WAHLEN: «Ich bin ein berechenbarer Politiker»

Paul Winiker (58, SVP) sieht sich als «Mann des Volkes, der die Bedürfnisse der Bürger kennt». Bisher hat er sich vor allem für die Belange der Gemeinden eingesetzt.

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Regierungsratskandidat Paul Winiker (SVP) wird beim Coiffure Philippe vom Inhaber Philippe Bünter frisiert. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Regierungsratskandidat Paul Winiker (SVP) wird beim Coiffure Philippe vom Inhaber Philippe Bünter frisiert. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Der Mann ist beschäftigt. Paul Winiker, 58 Jahre alt, SVP-Gemeindepräsident und Finanzvorsteher von Kriens, bleibt auf die Anfrage für einen Porträttermin mit unserer Zeitung kaum Zeit, zu antworten. Das Mail ist kurz und fast ein bisschen militärisch. Aber das passt schon. Schliesslich dauerte die Militärkarriere von Paul Winiker 37 Jahre. 2013 hat Oberstleutnant Winiker sie als Milizoffizier abgeschlossen. «Das Militär ist das längste, was ich gemacht habe», sagt er. Chef Kommunikation einer Brigade sei er gewesen, habe recherchiert und Artikel verfasst. «Fast wäre ich Journalist geworden.»

Paul Winiker verbrachte seine Kindheit im Luzerner Brambergquartier und ging im Maihofschulhaus zur Schule. «Mein Vater druckte als Buchdrucker das ‹Vaterland›», so Winiker. Er selber habe schon während der Kantizeit eine Stage bei der damaligen LNN gemacht. «Der Dienstchef der LNN empfahl mir aber, zuerst ein Studium abzuschliessen.» So studierte Winiker an der Universität Zürich Betriebswirtschaft und schloss das Studium 1982 ab. Er erhielt einen Job bei Sandoz (heute Novartis) und war als interner Revisor während einiger Jahre beruflich auf allen Kontinenten unterwegs. Auch sein nachfolgender Job bei einer internationalen Handelsgruppe brachte regelmässige Auslandaufenthalte mit sich. «Nach über acht Jahren Leben aus dem Koffer hatte ich genug. Das strengt schon sehr an», sagt Winiker. Später war er während 17 Jahren bei den Kabelnetzbetreibern Leo Fischer und der Cablecom tätig. Von 2002 bis 2012 arbeitete er als selbstständiger Wirtschaftsberater.

Schwere Bürde als Finanzdirektor

Winikers politische Karriere nahm 2007 Fahrt auf, als er als Finanzvorsteher in den Krienser Gemeinderat und in den Kantonsrat gewählt wurde. Zuvor sass er in der SVP-Einwohnerratsfraktion. 2012 wurde er zum Gemeindepräsidenten gewählt. Als Finanzverantwortlicher hat er bis heute eine schwierige Aufgabe zu bewältigen. Seit 2008 steckt die 27 000 Einwohner zählende Agglomerationsgemeinde in tiefroten Zahlen. Und der Investitionsdruck ist gross. Diverse Schulhäuser mussten oder müssen saniert werden, das Pflegeheim Grossfeld schreit nach einer Erneuerung. Dazu kommt das über mehrere Jahre aufgeschobene Zentrumsprojekt, das Kriens über 60 Millionen Franken kostet und vom Volk im letzten Jahr abgesegnet wurde. Die Pensionskasse musste saniert werden, was laut Winiker erfolgreich gelang.

Zwei vom Gemeinderat beantragte Steuererhöhungen scheiterten am Volks-Nein. Im dritten Anlauf sagte die Bevölkerung im Februar 2013 schliesslich dann doch noch Ja zur Anhebung des Steuerfusses von 1,9 auf 2,0 Einheiten. Paul Winiker liess sich im November 2012 von unserer Zeitung zitieren: «Wären wir eine Aktiengesellschaft, müssten wir Ende Jahr die Bilanz deponieren. Es ist nicht mehr Viertel vor zwölf, sondern fünf nach. Wir brauchen diese Steuererhöhung.» Mittlerweile sehe es mit den Krienser Finanzen besser aus, sagt Winiker. Die Gemeinde sei aus strukturellen Gründen in finanzielle Schieflage geraten. Insbesondere wegen des grossen Nachholbedarfs an Investitionen. «Doch von Jahrhundertinvestitionen profitieren mehrere Generationen. Und dann sind sie auch gerechtfertigt.»

Ein SVP-Finanzvorsteher, der sich in seiner Gemeinde für eine Steuererhöhung stark macht, fällt zumindest auf. Das sehen auch seine Kantonsratskollegen: «In der Steuerpolitik hat er eine zum Teil ambivalente Rolle. Er ist SVP-liniengetreu für die Tiefsteuerstrategie im Kantonsrat, muss dann aber in der Gemeinde die Steuern erhöhen», sagt etwa SP-Fraktionschefin Priska Lorenz. Und weiter: «Er ist ein umgänglicher, offener Kantonsratskollege. Politisch sind wir uns zwar oft nicht einig, aber er hat innerhalb seiner Partei dennoch eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt.» Diese Feststellung deckt sich auch mit Winikers Selbsteinschätzung: «Ich bin ein berechenbarer Politiker und kein rotes Tuch für andere Parteien. Ich stehe für mehrheitsfähige Lösungen.»

Auch FDP-Kantonsrat Ruedi Burkard sieht in Winiker «keinen fundamentalen SVPler, sondern einen gemässigten Politiker, der den Konsens sucht». In den letzten Jahren habe er sich vor allem für die Belange der Gemeinden stark gemacht. «Meiner Meinung nach müsste er sich auch etwas mehr für die Anliegen des Kantons einsetzen.» Auf persönlicher Ebene kennen sich die beiden seit Jahrzehnten aus dem Handballclub Kriens Luzern. Burkard: «Er ist ein sehr geselliger und umgänglicher Mensch, der aktiv am Vereinsleben teilnimmt.» Auf seinen Wahlflyern tritt Winiker denn auch als «Mann aus dem Volk» auf, der «die Bedürfnisse, Sorgen und Anliegen der Bürgerinnen und Bürger» kennt.

«Marschhalt» und «Konsolidierung»

Auf kantonaler Ebene fordert Winiker – seit 2007 Mitglied der kantonsrätlichen Planungs- und Finanzkommission – einen «Marschhalt bei den staatlichen Leistungen. Regierung und Parlament haben in den letzten Jahren zu viele Mehrleistungen beschlossen.» So habe man eine sehr teure Volksschulbildungsreform beschlossen, gegen die Stimmen der SVP. «Das hat in vielen Gemeinden enorme Kosten zur Folge.» Ähnlich sehe es aus bei der neuen Pflegefinanzierung, an der viele Gemeinden schwer zu knabbern hätten. «Jetzt braucht es eine Konsolidierung und keine zusätzlichen Aufgaben zu Lasten von Kanton und Gemeinden.»

Gibt es auch etwas, was ihm an der aktuellen Kantonspolitik gefällt? «Ja. Die Vorwärtsstrategie, die den Kanton wieder konkurrenzfähig und das Arbeiten und Wohnen hier lohnenswert gemacht haben.» Damit habe man gute Trümpfe in der Hand, den breiten Mittelstand sowie die ansässigen KMU zu stärken und weitere Unternehmungen im Kanton anzusiedeln.

Susanne Balli