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VORSORGE: «Bei der Luzerner Pensionskasse sind Anpassungen notwendig»

Reto Tarreghetta (54) übernimmt ab 1. März die Führung der Luzerner Pensionskasse. Er erklärt, warum die rund 23'000 Versicherten Einbussen hinnehmen müssen – und warum er bei Immobilienkäufen vorsichtig ist.
Alexander von Däniken
Reto Tarreghetta. (Bild: Gertrud Roth)

Reto Tarreghetta. (Bild: Gertrud Roth)

Interview: Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@ luzernerzeitung.ch

Mit dieser Personalie ist dem Vorstand der Luzerner Pensionskasse (LUPK) gemäss Branchenkennern ein Coup gelungen: Reto Tarreghetta wird per 1. März neuer CEO der grössten Personalvorsorgeeinrichtung der Zentralschweiz (Ausgabe vom 3. November 2017). Der 54-jährige Zürcher übernimmt das Amt von Interims-Geschäftsführer Rolf Haufgartner und ist seit 2014 CEO der Novarca AG – eines Unternehmens, das Pensionskassen berät.

Reto Tarreghetta, warum wechseln Sie ausgerechnet zur Luzerner Pensionskasse?

Ich wurde angefragt und darf das Steuer einer grundsoliden Kasse übernehmen: mit einem anerkannten Führungsorgan, einem respektablen Deckungsgrad sowie angemessenem Bewertungszinssatz und aktuellen technischen Grundlagen.

Sie müssen es ja wissen; schliesslich haben Sie in den letzten Jahren Pensionskassen auf Ihre Kosten und Leistungen hin überprüft. Hatten Sie wieder Lust auf Frontarbeit?

Das ist so. Ich habe auch früher an der Front gearbeitet, etwa als Mitglied der Geschäftsleitung beim Vermögensverwalter Swisscanto. Ich freue mich, dass ich meine Erfahrung und mein Know-how nun bei der LUPK einbringen kann. Diese hat gemäss provisorischem Abschluss 2017 eine Rendite von über 7 Prozent erwirtschaftet und einen Deckungsgrad von über 107 Prozent erzielt.

Bei diesen Zahlen wäre die auf 1. Januar 2019 in Kraft tretende Reglementsänderung mit der Senkung des Umwandlungssatzes, der Erhöhung des Rentenalters auf 65 und der Streichung der AHV-Ersatzrente gar nicht nötig.

Oh doch, und zwar aus drei Gründen. Erstens, die Demografie: Die Bevölkerung lebt länger und bezieht deshalb auch länger eine Rente. Zweitens, das tiefe Zinsumfeld: Dies erschwert es den Kassen, eine ansprechende Rendite zu erwirtschaften. Drittens, der Umwandlungssatz: Ist er zu hoch, werden Gelder der aktiv Versicherten für die Neupensionierten eingesetzt. Alle Pensionskassen bewegen sich in diesem schwierigen Umfeld und müssen entsprechende Massnahmen treffen. Mit der Folge, dass auch bei der Luzerner Pensionskasse Anpassungen notwendig sind, um die finanzielle Stabilität sicherzustellen.

Noch muss der LUPK- Vorstand das revidierte Reglement absegnen. Und der Kantonsrat wird voraussichtlich im kommenden Juni über die entsprechende Änderung des Personalgesetzes befinden. Werden Sie die Debatte vor Ort mitverfolgen?

Ja, ich werde sicher vorbeischauen – zumal ich mit der Luzerner Politik noch nicht vertraut bin.

Von der kantonalen Rentendiskussion zur nationalen: Welchen Eindruck haben Sie von der gescheiterten Rentenreform AV 2020?

Zuerst einmal bin ich froh, dass in der breiten Bevölkerung über das Thema Altersvorsorge intensiv diskutiert wurde. Dass es Massnahmen braucht, darüber besteht Konsens.

Haben Sie die Vorlage befürwortet?

Der Bundesrat hat für die Reform der Altersvorsorge ein Gesamtpaket geschnürt, was meiner Meinung nach aus Sicht des einzelnen Versicherten richtig war. Die Debatte hat dann aber gezeigt, dass die Vorlage zu komplex war. Nun soll ja die Vorlage aufgeteilt werden – in eine für die AHV und eine für die zweite Säule.

Die Diskussionen um die nationale Rentenreform haben auch die Frage aufgeworfen, ob das System aus AHV für die Existenzsicherung, Pensionskasse für die Sicherung des bisherigen Lebensstandards und dritter Säule als persönliches Rentenextra überhaupt noch funktioniert.

Davon bin ich nach wie vor überzeugt. Voraussetzung ist allerdings, dass in der ersten und zweiten Säule die notwendigen Reformen rasch umgesetzt werden.

Sie haben bereits das tiefe Zinsniveau angesprochen. Die Pensionskassen haben in den letzten Jahren reagiert, indem sie in ihren Anlage­werten ihr Immobilien­portfolio erweitert haben. Wird auch die Luzerner Pensionskasse noch stärker in diesen Markt vordringen?

Immobilieninvestitionen sind bei Pensionskassen fester Bestandteil der Anlagestrategie. Zurzeit sind im Schweizer Markt jedoch Warnsignale bemerkbar. So sind zum Beispiel die Leerstände insbesondere bei gewerblich genutzten Immobilien gestiegen. Die Luzerner Pensionskasse wird auch in Zukunft ihr Immobilienportfolio im Gleichschritt mit dem Wachstum der gesamten Vermögenswerte ausbauen. Bei Direktanlagen hat die Objektwahl und Risikobeurteilung jedoch mit der notwendigen Vorsicht zu erfolgen.

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