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VORTRAG: Schweizer Haiforscher: «Haie haben keine bösen Absichten»

Der bekannte Schweizer Haiforscher Erich Ritter tritt morgen in Luzern auf. Dort erklärt er unter anderem, wieso man mit einem Weissen Hai genauso kommunizieren kann wie mit einer Katze.
Niels Jost
Verhaltensökologe Erich Ritter beim Tauchen mit Haien. (Bild: PD)

Verhaltensökologe Erich Ritter beim Tauchen mit Haien. (Bild: PD)

Interview: Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Der Weisse Hai ist nicht gefährlich, er ist kein Monster, sondern ein Star. Das sagt der promovierte Verhaltensökologe Erich Ritter. Seit nun mehr als 35 Jahren erforscht der Zürcher das Verhalten der Haie, analysiert und rekonstruiert Hai-Unfälle. Dafür begibt er sich selber oft ins Wasser, wobei er 2002 in die Wade gebissen wurde, als sein Aufpasser am Ufer unaufmerksam war. Ritter gilt als Pionier und hat weltweite Bekanntheit erlangt. Morgen Dienstag hält er einen Vortrag an der Hochschule Luzern.

Erich Ritter, wenn ich meine nächsten Ferien am Meer verbringe, muss ich Angst vor einem Haibiss haben?

Nein, absolut nicht. Obwohl selbst im Mittelmeer Haie leben, ist ein Angriff sehr unwahrscheinlich. Pro Jahr gibt es weltweit 60 bis 80 Zwischenfälle, 5 bis 6 enden tödlich. Gemessen an den Millionen Schwimmern und Wassersportlern, die sich jeden Tag im Wasser befinden, ist das aber eine verschwindend kleine Zahl. Da ist so ziemlich jede andere Aktivität viel gefährlicher.

Und falls ich doch einem Hai begegne: Was soll ich tun?

Am besten tun Sie gar nichts. Der Instinkt sagt uns zwar, dass wir wegschwimmen sollen. Doch das Zurückziehen motiviert den Hai umso mehr, näher zu kommen. In seltenen Fällen setzt er zu einem Probebiss an – dabei kann man jedoch eine Hand oder einen Fuss leicht aus dem Maul reissen, da der Hai dann nur leicht festhält. Das führt zu keinen lebensgefährlichen Verletzungen.

Und doch kommt es zu Todesfällen.

Todesfälle gibt es nur dann, wenn etwa eine Arterie aufgerissen wird und die Person verblutet. Dass Haie einen Menschen zerfleischen, ist ein Hollywood-gemachtes Bild. Bei einer Begegnung mit einem Hai soll man sich vertikal aufrichten, die Beine hängen lassen und sich zum Tier hin und mit ihm drehen, wobei man dann eben ausschliesslich die Arme benutzt.

Sie touren derzeit mit Ihren Vorträgen durch Europa, zum ersten Mal machen Sie auch Halt in Luzern. Die meisten Ihrer Zuhörer wohnen also nicht am Meer. Was wollen Sie denen dann vermitteln?

Wir wollen die Menschen aufklären. Der Hai ist kein blutrünstiges Monster, wie er in vielen Filmen oder Medien dargestellt wird. Er ist scheu, intelligent – und ist für das Ökosystem von zentraler Bedeutung. Wir zeigen zudem auf, dass man sogar mit einem ausgewachsenen Weissen Hai interagieren kann wie mit einem Hund oder einer Katze. Sprich: wie man seine Absichten erkennen kann.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Wenn mir ein Weisser Hai entgegenschwimmt, achte ich auf sein Maul. Hat er es offen oder geschlossen? Bei Letzterem deutet es darauf hin, dass er keinen Sauerstoff bekommt und deshalb nicht entspannt ist. Also muss ich mein Verhalten entsprechend anpassen. Haie haben keine bösen Absichten.

Sie wollen also die Leute weltweit gegenüber dem Hai sensibilisieren. Nach wie vor gilt er aber als Monster, nicht als Star – ist Ihre Arbeit somit auch etwas ermüdend?

Keineswegs. Haie sind meine Passion, ich habe mich den Tieren verschrieben. Diese Faszination möchte ich allen näherbringen. Wenn die Besucher am Ende eines Vortrags mit einer anderen Meinung aus dem Saal gehen, dann bin ich zufrieden.

Hinweis

Erich Ritter (59, Bild) stammt aus Zürich und lebt seit 25 Jahren in Florida. Er leitet die Sharkschool, eine Abteilung des Shark Education and Research Center auf den Bahamas. Ritter berät unter anderem die Deutsche Marine, die United States Navy und die Air Force. Ritters Vortrag findet morgen um 19 Uhr an der HSLU – Wirtschaft statt. Tickets: www.ticketfrog.ch.

Erich Ritter, Haiforscher (Bild: PD)

Erich Ritter, Haiforscher (Bild: PD)

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