WAHLEN: Felicitas Zopfi ruft junge Frauen auf: «Geht in die Politik»

Bei einem Podium gestern in Luzern zeigte sich: Frauen führen nicht besser oder schlechter als Männer aber anders. Auch in der Politik.

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SP-Regierungsratskandidatin Felicitas Zopfi sprach gestern im vollen Luzerner Kantonsratssaal über Frauen in Führungspositionen. (Bild Boris Bürgisser)

SP-Regierungsratskandidatin Felicitas Zopfi sprach gestern im vollen Luzerner Kantonsratssaal über Frauen in Führungspositionen. (Bild Boris Bürgisser)

So voll wie gestern Abend war der Kantonsratssaal im Luzerner Regierungsgebäude selten: Selbst auf der Tribüne waren alle Plätze besetzt. Doch dieses Mal war die Politik nicht Inhalt, sondern Thema. Ein überparteiliches Frauenkomitee lud unter dem Titel «Nicht ohne uns!» zu einer Podiumsveranstaltung, um vor allem Frauen vor Augen zu führen, dass der Regierungsrat künftig nur aus Männern bestehen könnte. Ausser: SP-Kandidatin Felicitas Zopfi wird im zweiten Wahlgang vom 10. Mai gewählt.

Bevor die Organisatorin, alt SP-Grossstadträtin Gaby Schmidt, den Anlass eröffnen konnte, riefen zwei junge Männer von der Tribüne: «Qualität statt Quote in der Regierung!» Noch ehe die beiden offensichtlich bürgerlichen Anhänger ein Transparent entfalten konnten, wurden sie aber aus dem Saal geführt.

«Kalte Wut» und ein Fortschritt

Die Frauen liessen sich von der Störaktion aber nicht beeindrucken. Im Gegenteil. Theaterregisseurin und Autorin Lisa Bachmann erinnerte in ihrer Rede an die vielen Mühen, die es bis Anfang der 1970er-Jahre gebraucht ­hatte, um gleiche Rechte für die Frauen zu erkämpfen: «Angesichts der aktuellen Lage kommt kalte Wut in mir hoch. Ist denn seither so wenig passiert?»

Diese Frage stellte sich dann auch eine Runde an der Podiumsdiskussion. Filmemacherin Ursula Brunner, Theologin Li Hangartner, Rechtsanwältin Christine Zemp Gsponer und Felicitas Zopfi stellten dabei durchaus einen Fortschritt fest. Allerdings mangle es vor allem in Führungspositionen noch an Frauen. Gerade ein gemischtes Gremium mit mehr als einer Frau trage zu einer Horizonterweiterung bei. «Frauen führen nicht besser oder schlechter als Männer, nur anders», sagte Brunner. Durch eine andere Biografie würden auch andere Aspekte in die Diskussionen eingebracht, ergänzte Zopfi.

Führungserfahrung und ein Aufruf

Die Regierungsratskandidatin ­konterte denn auch den Vorwurf, sie könne nicht führen. Sowohl in der Politik wie auch in Freizeit und Beruf habe sie genügend Führungserfahrung gesammelt: «Das hat mindestens so viel Wert wie die von vielen Männern beschworene Führungserfahrung aus Unternehmen.»

Zopfi rief junge Frauen dazu auf, sich neben Familie und Karriere auch ein politisches Engagement zu überlegen: «Oft wird gesagt, das geht nicht. Aber es funktioniert. Geht in die Politik, dann könnt ihr für mehr Krippenplätze oder das Fördern von Teilzeitarbeit kämpfen.»

Stolz und Zuversicht

Dass es dafür eine dicke Haut braucht, verhehlte Zopfi nicht: «Wenn mir aber nur mangelnde Führungserfahrung und das Frau-Sein vorgeworfen werden, kann ich stolz sein.» Auch die Gäste hatten keine Zweifel an Zopfis Fähigkeiten. «Ich traue ihr das Amt auf jeden Fall zu», sagte zum Beispiel Lucia Aeschbacher aus Luzern gegenüber unserer Zeitung. Nun brauche es nur genügend Stimmen, so die Forderung aus dem Podium.

Alexander von Däniken