WAHLEN: Das Dilemma der Routiniers

Die Ausgangslage ist klar: Drei Kandidaten kämpfen um die zwei restlichen Sitze in der Regierung. Doch mit welcher Wahlstrategie hilft man seinem Favoriten am besten?

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Sie treten für die beiden freien Sitze im Regierungsrat an: Martin Schwerzmann, Felicitas Zopfi und Paul Winiker. (Bild: Archiv Neue LZ)

Sie treten für die beiden freien Sitze im Regierungsrat an: Martin Schwerzmann, Felicitas Zopfi und Paul Winiker. (Bild: Archiv Neue LZ)

Cyril Aregger

Marcel Schwerzmann (parteilos, bisher), Paul Winiker (SVP, neu) und Felicitas Zopfi (SP, neu) zwei von ihnen werden am 10. Mai in die Luzerner Regierung einziehen. Wer für sich zwei Favoriten ausgemacht hat, für den ist eigentlich alles klar: Er nimmt die entsprechende Liste, schreibt die Namen auf die Blankoliste oder ergänzt einen Wahlzettel mit dem zweiten Namen.

Doch was ist die erfolgsversprechendste Taktik, wenn man unbedingt will, dass eine bestimmte Person in die Regierung kommt? Für Iwan Rickenbacher, Politologe und Kommunikationsberater, ist die Antwort klar: «Dann darf nur der eigene Favorit, die eigene Favoritin auf die Liste.» So entgehen den Konkurrenten zusätzliche Stimmen. Er ist überzeugt, dass die Stimmberechtigten dies auch so handhaben werden: «Die tiefe Stimmbeteiligung bedeutet grundsätzlich, dass vor allem diejenigen wählen gehen, die routiniert sind.»

Taktisch «falsches» Wahlverhalten erwartet Rickenbacher von den Wahlroutiniers kaum. Natürlich gebe es Ausnahmen, die die jeweiligen Wahlkampfstrategen liebend gern verhindern möchten. Wahlentscheidend dürften diese Fälle jedoch nicht sein. Diesbezüglich weist Rickenbacher auf einen anderen Aspekt hin: «Die Wahl-Routiniers machen sich in der Regel ganz klare Überlegungen, wie sie sich verhalten sollen. Und in diesem Wahlkampf befinden sie sich in einem Dilemma.» Rickenbacher nennt die drei Punkte:

  • Die Linke gehört in die Regierung, das ist seit 56 Jahren so. Dieser Punkt spricht für SP-Vertreterin Felicitas Zopfi.
  • Wer bei seiner Arbeit als Regierungsrat keine allzu grossen Fehler gemacht hat, den wählt man nicht ab. Ein Argument für den bisherigen Marcel Schwerzmann.
  • Alle massgeblichen Kräfte sollten, im Sinne der Konkordanz, in die Regierung eingebunden werden. Dies spricht für SVP-Mann Paul Winiker.

«Es ist offensichtlich, dass man diese drei Punkte nicht unter einen Hut bringen kann», sagt Rickenbacher. Dem vierten Argument, der Vertretung der Frauen in der Regierung, das von linker Seite immer wieder angeführt wird, misst Rickenbacher hingegen kaum Bedeutung zu: «Das dürfte momentan das schwächste Argument sein, wie auch die Wahlen vom Wochenende im Tessin zeigten.» Der Kanton Tessin ist nun der einzige Schweizer Kanton ohne Frau in der Regierung (siehe auch Seite 2).

Rickenbacher erwartet aufgrund des «Wähler-Dilemmas» eine äusserst enge Ausmarchung am 10. Mai, bei welcher eine Prognose kaum möglich ist. «Ginge es in Luzern einfach um bürgerlich gegen links, wäre die Sache klar. Doch am Ende wird entscheiden, wem die Wählerinnen und Wähler am ehesten zutrauen, das Regierungsamt gut auszufüllen.» Wahltaktische Spielchen sind nach Rickenbachers Meinung nicht zielführend. «Denn am Ende entscheidet sich die Wahl in Luzern über die Persönlichkeit.»

HINWEIS
Vergleichen Sie Ihr eigenes Profil mit denjenigen der Kandidaten auf www.luzernerzeitung.ch/wahlhilfe

Podium in Luga-Buurestube

Die «Neue Luzerner Zeitung» organisiert am Montag, 27. April, ein Podium mit den drei Regierungsratskandidaten Marcel Schwerzmann (parteilos, bisher), Paul Winiker (SVP, neu) und Felicitas Zopfi (SP, neu). Sie kämpfen am 10. Mai um die beiden noch freien Sitze im Luzerner Regierungsrat. Moderiert wird der Anlass von Jérôme Martinu, stv. Chefredaktor und Leiter der regionalen Ressorts unserer Zeitung.

Die Diskussion findet in der Luga-Buurestube statt, beginnt um 17 Uhr und dauert rund 90 Minuten. Das Publikum ist herzlich eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen. Nach dem Podium offerieren wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einen Apéro.

CVP, SVP, FDP und SP am Tisch

Neben den drei Regierungsratskandidaten diskutieren auch Vertreter der Parteien zum Thema Konkordanz. Mit dabei sind CVP-Präsident Pirmin Jung, SVP-Präsident Franz Grüter, FDP-Präsident Peter Schilliger sowie Prisca Birrer-Heimo, SP-Nationalrätin und Mitglied der Geschäftsleitung ihrer Partei.

Das Profil von Paul Winiker (SVP). (Bild: Grafik: Loris Succo / Quelle: Smartvote.ch)

Das Profil von Paul Winiker (SVP). (Bild: Grafik: Loris Succo / Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Felicitas Zopfi (SP). (Bild: Grafik: Loris Succo / Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Felicitas Zopfi (SP). (Bild: Grafik: Loris Succo / Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Marcel Schwerzmann (parteilos). (Bild: Grafik: Loris Succo / Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Marcel Schwerzmann (parteilos). (Bild: Grafik: Loris Succo / Quelle: Smartvote.ch)