Vorteil Bürgerliche

Jérôme Martinu, stv. Chefredaktor, über die Luzerner Regierungsratswahl

Jérôme Martinu
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Jérôme Martinu (Bild: Neue LZ)

Jérôme Martinu (Bild: Neue LZ)

Doppelte Überraschung bei der gestrigen Luzerner Regierungsratswahl. Dass gleich drei der vier wieder antretenden Magistraten ihre Wiederwahl im ersten Umgang sichern, das war nicht erwartet worden. Die auffällig guten Resultate der beiden CVP-Vertreter Guido Graf und Reto Wyss, sowie von Robert Küng (FDP) lassen diesen Schluss zu: Die Luzerner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wünschen sich stabile Verhältnisse in der Regierung. Und mit dem parteilosen amtierenden Finanzdirektor Marcel Schwerzmann und SVP-Kandidat Paul Winiker liegen zwei weitere Bürgerliche praktisch gleichauf.

SP-Kandidatin Felicitas Zopfi hingegen die zweite, grosse Überraschung – schwächelt auffällig. Die linke Nachfolge von Justizdirektorin Yvonne Schärli ist tatsächlich in Frage gestellt. Auch wenn die SP gestern kategorisch abwinkte: Sie muss ernsthaft erörtern, ob sie am 10. Mai wieder mit Zopfi ins Rennen steigen soll.

Finanz- und Steuerpolitik wurden im Wahlkampf am meisten diskutiert. Hier ist bürgerliche Stabilität offensichtlich am meisten erwünscht. Denn die drei Wiedergewählten tragen den aktuellen Sparkurs mit neben Finanzdirektor Schwerzmann. Ihm wurde aber ein Denkzettel verpasst. Er holte rund 8000 Stimmen weniger als 2011 im ersten Wahlgang. Seine zögerliche Politik im Kontext der Affäre «Web-Gate» hat ihn viele Stimmen gekostet.

Das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schwerzmann und Winiker sorgt für eine «heisse» Ausgangslage im zweiten Wahlgang. Zumal CVP und FDP offen durchblicken lassen, am 10. Mai möglicherweise auf Winiker zu setzen. Heisst: Die SVP hat anders als noch vor vier Jahren einen mehrheitsfähigen Kandidaten. Könnte auch heissen: Das Einbinden der SVP in die Regierung ist CVP und FDP wichtiger als Kontinuität im Schuldenabbau- und Steuerkurs ein Kurs, den massgeblich der amtierende Schwerzmann vertritt. Die gestrigen Resultate könnten aber auch heissen: Die SP soll in die Opposition.