WAHLEN: Hoteliers wollen mehr Einfluss

Verbände und Komitees sprechen in diesen Tagen ihre Wahlempfehlungen aus. Eine regelrechte Offensive lancieren dabei die Hoteliers und Tourismusvertreter.

Ismail Osman
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Patrick Hauser, FDP, Hotelier «Schweizerhof»: «Unsere Argumente müssen im Kantonsrat gewürdigt werden.»

Patrick Hauser, FDP, Hotelier «Schweizerhof»: «Unsere Argumente müssen im Kantonsrat gewürdigt werden.»

Ismail Osman

Verbände geben Wahlempfehlungen für den Regierungs- und Kantonsrat ab – in der Hoffnung, ihren Anliegen wohlgesinnte Vertreter ins Parlament delegieren zu können. So hält es auch Gastro Luzern, der Verband der Luzerner Hoteliers, Restaurateure und Cafetiers. Ein zweiter Blick auf die empfohlenen Kandidaten lohnt sich in diesem Fall aber: Drei der vorgeschlagenen Kandidaten für den Kantonsrat sind oder waren selbst Hotelbesitzer. Es sind dies Ferdinand Zehnder (CVP, Besitzer Hotel De la Paix, Ambassador und Vizepräsident von Luzern Tourismus), Patrick Hauser (FDP Luzern, Mitbesitzer «Schwei­zerhof») und Irene Keller (FDP Vitznau, ehemalige Besitzerin des «Vitznauerhofs»). Hinzu kommt auch noch Barbara Kopp (CVP Root, Verwaltungsrätin des Hotels Hermitage).

Vier weitere sind im Tourismussektor in leitenden Positionen. Weiter tritt mit Ruedi Stöckli (bisher, SVP, Meierskappel) der Präsident von Gastro Luzern und Wirt des Landgasthofs Strauss in Meiers­kappel selbst zur Wiederwahl an. Insgesamt befinden sich 14 Kantonsratskandidaten auf der Empfehlungsliste von Gastro Luzern.

«Es vereinfacht vieles»

Was augenscheinlich nach einer Offensive des Hotel- und Tourismussektors aussieht, spielt der Verband selber hinunter. «Die Liste der Kandidaten hat sich einfach so ergeben», sagt Patrick Grinschgl, Ressortleiter Politik bei Gastro Luzern. Grinschgl bestreitet jedoch nicht, dass man sich mehr Einfluss auf Parlamentsebene wünscht: «Natürlich vereinfacht es vieles, wenn man im Parlament angemessen vertreten ist», sagt Grinschgl und fügt an: «Man kann dadurch Dinge bewirken, ohne gleich zu Instrumenten wie zu einer Volksinitiative greifen zu müssen.» Gehen die Wünsche von Gastro Luzern auf, würden im Rat in der kommenden Legislatur also vermehrt Themen aus diesem Sektor aufs Parkett kommen.

FDP: Prominenz

Einer der prominentesten Kandidaten auf der Liste der Wahlempfehlungen von Gastro Luzern ist FDP-Vertreter Patrick Hauser. Der Mitbesitzer des «Schweizerhofs» war in der Vergangenheit Vorstandsmitglied des Hoteliervereins Luzern und Verwaltungsrat der Luzern Tourismus AG. «Ich kann und will den Kompass nicht um 180 Grad drehen», sagt Hauser über seinen potenziellen Einfluss als Teil des Parlaments. «Aber es geht darum, Entscheidungen mitzubeeinflussen und unterschiedlichste Argumente in die Waagschale zu werfen.» in diesem Sinne will Hauser der Stimme des Tourismus Gehör verschaffen. «Unsere Argumente müssen im Kantonsrat ankommen und gewürdigt werden.»

Mit dem «Schweizerhof» kämpft Hauser derzeit gegen die von der Stadt Luzern vorgesehene Tourismuszone. Mit dieser soll verhindert werden, dass Hotels aus Renditegründen zu Luxuswohnungen umgebaut werden. Die betroffenen Hoteliers sehen darin jedoch eine Beschneidung ihres Handlungsspielraums. Der rechtliche Streitfall sei für ihn aber nicht ausschlaggebend für seine Kandidatur gewesen, mache zum jetzigen Zeitpunkt aber Sinn: «Unser Betrieb ist mittlerweile so aufgestellt, dass er es verträgt, wenn einer von uns auch mal ausser Haus ist – bisher war das ja eher mein Bruder», sagt Patrick Hauser. Sein Bruder Mike war zwischen 2002 und 2013 in verschiedenen Funktionen, zuletzt als Präsident, beim FCL tätig.

Drei Problemfelder

Auch für Grinschgl ist die Tourismuszone kein Kernproblem. Doch was sind die Themen, in denen die Kandidaten von Gastro Luzern Einfluss nehmen sollten? Grinschgl nennt drei Themen: Die «Airbnbs» (Zimmervermietungen von Privaten über Online-Plattformen), Kurtaxen und Patentgebühren.

Gerade «Air­bnb» ist den Hoteliers ein besonderer Dorn im Auge. Über solche Internetdienste werden Touristen Zimmer oder ganze Wohnungen angeboten. Für Grinschgl und Gastro Luzern braucht es diesbezüglich eine Anpassung des Gesetzes. Dies, weil die privaten Vermieter etwa keine Kurtaxen zahlen müssen.

Support von SP-Kantonsrat

Während die Wahlliste von Gastro Luzern dessen klar bürgerliche Basis widerspiegelt, ist es ausgerechnet SP-Mann David Roth, der das Thema im Parlament aufgegriffen hat. In einer Anfrage will er von der Regierung wissen, wie sie diese Art von Vermietung aus rechtlicher Sicht beurteilt. Wie sich herausstellt, gibt es kaum gesetzliche Regelungen in diesem Gebiet: «Die Vermietung von Privatbetten und Ferienwohnungen ist vom Anwendungsbereich des Gesetzes über das Gastgewerbe, den Handel mit alkoholischen Getränken und die Fasnacht ausgenommen», heisst es in der Antwort der Regierung. «Es sind daher keine Bewilligungen nach diesem Gesetz erforderlich, und es gelten insbesondere auch keine besonderen räumlich-technischen Voraussetzungen bezüglich Hygiene, Sicherheit und so weiter.» Die Behandlung von Roths Anfrage ist für die Session von kommender Woche traktandiert.