WAHLEN: Denkzettel von links und rechts

Mehr als ein Drittel der Kantonsräte will Reto Wyss nicht als Regierungspräsident. Hauptvorwurf: Der Bildungsdirektor hat Probleme mit der Kommunikation.

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Mehr als ein Drittel der Parlamentarier versagten Reto Wyss die Unterstützung. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

Mehr als ein Drittel der Parlamentarier versagten Reto Wyss die Unterstützung. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)

115 von 120 Kantonsräten hätten Bildungsdirektor Reto Wyss am Dienstagmorgen zum Regierungspräsidenten wählen können. Doch nur 72 Parlamentarier gaben dem 49-jährigen Rothenburger CVP-Politiker ihre Stimme. 21 Kantonsräte legten einen leeren Stimmzettel ein, 22 wählten einen anderen Regierungsrat zum Präsidenten der Exekutive. Damit hat mehr als ein Drittel der Parlamentarier Wyss die Unterstützung versagt (Ausgabe von gestern).

Das wirft zwei Fragen auf: Welche Fraktionen haben Wyss nicht gewählt? Und was sind die Gründe für den fehlenden Rückhalt des Bildungsdirektors im Kantonsrat? Schliesslich ist das Resultat von Wyss sehr mager. Nur der parteilose Finanzdirektor Marcel Schwerzmann und alt FDP-Baudirektor Max Pfister schnitten 2010 beziehungsweise 2008 schlechter ab (siehe Grafik).

SP: «Keine Absprachen»

Klar scheint, dass es keine konzertierte Anti-Wyss-Aktion gegeben hat, wie die angefragten Fraktionschefs versichern. So sagt SP-Fraktionschefin Priska Lorenz (Grosswangen): «Wir haben die Wahlen nicht vorbesprochen. Es gab von unserer Seite keine Absprachen, Wyss nicht zu wählen. Aber es gibt in unseren Reihen sicher Personen, die mit ihm unzufrieden sind.» Diese Unzufriedenheit beziehe sich in erster Linie auf die Kommunikation von Wyss, der sowohl bei der Abstimmung über das Stipendiengesetz als auch bei jener vom vergangenen Sonntag über das Uni-Gesetz eine unglückliche Rolle eingenommen habe. Lorenz: «Wenn Wyss bei einem Nein-Stimmen-Anteil von 45 Prozent zum Uni-Gesetz davon spricht, ihm sei himmelhochjauchzend zu Mute, dann könnte das einigen Ratsmitgliedern sauer aufgestossen sein.»

GLP: «Etwas gar selbstbewusst»

Das sieht GLP-Fraktionschefin Michèle Graber ähnlich. Wyss wirke manchmal «etwas gar selbstbewusst». Ausserdem habe er sein Departement im strategischen und personellen Bereich «wenig geprägt». Graber attestiert dem 2011 in den Regierungsrat gewählten Wyss aber gute Dossierkenntnisse – obwohl der frühere Unternehmer nicht seine Wunschdirektion, das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement, erhalten habe.

«Sehr erstaunt» über das schlechte Wahlergebnis von Wyss zeigt sich der Grüne Kantonsrat Michael Töngi (Kriens). Obwohl Wyss nicht immer geglänzt habe, glaube er nicht, dass die Mehrheit der Grünen-Fraktion ihm die Stimme verweigert habe. Töngi ortet die Gründe für die geringe Unterstützung im allzu forschen Auftritt des Bildungsdirektors bei der Abstimmung über das Uni-Gesetz und der mehrmals geäusserten Kritik der SVP, Wyss spare in seinem Departement zu wenig.

SVP-Fraktionschef Guido Müller (Ebikon) dagegen nimmt an, dass die tiefe Stimmenzahl «Ausdruck der Unzufriedenheit in allen politischen Lagern» ist. In der SVP-Fraktion sei die Wahl von Wyss «kein Thema gewesen. Wahlgeschäfte sind persönlich», sagt Müller. Das handhabe die FDP gleich, versichert Fraktionschef Rolf Born (Emmen): «Das Rotationsprinzip wird von uns akzeptiert. Wer an der Reihe ist, erhält unsere Stimmen.» Die FDP habe keinen Grund gehabt, Wyss nicht zu wählen. Auch die freisinnigen Mitglieder der Bildungskommission hätten sich nie negativ über den CVP-Magistraten geäussert, sagt Born.

CVP: «Stark engagiert»

Überrascht vom mageren Resultat zeigt sich CVP-Fraktionschef Ludwig Peyer. «Reto Wyss hat diesen Denkzettel nicht verdient. Er hat sich in Geschäften wie dem Stipendien- oder dem Uni-Gesetz stark engagiert. Dazu musste er unpopuläre Sparmassnahmen vertreten, was für Kritik gesorgt hat», sagt Peyer. Er glaube denn auch nicht, dass es sich um eine konzertierte Aktion gehandelt habe. Peyer ist davon überzeugt, dass die CVP-Fraktion Wyss geschlossen unterstützt hat – obwohl der Bildungsdirektor teils auch von Parteikollegen kritisiert wurde.

Wyss verzichtet auf Stellungnahme

Reto Wyss selber möchte auf Anfrage unserer Zeitung keine Stellung nehmen zu seinem Resultat. «Ich will nicht mögliche Beweggründe des Wahlgremiums beurteilen oder interpretieren», teilt der Bildungsdirektor schriftlich mit.

Lukas Nussbaumer

Bild: Grafik: Janina Noser / Neue LZ, Quelle: Staatskanzlei

Bild: Grafik: Janina Noser / Neue LZ, Quelle: Staatskanzlei