Wahlen: Prisca Birrer-Heimo ist Panaschierkönigin

Die Auswertung der Panaschierstimmen zeigt: Die zwei wiedergewählten Luzerner Nationalräte der linken Parteien tauchten besonders oft auf fremden Listen auf.

Roseline Troxler
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Prisca Birrer-Heimo ist die Königin des Panaschierens. Im Bild: Die Politikerin an der Delegiertenversammlung SP Kanton Luzern. (Bild: Nadia Schärli)

Prisca Birrer-Heimo ist die Königin des Panaschierens. Im Bild: Die Politikerin an der Delegiertenversammlung SP Kanton Luzern. (Bild: Nadia Schärli)

Bei den Wahlen gilt es, nicht nur im eigenen Lager zu punkten, sondern auch bei den anderen Parteien Stimmen zu holen. Dies gelang vor allem der wiedergewählten SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo, dem grünen Politiker Louis Schelbert und der CVP-Frau Ida Glanzmann-Hunkeler. Prisca Birrer-Heimo wurde mit 33 650 Stimmen wiedergewählt. Damit liegt sie auf Platz sieben aller Nationalratskandidaten. Doch der Name der Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz wurde besonders häufig auf Listen fremder Parteien gesetzt. Birrer-Heimo holte so 15 111 Panaschierstimmen anderer Parteien – damit ist sie Panaschierkönigin.

Birrer besonders beliebt bei der CVP

Sie habe aufgrund vieler positiver Rückmeldungen aus breiten Bevölkerungsschichten schon erwartet, viele Panaschierstimmen zu erhalten, sagt Prisca Birrer-Heimo. «Dass ich nun ‹Panaschierkönigin› bin, habe ich allerdings nicht erwartet.» Das Ergebnis führt sie einerseits auf ihre langjährige politische Arbeit auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene zurück. Anderseits schätzten viele Leute ihr Engagement für die Konsumentinnen und Konsumenten. «Ausserdem zeigt es auch, dass eine soziale und ökologische Politik auch von bürgerlich Wählenden gefordert wird.» Mit mehr als 3500 Stimmen erhielt Birrer-Heimo besonders viele von den CVP-Wählern, gefolgt von den Grünen, der GLP und der FDP. Was erstaunt: Selbst auf der SVP-Liste erschien der Name Birrer-Heimo 572-mal. Am grössten war der Support aber von Wählern, die keine Bezeichnung auf die Wahlliste hingeschrieben haben, also eine Blankoliste in die Urne warfen. Birrer-Heimo schöpft aus dem Ergebnis auch Hoffnung für die zweite Runde der Ständeratswahlen. Es zeige, «dass sich viele Wahlberechtigte eine ausgewogene und starke Vertretung im Ständerat wünschen».

Louis Schelbert, der am 18. Oktober um seine Wiederwahl zittern musste, hat diese nebst der eigenen Partei vor allem den SP-Wählern zu verdanken. Er erhielt 5960 Panaschierstimmen von SP-Listen. Gut angekommen ist Schelbert auch bei der CVP, deren Wähler verdankt er mehr als 2000 Stimmen.

Der Name Ida Glanzmann-Hunkeler wurde 5162-mal auf Listen ohne Parteibezeichnung aufgeführt. 3417-mal steht er auf der FDP-Liste, gefolgt von der SVP. Noch mehr Stimmen im Lager der SVP holte jedoch der Ruswiler CVP-Politiker Leo Müller (2773 Stimmen).

FDP-Nationalrat Albert Vitali folgt auf Rang vier der Panaschierstatistik. Er holte nebst Stimmen im eigenen Lager auch solche von CVP- und SVP-Wählern. Auf Vitali folgt Leo Müller von der CVP sowie FDP-Parteipräsident Peter Schilliger.

CVP- und SP-Stimmen für Fischer

GLP-Politiker Roland Fischer verpasste die Wiederwahl in den Nationalrat. Die SVP hat den GLP-Sitz zurückerobert. Nicht gereicht hat es Fischer trotz vieler Stimmen von CVP- und SP-Wählern (1843 und 1551 Stimmen).

Priska Wismer-Felder (CVP) hat den Sprung in den Nationalrat knapp verpasst. Die Stimmen der Stadt Luzern haben ihrer Parteikollegin Andrea Gmür den dritten Sitz ermöglicht. Doch bei den Panaschierstimmen fremder Parteien lag Wismer vor Gmür. So hat die Rickenbacherin 6258 Fremdstimmen geholt, bei Gmür waren es knapp 600 Stimmen weniger. SVP-Frau Yvette Estermann hat am Wahlsonntag das zweitbeste Resultat erzielt. Was auffällt: Nur knapp 6000 der 44 237 Stimmen stammen nicht von der SVP. Am meisten Stimmen gingen von FDP-Wählern an Estermann (1682). Doch die Nationalrätin ist nicht die beliebteste Politikerin bei der FDP. Am meisten Panaschierstimmen der Freisinnigen machte Felix Müri. Bei CVP-Wählern kam die Entlebucherin Vroni Thalmann-Bieri am besten an. Sie verpasste den dritten Sitz der SVP, der an Parteipräsident Franz Grüter ging, nur knapp.

SVP hilft SP mehr als umgekehrt

Auch die Analyse bei den Parteien zeigt Überraschendes: FDP und CVP, die eine Listenverbindung eingegangen sind, haben gegenseitig ähnlich häufig panaschiert. Die FDP-Wähler setzten 13 264-mal einen CVP-Namen auf ihre Liste, bei der CVP wurden 14 001 Kandidaten durch FDP-ler ersetzt. Ganz anders zwischen links und rechts: Die SVP erhielt 324-Kandidatenstimmen der SP. Knapp 1200 SVP-Wähler unterstützten SP-Kandidaten.

Das bedeutet Panaschieren

Panaschieren bedeutet, dass Wähler auf den vorgedruckten Listen einer Partei Kandidaten streichen und den Kandidaten einer anderen Liste darauf schreiben. Mit dem Panaschieren wird die Partei, deren Liste benutzt wurde, geschwächt, weil sie die Stimme an andere Parteien verliert.

Wahlstatistik: Mehr Informationen unter www.luzernerzeitung.ch/bonus