WAHLEN: EVP rettet dritten Sitz der CVP

Die CVP hat ihren dritten Sitz im Nationalrat nur äusserst knapp gerettet: Den Ausschlag gaben 0,3 Prozent aller Parteistimmen. Für den winzigen Unterschied sorgte eine Mini-Partei.

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Wie Listenverbindungen die Wahlen beeinflussen (Bild: Grafik Neue LZ)

Wie Listenverbindungen die Wahlen beeinflussen (Bild: Grafik Neue LZ)

Wie die Verteilung der Sitze auf die Parteien mit Listenverbindungen funktioniert, lesen Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus

Cyril Aregger und Lukas Nussbaumer

«Die CVP verliert einmal mehr über 3 Prozent. Das Wahlresultat im Kanton Luzern als Ganzes ist ein Desaster.» Das schreibt Jean-Pascal Ammann, Präsident der Jungen CVP Schweiz und Vorstandsmitglied der kantonalen Jungpartei, auf Facebook. Er rege sich deshalb «masslos» auf über die Kommunikation der Parteileitung der CVP des Kantons Luzern, die am Sonntagabend mitteilte, sie freue sich über das Resultat (Ausgabe von gestern).

Szenario 1

Wie Recht Jean-Pascal Ammann hat, beweisen die Berechnungen unserer Zeitung, aufgeteilt auf vier Szenarien. Szenario 1 stützt sich auf die für den Wahltag vom 18. Oktober getroffenen Listenverbindungen. Dabei zeigt sich: Die CVP hat ihren dritten Sitz am Sonntag nur deshalb verteidigen können, weil die Mini-Partei EVP (8494 Parteistimmen) für den nötigen Support gesorgt hat. Rund 4250 Parteistimmen weniger – und die CVP hätte ihr drittes Mandat an die SP verloren. Diese Stimmenzahl entspricht 0,3 Prozent der abgegebenen rund 1,35 Millionen Parteistimmen.

Die SP hat den angestrebten zweiten Sitz also trotz eines Zuwachses von 2,1 Prozent Wähleranteil knapp verpasst. Wiederum klar war in der Folge die Aufteilung der beiden Mandate innerhalb der Verbindung von SP, Grünen und GLP: Je ein Sitz für SP und Grüne, wie dies seit 1991 der Fall ist. Die GLP blieb trotz der starken Jungen GLP, die das beste Resultat aller Jungparteien erzielte, chancenlos. Dies gilt für alle Szenarien: Die GLP hätte ihren Sitz bei keiner Listen-Konstellation verteidigen können.

Szenario 2

Ein richtiges Desaster hätte es für die CVP abgesetzt, wenn die erstmalige und damit historische Verbindung mit der FDP nicht zu Stande gekommen wäre. Die Dreiergruppe CVP, BDP und EVP hätte in diesem Fall nämlich bloss zwei Mandate gewonnen. Dafür wäre die SP mit künftig zwei Sitzen als grosse Profiteurin aus dieser Konstellation hervorgegangen. Oder anders formuliert: Der Schulterschluss zwischen den «Roten» von der CVP und den «Schwarzen» von der FDP hat der CVP das dritte Mandat gesichert.

Für die Freisinnigen übrigens hätte jede mögliche andere Verbindung als jene mit dem früheren Erzfeind CVP keine Folgen gehabt: Sie wäre allein, mit der CVP zusammen, als Junior-Partnerin der SVP oder als Teil eines grossen Bürgerblocks auf ihren zwei Mandaten sitzen geblieben.

Szenario 3

Doch insbesondere bei der FDP liebäugelte man bekanntlich mit einem grossen Zusammenschluss der bürgerlichen Kräfte. Dies bekräftigte der als Nationalrat bestätigte Parteipräsident Peter Schilliger noch am Wahltag. Doch ein grosser Bürgerblock mit CVP, SVP, FDP, BDP und EVP hätte das Wahlergebnis gar nicht beeinflusst, wie unsere Berechnungen zeigen: SP und Grüne hätten dank ihrer Listenverbindung mit der GLP auch so je einen Sitz erhalten. Die acht bürgerlichen Sitze wären ebenfalls wie gehabt verteilt worden: 3 SVP, 3 CVP, 2 FDP.

Szenario 4

Deutlich anders wären die Nationalratswahlen hingegen ausgegangen, wenn sich die Parteien gar nicht zu Listenverbindungen zusammengetan hätten und einzig mit ihren eigenen Unterlisten (zum Beispiel Jungparteien, Senioren- oder Auslandschweizer-Listen) zur Wahl angetreten wären. In diesem Fall hätten die bürgerlichen Parteien besonders stark profitiert: SVP (4), CVP (3) und FDP (2) hätten so neun der zehn Luzerner Nationalratssitze geholt, der einzige linke Sitz wäre an die SP gegangen. Grüne und GLP wären leer ausgegangen.

2011: GLP im Glück, SVP im Pech

So knapp die CVP am Sonntag ihr drittes Mandat ins Trockene bringen konnte, so minim war die Differenz zwischen Sieg und Niederlage vor vier Jahren. Die GLP holte ihren Sitz am 23. Oktober 2011 nur deshalb, weil der SVP damals rund 400 Parteistimmen für die Verteidigung ihres dritten Mandats fehlten. Für den Unterschied sorgte auch bei den letzten Wahlen eine Listenverbindung: Die GLP konnte auf die Stimmen von BDP und EVP zählen. Jene Parteien also, die heuer mitverantwortlich sind für das Glück der CVP.