WAHLEN 2015: FDP will GLP den Sitz abjagen

Die FDP verliert laufend Wähleranteile – und peilt trotzdem extrem hohe Ziele an. Im Visier hat die Partei den Wahlsieger von 2011.

Lukas Nussbaumer
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Bild: Neue LZ

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Die Wähleranteilskurve der FDP bei den vergangenen drei Kantons- und Nationalratswahlen kennt nur eine Richtung: abwärts. Im Frühjahr 2011 beispielsweise verloren die Freisinnigen 21 Prozent ihrer Kantonsratssitze, und im Herbst des gleichen Jahres konnte die Partei ihren zweiten Nationalratssitz nur dank des äusserst populären Otto Ineichen retten (siehe Grafik).

Dennoch verabschiedeten die Delegierten am Montagabend in Kriens für 2015 äusserst hohe Wahlziele. So will die FDP im Kantonsrat drei Mandate zulegen, und im Nationalrat möchte die Partei einen dritten Sitz holen. Auf wen die FDP bei den eidgenössischen Wahlen zielt, ist klar: auf die GLP, die 2011 nur deshalb ein Nationalratsmandat gewinnen konnte, weil sie mit den kleinen Mitteparteien BDP und EVP eine Listenverbindung eingegangen war.

Verteidigen? Angreifen!

Für Parteipräsident Peter Schilliger und Wahlkampfleiter Rolf Born sind die hohen Ziele Ausdruck der Aufbruchstimmung in der Partei. Schilliger: «Es ging darum, entweder eine Verteidigungsrolle einzunehmen oder die bestmögliche Variante für einen Wahlsieg zu suchen. Wir haben uns für die offensive Option entschieden.» Für Born, Fraktionschef der FDP im Kantonsrat und Gemeindepräsident von Emmen, geht es dazu um das Manifestieren einer weiteren Grundhaltung: «Wir hätten die Ziele so tief setzen können, dass wir nie als Verlierer dastehen würden. Das wäre absolut mutlos gewesen.»

Viel hängt bei der nach der CVP und der SVP drittstärksten politischen Kraft im Kanton Luzern davon ab, mit wem sie ins Rennen steigen kann. Während die Nationalräte Peter Schilliger und Albert Vitali für eine zweite Amtsperiode kandidieren werden, steht hinter Ständerat Georges Theiler ein grosses Fragezeichen. Der im Mai 65 Jahre alt werdende Unternehmer politisiert bereits seit 19 Jahren in Bern: Nach 16 Jahren im Nationalrat wechselte Theiler 2011 ins Stöckli. Ob der innerhalb der Partei nicht unumstrittene Stadtluzerner noch einmal in die Hosen steigt, müsse bis Mai oder Juni klar sein, so Schilliger. Theiler selber will sich derzeit nicht zu seiner politischen Zukunft äussern.

Georges Theiler vor dem Abgang?

Für Theilers Abgang spricht allerdings, dass die Nominationsversammlung für den freisinnigen Ständeratskandidaten bereits im Oktober stattfindet, rund ein Jahr vor den eidgenössischen Wahlen. Grund: Der mögliche FDP-Ständeherr muss dem Wahlvolk bekannt gemacht werden. Die Nationalratskandidaten portiert die FDP im Frühjahr 2015, die Wiederkandidatur von Regierungsrat Robert Küng wird bereits Anfang 2015 bekannt gegeben. Tritt Theiler tatsächlich ab, könnte sich Vitali für einen Wechsel in die Kleine Kammer interessieren. Schilliger hingegen schliesst dies aus: «Der zeitliche Aufwand wäre für mich als Unternehmer zu gross.»

Völlig offen ist, mit wem die FDP den Nationalratswahlkampf bestreiten wird. Sicher ist, dass Rolf Born nicht zur Verfügung steht: «Als Wahlkampfleiter muss ich vollkommen unabhängig agieren können.» Ebenso klar ist, dass die Freisinnigen einen enormen Effort leisten müssen, wenn sie ein drittes Mandat holen wollen. Die FDP müsste ihren Wähleranteil gegenüber 2011 um 5 bis 6 Prozent steigern. Möglich werden könnte dieser Riesenschritt nach vorne auch dank einer Listenverbindung. «Wir sind zwar grundsätzlich gegen dieses taktische Mittel, wollen es aber nicht grundsätzlich ausschliessen», sagt Peter Schilliger. Über mögliche Partner will sich der Parteipräsident noch nicht äussern.

GLP erst in den Startpflöcken

Das gilt auch für GLP-Präsidentin Laura Kopp. «Wir stehen erst ganz am Anfang unseres Wahlkampfs und haben noch keine Gespräche mit anderen Parteien geführt. Wir sind uns jedoch bewusst, dass es nicht einfach sein wird, den Nationalratssitz zu verteidigen», sagt Kopp. Klar ist zumindest, dass Roland Fischer erneut kandidieren wird. Die Wahlziele der FDP bezeichnet Kopp als «sehr ambitioniert».

Ambitioniert: So muss auch das Ziel der FDP für die Kantonsratswahlen bezeichnet werden. Dennoch bezeichnen Schilliger und Born diesen Plan als realistisch. Warum? «In Stadt und Agglomeration sind wir eine 22-Prozent-Partei, wie die Gemeindewahlen 2012 gezeigt haben. Können wir diese Wachstumstendenz im Frühjahr 2015 bestätigen, holen wir die drei Sitze», ist Schilliger überzeugt.

Zugute kommen soll der Partei auch, dass sie mit vielen Bisherigen antreten kann. Fix ist erst der Rücktritt von Walter Stucki (Emmen), dem Ende dieser Legislatur mit 24 Dienstjahren amts­ältesten Kantonsrat.