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VORSORGE: Selbstbestimmt ins Alter starten

Seit dem neuen Erwachsenenschutzgesetz machen sich mehr Leute Gedanken darüber, wer ihnen im Falle einer Urteilsunfähigkeit beistehen soll. Das Angebot an Vorsorgemöglichkeiten ist gross.
Martina Odermatt
Der Docupass der Pro Senectute ist eine Variante, um die Zuständigkeiten zu regeln. Informationen dazu sind auf der Website der Pro Senectute zu finden. (Bild: Screenshot Website Pro Senectute)

Der Docupass der Pro Senectute ist eine Variante, um die Zuständigkeiten zu regeln. Informationen dazu sind auf der Website der Pro Senectute zu finden. (Bild: Screenshot Website Pro Senectute)

Manchmal geht es schneller als erwartet. Die Lücken im Gedächtnis werden stetig grösser, und bevor man es sich eingestehen möchte, ist es zu spät. Demenz und Alzheimer sind Krankheiten, die einen im Alter ereilen können. Es kann einen aber auch bereits früher treffen. Innerhalb weniger Minuten hatte sich das Leben des ehemaligen Formel- 1-Piloten Michael Schuhmacher um 180 Grad gedreht, der fitte Sportler wurde zum Pflegefall. Klar geregelte Zuständigkeiten sind dann umso wichtiger.

«Nach dem Schumacher-Unfall haben sich die Klickzahlen zum Docupass während Tagen vervielfacht», sagt Peter Burri Follath, Mediensprecher der Pro Senectute Schweiz. Der Docupass ist ein Angebot der Pro Senectute, das diverse Vorsorgepapiere vereint. Neben dem sogenannten Vorsorgeauftrag (siehe Kasten), den handlungsfähige Personen für den Fall einer Urteilsunfähigkeit ausfüllen – beispielsweise durch Demenz oder eben einen Unfall – enthält er auch eine Patientenverfügung, Anordnung für den Todesfall, Testament und Vorsorgeausweis. Laut Pro Senectute wurden in den letzten drei Jahren schweizweit über 100 000 Vorlagen für Vorsorgeaufträge verkauft. Ungefähr 7 Prozent davon in der Zentralschweiz. Peter Burri Follath schätzt jedoch, dass bloss jedes fünfte Dossier auch wirklich ausgefüllt wird. Auch Caritas bietet eine Mappe mit Patientenverfügung, Vorsorgeauftrag und «Letzte Dinge regeln» an. In Luzern wurden dieses Jahr bisher 150 Gesamtpakete verkauft, wie die Caritas auf Anrage mitteilt.

Die Zahlen der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) sprechen eine ähnliche Sprache: Bei den sieben Luzerner Kesb traten seit 2013 bereits 54 Vorsorgeaufträge in Kraft, weitere 6 werden aktuell geprüft. «Die Zahl ist noch nicht besonders hoch», sagt Elisabeth Scherwey, Präsidentin der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb Luzern-Land, «doch normalerweise greifen solche Instrumente nicht so schnell, da die Leute nicht von heute auf morgen urteilsunfähig werden.»

Weniger Möglichkeiten ohne Vorsorgeauftrag

Fehlt jedoch ein Vorsorgeauftrag, haben Angehörige, je nach Beistand, nur eingeschränkten Handlungsspielraum. Ohne Vorsorgeausweis tritt zuerst der Ehemann oder die Ehefrau sowie der eingetragene Partner als Beistand auf, sofern diese im gleichen Haushalt leben und der urteilsunfähig gewordenen Person nahestehen. Sie dürfen beispielsweise die Post öffnen und erledigen, Rechtshandlungen vornehmen, um den üblichen Unterhalt zu decken, wie beispielsweise Abrechnungen mit der Krankenkassen erledigen. Zudem dürfen sie die ordentliche Einkommens- und Vermögensverwaltung betreuen, erklärt Scherwey. Geht es allerdings um grössere Anschaffungen, wie Investitionen in Aktien oder den Kauf eines Hauses, brauche man die Zustimmung der Kesb.

Verantwortung selbst wahrnehmen

Die urteilsunfähige Person vertreten darf grundsätzlich, wer ihr regelmässig und persönlich Beistand leistet. Die Zuständigkeit der vertretungsberechtigten Personen verläuft kaskadenartig. Nach den Eheleuten werden Personen, die im gleichen Haushalt leben, danach Kinder, Eltern und dann Geschwister als Vertretung aufgeführt. Fehlt der Vorsorgeauftrag und es sind keine Personen vorhanden, die nach Gesetz zur Vertretung berechtigt wären, stellt die Kesb einen Beistand. «Unsere Beistände arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen. Sie müssen auf die Meinung und den Willen der betroffenen Person Rücksicht nehmen», sagt Scherwey. Doch für sie sei es schwer, den mutmasslichen Willen einer fremdem Person nachzuvollziehen. Scherwey steht deshalb dafür ein, dass Leute ihre Verantwortung wahrnehmen und selbst bestimmen, was im Notfall passieren soll. Diese Beistände müssen der Kesb mindestens alle zwei Jahre Bericht und Rechnung ablegen. «So können wir sicherstellen, das alles rechtens abläuft und bei Bedarf die Massnahmen anpassen.»

Hinweis Der Vorsorgeauftrag kann unter anderem in einem Gesamtpaket mit anderen Dokumenten bei der Caritas für 28 Franken oder bei der Pro Senectute für 19 Franken gekauft werden. Die Kesb führt online ein kostenloses Muster zum Herunterladen. Auch Notare und Ärzteorganisationen verfügen über Vorlagen.

Martina Odermatt

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