WAHLEN: Ansturm auf den Nationalrat

Mehr Listen und so viele Kandidaten wie nie zuvor: 159 Luzerner wollen ihren Kanton im Nationalrat vertreten. Auch um die Ständeratssitze wird eifrig gebuhlt.

Ismail Osman und Cyril Aregger
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Blick in den Nationalrat. In der grossen Bundeskammer stehen dem Kanton Luzern zehn Sitze zu. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Blick in den Nationalrat. In der grossen Bundeskammer stehen dem Kanton Luzern zehn Sitze zu. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Der Wähler ist gefordert: Für die Nationalratswahlen vom 18. Oktober werden die Luzerner Stimmberechtigten ihre Kandidaten aus 21 Listen wählen können. Gestern Mittag erfolgte der Eingabeschluss für die Kandidaten beider Bundeskammern. Noch sind die Namen der 159 Kandidaten für den Nationalrat nicht bekannt – das kantonale Amt für Gemeinden muss sie zunächst noch auf ihre Wählbarkeit prüfen. Veröffentlicht werden sollen diese am kommenden Montag.

Luzerner Rekordjahr

Fest steht aber schon jetzt, dass es für Luzern in puncto Kandidaten ein Rekordjahr wird. Zusammen mit den diesjährigen Kantonsratswahlen scheint sich hier ein Trend abzuzeichnen: Bereits bei den Kantonsratswahlen vom vergangenen Frühling wurde ein Kandidaten-Rekord gesetzt – 631 Frauen und Männer traten damals an.

In Bezug auf den Nationalrat wird die Messlatte heuer deutlich angehoben: Vor vier Jahren wurden 18 Listen mit insgesamt 129 Kandidaten eingereicht. Die bisherige Höchstmarke wurde im Vorfeld der Wahlen von 2007 erreicht, als 133 Kandidaten zur Wahl standen. Unter den Kandidaten für die zehn Luzerner Nationalratssitze befinden sich auch neun bisherige Nationalräte. Einzig der Romooser Ruedi Lustenberger (CVP) tritt nach 16 Jahren nicht mehr an.

Kleinparteien mischen mit

Wer am Wahlsonntag in Form von Listenverbindungen mit wem im selben Boot sitzt, ist mittlerweile bekannt (Ausgabe von gestern). Ein Blick auf die eingereichten Wahllisten bestätigt aber auch, dass Klein- und Kleinstparteien auch in diesem Wahlherbst ein Wörtchen mitreden wollen. So wurden Listen von Gruppierungen wie Integrale Politik oder den Schweizer Demokraten/Nationale Aktion eingereicht. Sich für die Wahlen angemeldet, aber letztlich keine Kandidatenliste eingereicht haben die Piratenpartei Zentralschweiz (sie tritt lediglich in Zug an) und die politische Gruppierung Parteilose.ch. Andere wie etwa die Tierpartei, die vor vier Jahren mit immerhin fünf Personen antrat, sind in Luzern gänzlich von der Bildfläche verschwunden.

Wie schon in vergangenen Wahljahren versuchen sämtliche grossen Parteien, ihre Wähleranteile mit Junglisten zu vergrössern. Sowohl CVP, SVP, FDP, SP sowie auch die Grünen und die GLP setzten auf die Zweitlisten mit ihrem Nachwuchs. Die CVP und die SVP können zudem Listen von Auslandschweizern vorweisen: CVP Auslandschweizer, respektive SVP International.

Ständerat: Sieben Kandidaten

Auch bei den Ständeratswahlen ist die Beteiligung hoch: Sieben Luzernerinnen und Luzerner wollen einen Sitz im Stöckli. Vor vier Jahren waren es noch fünf. Und auch die Zahl der eingereichten Listen ist gestiegen: von 8 auf 13.

 

  • Konrad Graber (CVP, Kriens, bisher)
  • Yvette Estermann (SVP, Kriens)
  • Damian Müller (FDP, Hitzkirch)
  • Prisca Birrer-Heimo (SP, Rothenburg)
  • Louis Schelbert (Grüne, Luzern)
  • Roland Fischer (GLP, Udligenswil)
  • Rudolf Schweizer (parteilos, Malters)

 

 

Der Bisherige Konrad Graber ist sechsmal auf einer Liste vertreten und hält damit den Spitzenwert. Prisca Birrer-Heimo kommt auf vier Nennungen, Damian Müller und Louis Schelbert auf je drei. Yvette Estermann, Roland Fischer und Rudolf Schweizer werden je einmal aufgeführt.

Eine Wahlempfehlung, aber keine eigene Liste hat gestern die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ) auf ihrer Homepage (www.ihz.ch) aufgeschaltet. Das Ranking basiert auf der Übereinstimmung der Positionen der Kandidaten und der IHZ. Die Luzerner Spitzenpositionen werden von Vertretern der FDP, der CVP und der Jungfreisinnigen gehalten.

Rekord in Zug, Rückgang in Schwyz

Im Kanton Zug ist der Andrang auf die Nationalratssitze ungebrochen: 50 Kandidaten auf 17 Listen kandidieren für die drei Zuger Sitze. Die Rekordzahlen von 2011 – 135 Kandidaten auf 12 Listen – wurden regelrecht pulverisiert. Und dies, obwohl keiner der drei Zuger Nationalräte (Thomas Aeschi, SVP; Bruno Pezzatti, FDP; Gerhard Pfister, CVP) zurücktreten will. Hauptverantwortlich für den Rekord sind die Linken, die mit 27 Kandidaten antreten: Die Alternativen haben drei Listen (Alternative, Alternative Bildung, Junge Alternative), die SP sogar gleich deren fünf (SP, SP-Frauen, SP-Männer, SP-MigrantInnen, Juso).

Weniger Kandidaten als vor vier Jahren bewerben sich hingegen im Kanton Schwyz: 50 Kandidaten auf 13 Listen bewerben sich für die vier Schwyzer Sitze im Nationalrat. 2011 waren es noch 64 Kandidaten auf 17 Listen. Auch in Schwyz treten die Bisherigen (Alois Gmür, CVP; Petra Gössi, FDP; Pirmin Schwander, SVP; Andy Tschümperlin, SP) wieder an.

Kein Verfahren in Uri

In Ob- und Nidwalden, wo je ein Nationalratssitz vergeben wird, können noch am kommenden Montag Wahlvorschläge eingereicht werden. In Nidwalden ist der Bisherige Peter Keller (SVP) bislang der einzige Kandidat. In Obwalden fordert Daniel Wyler (SVP) den Bisherigen Karl Vogler (CSP). Der Kanton Uri kennt kein Verfahren für das Einreichen der Wahlvorschläge. Frieda Steffen (CVP) und Beat Arnold (SVP) wurden von ihren Parteien nominiert, um den freiwerdenden Sitz von Gabi Huber (FDP) zu erobern.