch als Konzertorganisatoren tätig. Dies ist natürlich auch eine Folge des Zeitgeistes. Die Multimedialität der Kunst, die Gleichzeitigkeit verschiedener auditiver und visueller Kanäle spiegelt direkt unser wirkliches Leben.

Sie sprechen von heute. War es denn früher anders – oder sogar besser?

Karre: Früher hatte man einen Job an einer Universität oder in einem Sinfonieorchester. Heute werden, aus Kostengründen, fast nur noch Teilzeitaufträge vergeben. In New York, Boston oder Chicago, den wichtigsten Orten für zeitgenössische Musik, kann man nur versuchen, auf der Basis von Projekten zu überleben. Ich habe das Glück, im International Contemporary Ensemble in New York zu spielen, wo ich pro Jahr 40 Auftritte absolviere. Dies gibt mir eine Basis und eine gewisse Ruhe.

Sie realisieren eigene Projekte, spielen in einem Orchester – was führt Sie seit 2004 nach Luzern immer wieder zur Luzerner Festival Academy?

Karre: Luzern war und ist für mich sehr wichtig. Hätte man mich vor 10 Jahren gefragt, ob eine Karriere als zeitgenössischer Musiker möglich ist, wäre mir dies irrsinnig vorgekommen. In Luzern sah ich, dass es funktionieren kann. Viele Musiker bekommen hier Kraft, Ideen und Wissen, um eine Laufbahn in der Moderne einzuschlagen. Für mich war die Academy wie eine Art Kick-off. Ich begann kreativer zu arbeiten, suchte grössere Risiken – und siehe da, es funktionierte.

Ist die Academy in den USA denn sehr bekannt?

Karre: In New York existiert wohl kaum ein jüngeres Ensemble, in welchem nicht Absolventen der Academy spielen. Für mich gibt es zwei Orte auf der Welt, wo man wirklich als «Contemporary Artist» durchstarten kann: Darmstadt und Luzern. Luzern ist dabei eine Art Gegenentwurf zu Darmstadt. Während dort mehr die Komposition im Zentrum steht, sind es hier die Musiker und die Aufführungen.

Sie selber haben ja von diesen Kontakten direkt profitiert. Dieses Jahr hat man Sie eingeladen, um selber Inspiration für die nächste Generation zu sein.

Karre: Unsere Schlagzeuggruppe Ensemble XII hat hier im Jahr 2005 erstmals zusammengefunden. Wir spielten ein Stück von Edgar Varèse für 12 Schlaginstrumente. Bis heute sind wir zusammengeblieben und stellen jedes Jahr mindestens ein grösseres Projekt auf die Bühne. Diesen reichen, auch in Luzern gewonnenen Erfahrungsschatz, möchten wir gerne weitergeben.

Am nächsten Sonntag führen Sie mit dem Ensemble XXII im KKL eine Uraufführung auf. Wie kam es dazu?

Karre: Auf einen Komponistenwettbewerb hin haben sich über 100 Autoren gemeldet. Wir haben dann Milica Djordjevic (*1984) ausgewählt. Sein Werk «Zapis für zwölf Schlagzeuger» ist extrem spannend und vielfältig. Dann spielen wir nächste Woche noch im römischen Theater Augusta Raurica in einer Produktion des Schweizer Schlagzeugers und Komponisten Fritz Hauser. Auch dies eine Uraufführung.

In der Academy werden also Freundschaften fürs Leben geschlossen?

Karre: (lacht) Teilweise gehen sie sogar über das Musikalische hinaus. Meines Wissens wurde das erste «Academy»– Baby bereits geboren.

Hinweis

Auftritte mit dem Ensemble XII am 1. September im Luzerner Saal, KKL (17.20 Uhr, freier Eintritt, 21 Uhr: Fr. 30.–)

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