WAHLEN: Der jüngste Stadtratskandidat will Baudirektor werden

Yannick Gauch (21) will, dass auch die Jugend im Luzerner Stadtrat vertreten ist. Er schielt auf den Sitz der GLP.

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Welches ist die Lieblingsbeiz der Stadtratskandidaten? Yannick Gauch wählte für das Fotoshooting das «Meyer» am Bundesplatz, wo er den Mix zwischen Café, Bar und Kulturbetrieb schätzt. (Bild Eveline Beerkircher)

Welches ist die Lieblingsbeiz der Stadtratskandidaten? Yannick Gauch wählte für das Fotoshooting das «Meyer» am Bundesplatz, wo er den Mix zwischen Café, Bar und Kulturbetrieb schätzt. (Bild Eveline Beerkircher)

Wir treffen Yannick Gauch (Juso) im «Meyer» am Bundesplatz. «Hier gefällt mir der Mix zwischen Café, Bar und Kulturbetrieb. Ich kann am Morgen einen Kaffee trinken und am Abend ein Konzert besuchen», sagt er. Und er meint mit einem Augenzwinkern: «Auch eine Rolle spielt, dass man abends rauchen kann.» Gauch ist mit 21 der jüngste Kandidat für den Luzerner Stadtrat. «Ich bin bereits seit sechs Jahren politisch aktiv und auch in der Privatwirtschaft tätig.» 2014 hat er sich selbstständig gemacht und dieses Jahr mit einem Freund ein eigenes Grafik- und Kommunikationsbüro gegründet. «Mit meiner Jugend könnte ich im Stadtrat neue Ideen und frische Impulse einbringen.»

Für GSoA Unterschriften gesammelt

Erstmals aktiv wurde Gauch, der in der Stadt Luzern geboren und aufgewachsen ist, im Vorfeld der Initiative zur Abschaffung der Wehrpflicht 2013. «Ich habe damals für die GSoA Unterschriften gesammelt.» Kurz darauf folgte der Beitritt zu den Juso. «Ich habe gemerkt, dass mich neben Friedenspolitik auch andere Themen interessieren.» Heute sind dies in der Regionalpolitik unter anderem die Förderung von ÖV und Veloverkehr sowie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. «Ausserdem will ich den Wirtschaftsraum Luzern stärken, und zwar mit zahlbaren Räumlichkeiten für Start-up-Firmen.»

Gauchs Wunschdepartement ist das Baudepartement. «Hier gibt es zahlreiche interessante Projekte wie die Industriestrasse oder die Gestaltung verschiedener Schlüsselareale wie Steghof oder Pilatusplatz. Ausserdem würde ich mich dafür engagieren, dass die Initiative für bezahlbaren Wohnraum endlich schneller umgesetzt wird.» Bedeutet das, dass er den Sitz von Baudirektorin Manuela Jost (GLP) erobern will? Eine bestimmte Person wolle er bei den Wahlen nicht angreifen. Dennoch sagt Gauch: «Aufgrund der Parteistärke hätte die GLP eigentlich kein Anrecht auf einen Sitz.»

Ein weiteres Interessengebiet Gauchs ist die Kultur. Er ist Mitglied des Netzwerks Neubad und des Vereins Weltformat und steht grundsätzlich eher kleineren Institutionen nahe. «Diese gehen neben den Prestigeobjekten wie dem KKL oder der Salle Modulable oftmals unter.» Die Salle lehnt er nicht per se ab, steht ihr aber kritisch gegenüber. «Bisher wurde noch gar nicht diskutiert, welche Folgekosten das Projekt auslöst oder wie die Inhalte aussehen sollen.»

Keine «Spasskandidatur»

Als bisher grössten politischen Erfolg bezeichnet Gauch auf städtischer Ebene die Juso-Initiative gegen den Südzubringer, die 2012 nur knapp abgelehnt worden ist. Auch die Zwischennutzungsinitiative sei zwar gescheitert, habe das Thema aber auf die politische Agenda gebracht. «Ein Neubad wäre wohl ohne unsere Initiative nicht möglich gewesen.» Auf nationaler Ebene nennt er die Spekulationsstoppinitiative, die viele Firmen zum Umdenken angeregt habe. Niederlagen seien mehrere Abstimmungen auf nationaler Ebene gewesen, bei denen er sich stark engagiert hat – etwa das Minarettverbot oder die Ausschaffungsinitiative. «In der Stadt war es die Auslagerung der Heime, die wir bekämpft haben.»

Gauchs Chancen für eine Wahl in den Stadtrat sind wohl eher gering. Ist seine Kandidatur bloss ein Mittel, um die Chancen bei den Grossstadtratswahlen zu erhöhen? «Ich kann nicht bestreiten, dass mein Bekanntheitsgrad dadurch steigt.» Gauch wehrt sich aber gegen den Begriff «Spasskandidatur». So hat vor vier Jahren der Juso-Kandidat Adelino De Sa den SVP-Kandidaten Rolf Hermetschweiler übertrumpft.

Stefan Dähler

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