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Waffe statt Weitsicht: So hat Dominik Ettlin zum Polizeiberuf gefunden

Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker (SVP) hat am Donnerstag in Sursee 24 Aspiranten der Luzerner Polizei vereidigt. Unter ihnen auch den Sarner Dominik Ettlin, der sich wegen eines besonderen Ereignisses dem Leben in Uniform verschrieben hat.
Evelyne Fischer
Polizist Dominik Ettlin erhält nach der Vereidigung in Sursee von Polizeiseelsorger Robert Knüsel ein Teelicht. (Bild: Manuela Jans-Koch, 24. Mai 2018)

Polizist Dominik Ettlin erhält nach der Vereidigung in Sursee von Polizeiseelsorger Robert Knüsel ein Teelicht. (Bild: Manuela Jans-Koch, 24. Mai 2018)

Diesen Tenü-Befehl haben sie nicht alle Tage zu befolgen: Für 24 Polizisten galt es am Donnerstag, in Hemd, Krawatte und Uniformhosen zu erscheinen, Mehrzweckwerkzeug, Handschellen und Funkgerät vom Gurt zu entfernen. Bleiben durfte einzig die Waffe. Die 6 Frauen und 18 Männer gehörten zu den Absolventen zweier Lehrgänge der interkantonalen Polizeischule in Hitzkirch, deren öffentliche Vereidigung nun bevor stand. Zum ersten Mal in Sursee.

Im Takt des Spiels der Luzerner Polizei marschierten die Aspiranten auf den Rathausplatz. Unter ihnen auch Dominik Ettlin (31), Ältester seines Lehrgangs, aus Sarnen. Letzten Herbst schloss er die Grundausbildung ab, ist seither in der Stadt Luzern tätig.

Ettlin und seine Berufskollegen seien nun Menschen mit «Vorbildcharakter. Sie sind Vertrauenspersonen», sagte Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker (SVP) in seiner Ansprache. «Als äusseres Zeichen dafür tragen Sie die Uniform.» Viel wichtiger aber seien die Eigenschaften Mut, Charakter und Motivation, «mit denen Sie die Uniform ausfüllen».

Still sitzen? Nur wenn’s sein muss

Die rechte Hand zum Schwur erhoben, die linke auf der Fahne, legte in der Folge auch Dominik Ettlin den Eid ab. «Das alles schwöre ich, so wahr mir Gott helfe», liess er verlauten. Seien es Personenkontrollen in der Drogenszene rund um den Bahnhof, Fahndungseinsätze in zivil im Dealermilieu der Baselstrasse oder Patrouillendienste während der Fasnacht: Ettlin mag Action – und Chaos. «Am liebsten rücke ich aus, wenn ich nicht weiss, was mich erwartet.»

Still sitzen? Nur wenn’s sein muss. Das gilt auch für seine Hobbys. Ettlin organisiert kantonale Sportlager mit, ist Vizepräsident des O-Tour-Bike-Marathons in Alpnach. Wer Ettlin nicht kennt, würde ihn wohl schnell als Draufgänger abstempeln. «Doch das bin ich nicht», sagt er. «Wenn ich etwas mache, dann zu 120 Prozent. Aber ich begebe mich nicht leichtfertig in Gefahr, kenne meine Grenzen.»

«Sie sind nun eine Vertrauensperson.
Als äusseres Zeichen dafür tragen Sie eine Uniform.»


Paul Winiker



Justiz- und Sicherheitsdirektor (SVP)

Um den Bestand zu halten, werden jährlich 20 bis 25 Aspiranten vereidigt. Wie alle Absolventen der Polizeischule ist auch Ettlin über Umwege zur Uniform gekommen. Der studierte Betriebswirt arbeitet zunächst fünf Jahre in der Tourismusbranche – unter anderem bei der Engelberg-Titlis Tourismus AG im Verkauf und auf der Melchsee Frutt im Marketing der «Frutt Family Lodge».

Dazwischen ist er im renommierten Hotel Seehof in Davos tätig. Dort, wo während des «World Economic Forums» die Mächtigen und Reichen verkehren. «Während des WEF wimmelte es im Haus von Polizisten. Auf dem Dach war gar eine Sondereinheit stationiert», sagt Ettlin. «Die vielen Einsatzmöglichkeiten faszinierten mich. Das wollte ich auch.»

R. Gut aus Kriens wird als Polizist in Sursee vereidigt. (Bild: Manuela Jans-Koch, 24. Mai 2018)
Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker (SVP), Regierungspräsident Guido Graf (CVP), Standesweibelin Anita Imfeld und Kantonsratspräsidentin Vroni Thalmann (SVP) bei der Vereidigungsfeier in Sursee. (Bild: Manuela Jans-Koch, 24. Mai 2018)
Polizeikommandant Adi Achermann führt die Schar der Aspiranten auf den Surseer Rathausplatz. (Bild: Manuela Jans-Koch, 24. Mai 2018)
Das Spiel der Luzerner Polizei umrahmte die Vereidigungsfeier in Sursee. (Bild: Manuela Jans-Koch, 24. Mai 2018)
Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker (SVP) mit Standesweibelin Anita Imfeld bei der Ansprache in Sursee. (Bild: Manuela Jans-Koch, 24. Mai 2018)
Impression der öffentlichen Vereidigungsfeier auf dem Rathausplatz in Sursee. (Bild: Manuela Jans-Koch, 24. Mai 2018)
«Wo Licht ist, ist auch Schatten», sagte Polizeiseelsorger Robert Knüsel bei der Vereidigung in Sursee. (Bild: Manuela Jans-Koch, 24. Mai 2018)
Impression der öffentlichen Vereidigungsfeier auf dem Rathausplatz in Sursee. (Bild: Manuela Jans-Koch, 24. Mai 2018)
Impression der öffentlichen Vereidigungsfeier in Sursee. (Bild: Manuela Jans-Koch, 24. Mai 2018)
9 Bilder

Impressionen der öffentlichen Vereidigung von 24 Polizisten

Über 1300 Lektionen während 10 Monaten

Ein Jahr später verfasst Ettlin das handschriftlich verlangte Motivationsschreiben, reicht sein Bewerbungsdossier ein. Schafft später die Hürden des Deutschdiktats, meistert Rechenaufgaben und kognitive Übungen, beweist schliesslich mit Sport- und Medizintest, dass er in diesem Job am rechten Ort ist. Polizeikommandant Adi Achermann gratulierte den Polizisten am Donnerstag zur Vereidigung, der «ein schwieriges Prozedere» vorangegangen sei. Man werde sie nun in die Pflicht nehmen. «Wir erwarten einiges von euch.»

Dies kann Ettlin bestätigen. «Das Wissen, das man sich als Polizist aneignen muss, habe ich unterschätzt», sagt er. Über 1300 Lektionen sind es während der zehnmonatigen Ausbildung. «Stehst du im Einsatz, musst du auf Knopfdruck extrem viel abrufen können.» Dann und wann auch die Waffe zu ziehen, sei mittlerweile Routine. Zur Schussabgabe kam es noch nie. Brenzlig wurde es für Ettlin erst einmal: Während seiner Ausbildung, an der Määs. «Zu zweit rückten wir zu einer Schlägerei aus, waren plötzlich von 13 Leuten umzingelt. Das sorgte für Adrenalin.»

«Stehst du im Einsatz, musst du auf Knopfdruck extrem viel abrufen können.»

Dominik Ettlin



Polizist aus Sarnen

Kennt er Angst? «Ja», sagt Ettlin. «Aber die darf man nicht zeigen.» Man funktioniere, selbst in «schwierigen Einsätzen» mit aussergewöhnlichen Todesfällen oder häuslicher Gewalt. «In jenem Moment lässt mich die Situation jeweils recht kalt, auch aus Selbstschutz. Die Betroffenheit kommt später», sagt Ettlin. Am meisten Mühe bereiten ihm Einsätze mit psychisch auffälligen Personen. «Wir wollen ihnen helfen, obwohl sie sich partout nicht helfen lassen wollen. Es ist schwer zu akzeptieren, wie sehr sie sich teils zur Wehr setzen.»

Bis auf weiteres bleibt Ettlin in Luzern tätig, an den Brennpunkten der Stadt. Und in ferner Zukunft? Ettlin zögert. Wirtschaftskriminalität sei ein Bereich, den ihn «sehr reizen» würde, sagt er dann. Und schmunzelt. Klar, ja, auch das Bild der Sondereinheit, die während des WEF hoch über Davos für Recht und Ordnung sorgt, will ihn nicht mehr so recht loslassen.

Seit 2016 wird öffentlich vereidigt

Einmal jährlich vereidigt die Luzerner Polizei die Absolventen zweier Lehrgänge der interkantonalen Polizeischule Hitzkirch. Seit zwei Jahren sind die Feierlichkeiten öffentlich. Dies hat seinerzeit zu einem politischen Vorstoss geführt.

Bis 2016 wurde die Vereidigung zweimal jährlich im Chorherrenstift St. Michael in Beromünster und im Haus Herren zu Schützen in Luzern durchgeführt. Mit der Reduktion auf einen einzigen Anlass im öffentlichen Raum liessen sich laut Regierung sowohl bei der Planung als auch bei der Durchführung Ressourcen und Kosten sparen. Der gesamte Aufwand pro Jahr beträgt neu noch knapp 14'800 statt wie bisher rund 25'500 Franken.

Diese 24 Polizisten wurden vereidigt *

M. Bachmann, Egerkingen; C. Balmer, Hitzkirch; R. Brunner, Emmenbrücke; S. Christen, Sursee; D. Ettlin, Sarnen; M. Gassmann, Schenkon; J. Greber, Hitzkirch; R. Gut, Kriens; N. Heer, Emmenbrücke; R. Käslin, Buochs; V. Ludin, Kriens; E. Marassio, Luzern; E. Mirakaj, Willisau; L. Räuftlin, Kriens; J. Richnovsky, Merenschwand; P. Senn, Luzern; A. Stanger, Sursee; C. Tschopp, Ebikon; M. Vogt, Thunstetten; S. Wagner, Luzern; D. Wenzinger, Luzern; K. Wolf, Sarnen; K. Zeder, Luzern; D. Zihlmann, Ballwil.

* Die Luzerner Polizei gibt nur die Nachnamen vollständig bekannt.

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