Vorwurf der Vergewaltigung: Mann vor dem Luzerner Kriminalgericht freigesprochen

Das Kriminalgericht Luzern hat einen 39-jährigen Italiener vom Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte für den Mann eine Freiheitsstrafe von 38 Monaten verlangt.

Roger Rüegger
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Ein 39-jähriger Italiener ist von seiner ehemaligen Mitarbeiterin angezeigt worden. Er soll die Frau im Jahr 2014 zweimal in ihrer Wohnung in einer Luzerner Landgemeinde vergewaltigt haben. Ausserdem wirft sie ihm vor, es in seiner Firma ein weiteres Mal versucht zu haben. (Artikel vom 17. Dezember).

Drei Jahre nach den angeblichen Vorfällen, gelangte die 28-jährige Schweizerin mit den Vorwürfen an die Behörden. Die Luzerner Staatsanwaltschaft beantragte für den Beschuldigten bei der Verhandlung am Kriminalgericht eine Freiheitsstrafe von 38 Monaten, der Verteidiger des Beschuldigten plädierte auf Freispruch. Das Kriminalgericht hat den Mann im Urteil vom 16. Dezember von Schuld und Strafe freigesprochen. Für die unschuldig erlittene Untersuchungshaft muss der Staat dem Mann eine Genugtuung von 1600 Franken bezahlen.

Hatten sie eine Beziehung oder nicht?

Bei der Verhandlung wurden zwei völlig verschiedene Geschichten erzählt. Die Privatklägerin erzählte, dass der Beschuldigte eine Beziehung mit ihr gewollt habe. Eine solche habe aber nie existiert. Der Mann sei zu alt für sie und zudem sei er verheiratet und Vater von zwei Kindern. Aber sie sagte auch: «Er war aufmerksam und gab mir das Gefühl, etwas Besonderes zu sein.» Sex hätten sie zwar gehabt, der habe aber ohne ihre Einwilligung stattgefunden.

Auf die Frage der Richter, warum sie nach der Vergewaltigung den Kontakt nicht abgebrochen habe, sagte die Frau: «Weil ich mit der Situation ohne ihn nicht klargekommen wäre. Ich war zu schwach, um zu gehen. Ich wollte ihn nicht verlieren.» Der Beschuldigte beteuerte, dass er die Frau nie vergewaltigt habe. Er habe sie über alles geliebt und sie jeden zweiten Tag besucht. «Wir haben gemeinsam viele Dinge erlebt, es ist etwas Schönes entstanden.» Das Urteil des Kriminalgerichts liegt im Dispositiv vor. Es ist noch nicht rechtskräftig.