WAHLEN: Die Kurzporträts der Regierungsratskandidaten

3 Fragen – 3 Antworten: Alle Regierungsratskandidaten äussern sich zur Steuerstrategie, zur Verkehrspolitik sowie zum Bildungsstandort Luzern.

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Die Kandidaten für den Regierungsrat am Podium der Neuen Luzerner Zeitung: Marcel Schwerzmann, Guido Graf, Robert Küng, Reto Wyss, Irina Studhalter, Michael Töngi, Paul Winiker und Felicitas Zopfi (von links). (Bild: Boris Bürgisser)

Die Kandidaten für den Regierungsrat am Podium der Neuen Luzerner Zeitung: Marcel Schwerzmann, Guido Graf, Robert Küng, Reto Wyss, Irina Studhalter, Michael Töngi, Paul Winiker und Felicitas Zopfi (von links). (Bild: Boris Bürgisser)

Marcel Schwerzmann, parteilos

  • Geboren: 15. Januar 1965
  • Wohnort: Kriens
  • Lebensform: Ledig, ein Sohn
  • Beruf: Regierungsrat, Vorsteher des Finanzdepartements

Welche Steuerstrategie soll der Kanton Luzern künftig verfolgen?

Unser Kanton soll an der bisherigen Steuerstrategie festhalten und sie erfolgreich zu Ende führen. Mit unserer Steuerpolitik sind wir auch für die Unternehmenssteuerreform III bestens gerüstet. Auch die Schuldenbremse soll nicht gelockert werden, um nicht wieder in die alte Schuldenwirtschaft zurückzufallen. Bei den natürlichen Personen haben wir uns in den letzten zehn Jahren zum Ziel gesetzt, von der Schlussgruppe ins Mittelfeld vorzurücken. Dieses Ziel haben wir sogar leicht übertroffen und hoffen, uns inskünftig nochmals leicht verbessern zu können. In erster Linie ist jetzt aber Konsolidierung angesagt.

Was sind die grössten Herausforderungen in der Verkehrspolitik?

Ein Kanton im Aufbruch darf nicht im Verkehrsstau stecken bleiben. Hier sind die Weichen für die Zukunft richtig gestellt: Für die Landschaft eröffnen wir mit der Neugestaltung des Seetalplatzes ein durchlässiges Tor zur Stadt Luzern. Generell gilt, dass der zu erwartende Mehrverkehr in erster Linie über den öffentlichen Verkehr aufgefangen werden soll, weil dieser effizienter und umweltschonender ist. Die wichtigsten Zukunftsprojekte bilden ein Durchgangsbahnhof und der Bypass.

Wie soll sich der Bildungsstandort Luzern entwickeln?

Primär geht es darum, auf die Konsolidierung des Erreichten zu setzen. Auch die Hochschulen sollen sich als wichtige Elemente der Wirtschafts- und Standortpolitik behaupten.

Guido Graf, CVP

  • Geboren: 11. Juni 1958
  • Wohnort: Pfaffnau
  • Lebensform: Verheiratet
  • Beruf: Regierungsrat, Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements

Welche Steuerstrategie soll der Kanton Luzern künftig verfolgen?

Der eingeschlagene Weg in der Finanz- und Steuerstrategie soll grundsätzlich weitergeführt werden. Die Ausgabendisziplin muss weitergeführt werden, Leistungen und die Leistungseffizienz sind periodisch zu hinterfragen und bei Bedarf anzupassen. Die Sparmöglichkeiten sind aber weitgehend ausgereizt, darum braucht es Korrekturen. Zum Beispiel, indem wir die Schuldenbremse in geeigneter Weise anpassen.

Was sind die grössten Herausforderungen in der Verkehrspolitik?

Die Verkehrsinfrastruktur muss sowohl für den öffentlichen Verkehr als auch für den Individualverkehr optimiert werden. Die Sicherheit der Fussgänger und Velofahrer muss in jedem Fall oberste Priorität haben. Mit dem Bypass und dem Durchgangsbahnhof kann die dringend notwendige Zentrumsentlastung erreicht werden. Wichtig ist auch, dass wir die Landschaft nicht vergessen. Auch dort gibt es dringende Verkehrsprobleme zu lösen. Wie soll sich der Bildungsstandort Luzern entwickeln? Die Berufslehre soll der meistgewählte Weg bleiben. Das sichert uns gut qualifizierte, praxisorientierte Fachkräfte. Die Universität sowie die Fachhochschulen sind gut aufgestellt, und eine zeitgemässe Entwicklung der bestehenden Angebote ist möglich. Als Gesundheitsdirektor setze ich mich dafür ein, dass als universitäres Zusatzangebot ein Masterlehrgang Medizin eingeführt wird.

Reto Wyss, CVP

  • Geboren: 7. April 1965
  • Wohnort: Rothenburg
  • Lebensform: Verheiratet, zwei Kinder
  • Beruf: Regierungsrat, Vorsteher des Bildungs- und Kulturdepartements

Welche Steuerstrategie soll der Kanton Luzern künftig verfolgen?

Die Steuerstrategie hat in den letzten Jahren Unternehmungen und natürliche Personen entlastet. Gleichzeitig haben Bevölkerung und Aufgaben zugenommen. Das führt zu den heute knappen Mitteln. Deshalb wird sich die Regierung beim Budget 2016 und beim Aufgaben- und Finanzplan grundsätzliche Überlegungen machen. Diesen Diskussionen greife ich nicht öffentlich vor.

Was sind die grössten Herausforderungen in der Verkehrspolitik?

Wir haben in unserem Kanton mehr Leute, mehr Arbeitsplätze, mehr Autos und mehr ÖV-Fahrten. Deshalb brauchen wir den Bypass und die Nordtangente zur Entlastung von Stadt und Agglo, wir brauchen den Durchgangs-Tiefbahnhof, ein attraktives Busnetz und Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur auf der Landschaft. Entschieden wehre ich mich gegen das Ausspielen der Verkehrsträger.

Wie soll sich der Bildungsstandort Luzern entwickeln?

Bildung ist die Zukunftsressource. Ich will Volksschulen für alle, die den unterschiedlichen Anforderungen der Gemeinden gerecht werden. Die Lehre soll für Lernende und Betriebe attraktiv bleiben, damit weiterhin rund 75 Prozent diesen Weg wählen. Profilieren kann sich Luzern mit Gymnasien, welche die MINTFächer fördern, und immer stärker mit dem erfolgreichen Dreibein Universität, Fachhochschule und Pädagogische Hochschule.

Robert Küng, FDP

  • Geboren: 1. März 1956
  • Wohnort: Willisau
  • Lebensform: Verheiratet, zwei erwachsene Töchter
  • Beruf: Regierungsrat, Vorsteher des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements

Welche Steuerstrategie soll der Kanton Luzern künftig verfolgen?

Zwar steht Luzern vor finanziellen Herausforderungen. Dennoch sollten wir an der vom Volk deutlich gutgeheissenen Steuerstrategie festhalten und ein verlässlicher Partner für die KMU bleiben. Die Strategie hat die Standortattraktivität positiv beeinflusst und sichert Arbeitsplätze. Namhafte Neuansiedlungen und der positive Wanderungssaldo zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Was sind die grössten Herausforderungen in der Verkehrspolitik?

Der Verkehr nimmt weiterhin ständig zu. Leistungsfähige Verkehrs systeme stärken die Regionen. Da ein finanzieller Verteilkampf herrscht, sollen Investitionen in die Infrastruktur dort vorgenommen werden, wo der wirtschaftliche Nutzen diese rechtfertigt. Der Ausbau soll beim öffentlichen als auch beim Individualverkehr erfolgen. Der Durch gangsbahnhof Luzern und das Gesamtsystem Bypass sind voranzutreiben.

Wie soll sich der Bildungsstandort Luzern entwickeln?

Mit Universität, Fachhochschule, Pädagogischer Hochschule und einer breit gefächerten Berufsausbildung ist der Kanton Luzern im Bildungsbereich konkurrenzfähig aufgestellt. Ein begabungs- und chancengerechtes sowie durchgängiges Ausbildungsangebot ist wichtig. Die berufliche Grund- und Weiterbildung ist auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse auszurichten.

Felicitas Zopfi, SP

  • Geboren: 11. Oktober 1958
  • Wohnort: Luzern
  • Lebensform: Verheiratet
  • Beruf: Lehrerin

Welche Steuerstrategie soll der Kanton Luzern künftig verfolgen?

Auf jede Steuersenkung folgte ein Sparpaket. Jetzt sind wir so weit, dass Einsparungen bei der Betreuung von Menschen mit einer Behinderung gemacht werden mussten. Der Kanton hat die Steuern zu schnell, zu stark und zu einseitig gesenkt, nun fehlt das Geld für die nötigen Ausgaben. Wenn wir die Steuern bei Unternehmen und Vermögen leicht erhöhen, haben wir wieder genügend Einnahmen, um auf schmerzliche Sparpakete zu verzichten.

Was sind die grössten Herausforderungen in der Verkehrspolitik?

Um den täglichen Stau in den Zentren zu verkürzen, braucht es Investitionen in den öffentlichen Verkehr. Bus und Zug sollen Pendler so schnell und einfach wie möglich an den Arbeitsort bringen. Fahrplanverdichtungen sorgen dafür, dass man auch vermehrt in der Freizeit auf den ÖV setzt. Nur so ist eine längerfristige Entlastung auf den Strassen möglich. Neue Strassen bringen kurzfristig eine Entlastung, sind aber kaum eine dauerhafte Lösung. Die Landschaft muss gut erschlossen bleiben.

Wie soll sich der Bildungsstandort Luzern entwickeln?

Das Bildungsangebot im Kanton ist noch auf einem guten Niveau. Dazu müssen wir unbedingt Sorge tragen. Das Bildungsangebot ist wegen der Tiefsteuerpolitik derzeit stark unter Druck. Lohnkürzungen bei Lehrern und Dozenten, Schulgelderhöhungen und eine Kürzung des Leistungsangebots in verschiedenen Bildungseinrichtungen sind die Folgen der Finanzpolitik.

Paul Winiker, SVP

  • Geboren: 13. April 1956
  • Wohnort: Kriens
  • Lebensform: Verheiratet mit Ina Winiker
  • Beruf: Betriebswirtschafter, Gemeindepräsident und Finanzdirektor von Kriens

Welche Steuerstrategie soll der Kanton Luzern künftig verfolgen?

Die eingeschlagene Vorwärtsstrategie zur Stärkung des Kantons Luzern, damit es sich lohnt, hier zu arbeiten und zu wohnen. Ich stelle die bisherige Strategie nicht in Frage, stehe aber für eine Konsolidierung der finanziellen Lage ein. Für die Gemeinden und den Kanton darf es weder weitere Einnahmeausfälle noch einen weiteren Leistungsausbau geben.

Was sind die grössten Herausforderungen in der Verkehrspolitik?

Es findet eine Verdichtung statt, es gibt auf weniger Raum immer mehr Verkehr. Diese Entwicklung fordert ein kluges Verkehrsmanagement in Form eines Anreizsystems anstelle von Schikane. In der Stadt und Agglomeration Luzern darf durchaus der ÖV priorisiert werden, ohne aber den Individualverkehr zu diskriminieren.

Wie soll sich der Bildungsstandort Luzern entwickeln?

Mit dem Ja zur Wirtschaftsfakultät wurde ein guter Entscheid getroffen. Trotz meiner Kritik an den teuren Reformen der Volksschulbildung soll der eingeschlagene Weg nun so durchgeführt werden. Das bedeutet für die Gemeinden eine enorme Veränderung. Darum braucht es auch hier eine Konsolidierung. Man soll nun nichts Neues beginnen, es braucht keine «Projektitis» in der Volksschule. Der Weg über einen Beruf ist ein Erfolgsmodell. Darum soll die Berufsbildung gestärkt werden und nicht nur der gymnasiale Weg.

Michael Töngi, Grüne

  • Geboren: 16. März 1967
  • Wohnort: Kriens
  • Lebensform: In Partnerschaft mit Thom Schlepfer
  • Beruf: Generalsekretär Schweizerischer Mieterinnen- und Mieterverband

Welche Steuerstrategie soll der Kanton Luzern künftig verfolgen?

Eine, die funktioniert! Bei der letzten Steuerabstimmung ging die Regierung davon aus, dass die Steuerstrategie tragbar sei. Seither wird gekürzt, abgebaut oder hinausgeschoben. Statt langfristiger Politik werden in aller Eile Sparpakete geschnürt, ohne die Folgen zu prüfen. Die Halbierung der Unternehmenssteuern war zu ambitiös und hat die Unternehmen auf Kosten der Menschen entlastet. Hier braucht es Korrekturen.

Was sind die grössten Herausforderungen in der Verkehrspolitik?

Wenn wir wollen, dass der Verkehr rollt, so muss der Anteil des öffentlichen Verkehrs und des Velos zunehmen. Beide sparen Platz und sind letztlich kostengünstiger als grosse Strassenbauten. Leider hat der Kanton beim öffentlichen Verkehr das Budget gekürzt und getraut sich nicht, den Bussen konsequent Vortritt zu geben. Längerfristig brauchen wir einen Durchgangsbahnhof.

Wie soll sich der Bildungsstandort Luzern entwickeln?

Die Aus- und Weiterbildung sind zentrale öffentliche Aufgaben und bilden das Rückgrat unserer Gesellschaft und Wirtschaft. Ich werde für die finanziellen Mittel kämpfen, um den Lehrplan 21, welcher den Fokus auf Kompetenzen und vernetztes Denken legt, erfolgreich umzusetzen. Die Uni und die Fachhochschulen sollen sich mit einer Vertiefung ihres bisherigen Angebotes weiterentwickeln.

Irina Studhalter, Junge Grüne

  • Geboren: 26. April 1993
  • Wohnort: Luzern und Malters
  • Lebensform: Unverheiratet
  • Beruf: Studentin Politikwissenschaft, politische Sekretärin

Welche Steuerstrategie soll der Kanton Luzern künftig verfolgen?

Die Steuerstrategie von Kantonsund Regierungsrat ist kläglich gescheitert, Luzern steht knietief in der Misere. Der Sparwahn geschieht auf Kosten der Schwächsten, Familien, der Kinder, der Behinderten. Ein Neustart ist dringend nötig. Der Kanton braucht höhere Steuern für einkommensstarke Einzelpersonen und Unternehmen, sonst sind essenzielle öffentliche Aufgaben und soziale Errungenschaften gefährdet.

Was sind die grössten Herausforderungen in der Verkehrspolitik?

Das Luzerner Verkehrssystem braucht nachhaltige Lösungen, die zugeschnitten sind auf die unterschiedlichen Bedingungen. In der Stadt behindert der motorisierte Individualverkehr (MIV) den ÖV. Durch infrastrukturelle Massnahmen und Veloförderung kann dies geändert werden. Auf dem Land muss das ÖV-System eine attraktive Alternative zum MIV darstellen. Kombinierte Mobilität und Mitfahrgelegenheiten müssen in Randregionen gefördert werden.

Wie soll sich der Bildungsstandort Luzern entwickeln?

Bildung beschäftigt meine Generation am stärksten, weil sie für unsere Zukunft entscheidend ist. Sie ist unsere wichtigste Ressource und die Basis für Fortschritt und Innovation. Jeder investierte Franken zahlt sich doppelt und dreifach aus. Ich kämpfe deshalb vehement gegen Sparrunden in der Bildung. Ich stehe mit Herzblut für einen starken Bildungsstandort ein.

Das politische Profil von Marcel Schwerzmann (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Marcel Schwerzmann (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Guido Graf (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Guido Graf (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Felicitas Zopfi (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Felicitas Zopfi (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Robert Küng (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Robert Küng (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Reto Wyss (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Reto Wyss (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Paul Winiker (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Paul Winiker (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Michael Töngi (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Michael Töngi (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Irina Studhalter (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)

Das politische Profil von Irina Studhalter (Bild: Grafik: Loris Succo. Quelle: Smartvote.ch)