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WAHLEN: Die SVP tut sich schwer im Rontal

Fast die Hälfte der Gemeinderatssitze im Rontal gehört der CVP, die SVP hat nur einen – obwohl sie einen hohen Wähleranteil hat.
Stefan Dähler
Themenbild (Bild: Keysteone)

Themenbild (Bild: Keysteone)

Stefan Dähler

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die CVP besetzt derzeit 12 von insgesamt 25 Sitzen in der Exekutive der Rontaler Gemeinden Ebikon, Buchrain, Root, Dierikon und Gisikon. Danach folgt die FDP mit 7 Sitzen, 3 werden von Parteilosen gehalten, die SP hat 2 Sitze (siehe Tabelle). Die SVP konnte bei den Wahlen vor vier Jahren nur einen Sitz holen – jenen von Marianne Danuser in Gisikon. Sie ist jedoch Ende 2015 verstorben, seither ist der Sitz vakant.

Kein einziger Bisheriger

Die SVP kann im Rontal am 1. Mai also nicht mit einem einzigen bisherigen Gemeinderat antreten. Dabei ist sie in den meisten Gemeinden die zweitstärkste Partei, in Gisikon gar klar die stärkste – wenn man das Resultat der letztjährigen Kantonsratswahlen als Referenz nimmt. In der Exekutive ist die SVP also klar untervertreten. Dies dürfte im Grossen und Ganzen auch in der nächsten Legislatur so bleiben. In Buchrain, Root und Dierikon tritt die Partei nicht an. «In Dierikon haben wir noch keine Ortspartei, in Buchrain wurde sie erst 2013 gegründet. Der Vorstand ist noch sehr klein, es ist Aufbauarbeit nötig», sagt Franz Grüter, Präsident der SVP Kanton Luzern. Die Sektion in Root dagegen existiert bereits seit 2000. «Wir haben leider niemanden gefunden, der bereit war, den Einsatz zu leisten», sagte Beat Schwegler, Präsident der SVP Root, bereits am 9. März gegenüber unserer Zeitung. «Generell ist es so, dass wir nur dann antreten, wenn wir Kandidaten haben, die wir als geeignet betrachten», sagt Franz Grüter. Da Gemeinderatswahlen Majorzwahlen sind, brauche es Kandidaten, die über die Parteigrenzen hinweg Stimmen holen.

Zwei Todesfälle bei der SVP

Ob Markus Halter den SVP-Sitz von Marianne Danuser in Gisikon verteidigen kann, ist offen. Die parteilose Jacqueline Knüsel tritt gegen ihn an. In Ebikon will die SVP mit Heidi Müller in den Gemeinderat. Übrigens hat die Partei auch in der grössten Rontaler Gemeinde 2009 durch einen Todesfall einen Gemeinderatssitz verloren – jenen von Peter Mühlemann. «Danach haben wir keine geeigneten Kandidaten mehr gefunden», sagt Stefan Bühler, Präsident der SVP Ebikon. Die Partei unterstützte bei der Ersatzwahl den parteilosen Andreas Michel, der am 1. Mai erneut antritt. Bei den letzten Wahlen scheiterte sie mit Kantonsrat Guido Müller.

Franz Grüter rechnet damit, dass die SVP am 1. Mai zulegen wird, aber in den Exekutiven weiterhin deutlich untervertreten bleibt. «Die Partei existiert im Kanton erst seit 1992. Die CVP hatte 175 Jahre lang Zeit, ihre Ortsparteien aufzubauen. Das aufzuholen, ist eine Generationenaufgabe», sagt Grüter.

SP: Distanz zu Luzern als Problem

Auch die SP ist in einigen Rontaler Gemeinden weniger stark vertreten als in anderen Agglomerationsgemeinden. In Dierikon gibt es keine SP-Ortspartei. In Gisikon-Root existiert zwar eine gemeinsame Sektion, für die Gemeinderatswahlen tritt aber niemand an. «Je weiter eine Gemeinde von der Stadt Luzern entfernt liegt, desto schwieriger ist es für uns. Viele Leute orientieren sich dort auch nach Zug», sagt David Roth, Präsident der SP Kanton Luzern. «Wenn die Mitgliederbasis klein ist, ist es nicht einfach, Leute zu finden, die antreten wollen. Als Kandidat einer Minderheitenpartei ist man ausserdem besonders exponiert. Es braucht vor allem in kleineren Gemeinden eine dicke Haut und viel Ausdauer.» Besser sieht es in Ebikon oder Buchrain aus, wo die SP derzeit einen Sitz im Gemeinderat hat. In Ebikon soll Melanie Landolt den Sitz des abtretenden Peter Schärli verteidigen, in Buchrain ist Ivo Eggers Wiederwahl ungefährdet.

Auch die SP hat das Ziel, zusätzliche Ortsparteien aufzubauen. In Dierikon dürfte dies demnächst aber noch nicht der Fall sein. «Wir konzentrieren uns auf Gemeinden, in der wir Leute kennen, die interessiert sind», sagt Roth. Oft brauche es nur zwei oder drei engagierte Personen, die den Aufbau in die Hand nehmen. «Danach kann eine Sektion schnell wachsen.» Diese zu finden, sei aber nicht einfach.

Ist man in einer Gemeinde nicht präsent, gingen auch potenzielle Parteimitglieder verloren. «Wenn sich Leute politisch interessieren, schauen sie, welche Parteien es vor Ort gibt. Auf Gemeindeebene ist Parteipolitik nicht immer so wichtig. Ich kenne auch Beispiele von Leuten, die sich auch in der SP engagieren würden, jedoch bei der CVP gelandet sind, weil es in ihrem Wohnort keine SP gab», sagt Roth.

Die Dominanz der CVP in den Rontaler Exekutiven dürfte also auch in der nächsten Legislatur weitergehen. In Root und Dierikon finden keine Kampfwahlen statt. «Dass die CVP so stark ist, ist sicher auch historisch bedingt», sagt Simon Amrein, Präsident der CVP Root. Kandidaten zu finden, sei aber auch für sie nicht einfach. «Da steckt jahrelange Planung dahinter. Es ist viel persönlicher Einsatz der Parteimitglieder nötig.» Daher sei es wichtig, dass die Arbeit auf viele Köpfe verteilt ist, fügt David Inderkum, Präsident der FDP Root, an. «Wir haben einen starken Vorstand mit sieben Personen.» Bei SP und SVP sind es deutlich weniger.

Kulturkampf-Duell in Buchrain

In Buchrain kommt es zum alten Kulturkampf-Duell. Peter Rüfenacht (FDP) tritt am 1. Mai gegen Sandra Gerber (CVP) um den frei werdenden Sitz von Sozialvorsteher Erwin Arnold (CVP) an. Auch hier sei die starke Position der beiden Parteien historisch gewachsen. «Wir sind in Buchrain und Perlen bereits sehr lange aktiv und beeinflussen gemeinsam mit der CVP das Gemeindegeschehen», sagt Rüfenacht. Der Kulturkampf gehöre aber der Vergangenheit an. «Wir haben politisch zwar andere Ansichten, pflegen aber einen sehr offenen und sachlichen Umgang.» Das bestätigt auch Walter Graf, Präsident der CVP Buchrain-Perlen. «Es gibt keine Schlammschlachten mit bösen Flugblättern.» Er hat eine weitere Begründung für die Stärke von CVP und FDP bei Exekutivwahlen im Rontal: «Vielleicht haben die Leute Hemmungen, in ihrer Gemeinde öffentlich zu einer Partei wie der SVP zu stehen.»

Parteienstärke* und Sitze im Gemeinderat

CVP FDP SP SVP
Ebikon 28,3 Prozent (2 Sitze) 14,1 Prozent (1 Sitz) 14,7 Prozent (1 Sitz) 28,1 Prozent (0 Sitze)
Buchrain 26,8 Prozent (2 Sitze) 22,1 Prozent (2 Sitze) 13,5 Prozent (1 Sitz) 22,9 Prozent (0 Sitze)
Root 35,6 Prozent (3 Sitze) 19,2 Prozent (2 Sitze) 8 Prozent (0 Sitze) 25,3 Prozent (0 Sitze)
Gisikon 25 Prozent (2 Sitze) 15 Prozent (1 Sitz) 7,1 Prozent (0 Sitze) 43 Prozent (1 Sitz)**
Dierikon 29,5 Prozent (3 Sitze) 21 Prozent (1 Sitz) 9,2 Prozent (0 Sitze) 26,4 Prozent (0 Sitze)


* bei den Kantonsratswahlen 2015.
** SVP-Gemeinderätin Marianne Danuser ist 2015 verstorben, seither wurde der Sitz nicht besetzt.

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