Wahlen in der Stadt Luzern: So ticken die sieben Stadtrats-Kandidierenden

Zwei vakante Sitze – sieben Bewerberinnen und Bewerber: Der 2. Wahlgang am 28. Juni wird in der Stadt Luzern spannend. Wie denken die Kandidatinnen und Kandidaten über zentrale Fragen zur Zukunft der Stadt?

Robert Knobel
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Verkehr: Autos und Busse kommen in der Stadt Luzern oft nur langsam voran, Velofahren ist gefährlich. Was soll die Stadt tun?

Franziska BitziDie Innenstadt soll innert nützlicher Frist für alle erreichbar sein. Im dichten städtischen Raum ist das nur mit der Förderung von flächeneffizienten Verkehrsmitteln wie Bus und Velo möglich. Ich wünsche mir durchgehende Velospuren.
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Manuela JostUm Staus zu vermeiden, muss der ÖV durch Busspuren und Bus-Bevorzugungen gefördert werden. Schwachpunkte im Velo- und Fussverkehr sind zügig zu beheben. Als Steuerungsmittel ist die testweise Einführung von Mobility Pricing eine interessante Idee.
Judith DörflingerWir müssen die Lücken im Busnetz schliessen, es braucht durchgehende Busspuren. Mit der Förderung von Velostrassen und -wegen (z.B. Taubenhausstrasse) kann die Verkehrssicherheit für den Langsamverkehr erhöht werden.
Silvio Bonzanigo:Die unbeschränkte Busbevorzugung führt bereits heute an den hochbelasteten Knoten zur Eigenbehinderung des Busverkehrs. Velofahren ist in Luzern nicht gefährlich. Das zu Fuss gehen ist einschränkungslos zu fördern; das hilft dem städtischen Verkehr am meisten.
Skandar KhanZiel sollte es sein, den motorisierten Individualverkehr mittels autofreien Zonen zu reduzieren und das ÖV- und Velonetz zu verbessern. Der Fokus muss auf der Erschliessung der Agglomeration liegen.
Jona Studhalter: Das Ziel muss eine autofreie Stadt sein, in der alle dank ÖV, Velo und zu Fuss von A nach B kommen. Wir alle haben die ruhigen und sicheren Strassen während des Lockdowns genossen - bleiben wir dabei!
Ruedi Schweizer: Der ÖV ist in den Einklang mit der Automobilität zu fördern. Der Automobilist muss Möglichkeiten haben, mit einer Parkkarte im ganzen Kanton zu parken und mit dem ÖV in die Stadt zu gelangen. Wir müssen die Metrovariante mit der Zentralbahn in der Zukunft umsetzen.

Franziska Bitzi
Die Innenstadt soll innert nützlicher Frist für alle erreichbar sein. Im dichten städtischen Raum ist das nur mit der Förderung von flächeneffizienten Verkehrsmitteln wie Bus und Velo möglich. Ich wünsche mir durchgehende Velospuren.

Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 6. März 2020)

Finanzen: Durch Corona drohen hohe Einnahmenausfälle. Wo soll gespart werden?

Franziska BitziDie Stadt hat in den guten Jahren überobligatorische Leistungen ausgebaut. Nach dem ersten Rechnungsabschluss mit AFR18, also im Frühling 2021, werden wir die Aufgaben gesamthaft überprüfen müssen. Es wäre nicht seriös, jetzt schon einzelne Bereiche herauszupicken.
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Manuela JostDie Diskussion von Massnahmen darf keine Tabus kennen. Die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft sind so zu gestalten, dass Arbeitsplätze und Steuersubstrat erhalten bleiben. Mit Investitionen der öffentlichen Hand werden Impulse für die Wirtschaft gesetzt.
Judith DörflingerIn den vergangenen Wochen haben wir erfahren, wie wichtig und wertvoll ein starker Staat für das Wohl unserer Bevölkerung ist. Heute ist deshalb nicht der Zeitpunkt, um über Sparvorschläge nachzudenken.
Silvio Bonzanigo:Spardisziplin ist Pflicht. Bauvorhaben müssen etappiert werden (z.B. Velostationen). Schwach besuchte Angebote im Migrationsbereich und in der Seniorenarbeit sind einzustellen. Die externe Gutachter- und Expertentätigkeit ist einzufrieren.
Skandar KhanDie Stadt hat in den letzten Jahren sehr hohe Überschüsse generiert. Dieses Geld soll nun genutzt werden, um anstehende Projekte zu realisieren und die Menschen finanziell zu entlasten. Nur so können wir die Kaufkraft stärken, um nicht in eine Abwärtsspirale zu fallen.
Jona Studhalter: Bei jeder Budgetdebatte sparen und schwarzmalen, dann einen Überschuss erwirtschaften: Dies kann sich eine moderne Stadt bei einem Investitionsstau bei Schulhäusern nicht leisten. Wir müssten schon lange in die Zukunft investieren, aber besser jetzt als nie!
Ruedi Schweizer: Am ehesten spart man bei der Politik. In der Exekutive liegen 30 Prozent Salärkürzungen im Bereich des Möglichen. Auch müssen wir über die Schlüsselstellen bei EWL, VBL und Viva den Rotstift oben in der Teppichetage ansetzten.

Franziska Bitzi
Die Stadt hat in den guten Jahren überobligatorische Leistungen ausgebaut. Nach dem ersten Rechnungsabschluss mit AFR18, also im Frühling 2021, werden wir die Aufgaben gesamthaft überprüfen müssen. Es wäre nicht seriös, jetzt schon einzelne Bereiche herauszupicken.

Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 6. März 2020)

Politik: Das Verhältnis der Stadt zum Kanton ist nicht das beste. Wie könnte man es verbessern?

Franziska BitziIm operativen Bereich arbeiten wir gut mit dem Kanton zusammen. Dabei helfen persönliche Kontakte. Bei vielen politischen Diskussionen geht es um die unterschiedlichen Herausforderungen in der Stadt oder auf dem Land; dafür braucht es verschiedene Lösungen.
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Manuela JostDie Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kanton ist grundsätzlich konstruktiv und besser, als dies oft kolportiert wird. Wichtig ist, dass wir auf Gemeinsamkeiten aufbauen. Die effiziente Zusammenarbeit für den Durchgangsbahnhof zeigt, dass wir am gleichen Strick ziehen.
Judith DörflingerEs stehen viele Projekte an, die unter Mitwirkung von Gemeinden und Kanton erarbeitet werden müssen. Zum Beispiel ein überregionales Gesamtverkehrskonzept oder die neue Theaterinfrastruktur. Die Stadt soll verstärkt den Lead übernehmen.
Silvio Bonzanigo:Die Stadt muss sich ohne Vorbedingungen wieder dem Verband Luzerner Gemeinden anschliessen. Wegen der Zentrumslasten braucht es eine Sonderlösung zu AFR 18 für die Stadt. Luzern und die Agglomerationsgemeinden müssen geeint gegenüber dem Kanton agieren.
Skandar KhanDer Kanton hat bei einigen Projekten die Bedürfnisse der Stadtbevölkerung ignoriert. Es kann nicht das Ziel sein, die Positionen der Stadt an jenen des Kantons anzupassen. Als Stadt müssen wir klar formulieren, welche Haltung wir gegenüber kantonalen Projekten haben.
Jona Studhalter: Im Regierungsrat fehlt eine städtische Stimme: Dass man Dinge anders sehen kann, ist dem rein bürgerlichen Regierungsrat vom Land noch zu wenig bewusst. Deshalb ist es wichtig, dem Kanton selbstbewusst die eigene Sicht der Dinge darzulegen.
Ruedi Schweizer: Die Stadt hat Wünsche, der Kanton auch. Man muss sie nur aufeinander abstimmen. Beispiel Bypass und Spange Nord: Für mich ist das Projekt eine Fehlinvestition. Der Nord-Süd-Verkehr ist mit einem Axentunnel zu führen, statt durch die Stadtteile Luzern und Kriens.

Franziska Bitzi
Im operativen Bereich arbeiten wir gut mit dem Kanton zusammen. Dabei helfen persönliche Kontakte. Bei vielen politischen Diskussionen geht es um die unterschiedlichen Herausforderungen in der Stadt oder auf dem Land; dafür braucht es verschiedene Lösungen.

Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 6. März 2020)

Kultur: Eine der grössten Investitionen der nächsten Jahrzehnte ist das neue Theater. Was muss dieses alles bieten?

Franziska BitziLuzern braucht ein Theaterhaus für den professionellen Betrieb. Gute Architektur muss sich nicht in der Grösse des Gebäudes zeigen. Wichtiger als die Hülle ist ohnehin der Inhalt. Das Augenmerk ist mehr auf die Betriebskosten als auf die einmalige Investition zu legen.
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Manuela JostDas neue Theater liegt mir sehr am Herzen. Aus städtebaulicher Sicht setzt es einen Akzent auf der Achse KKL-Jesuitenkirche. Das kulturelle Angebot soll Oper, Schauspiel und Tanz umfassen. Die freie Szene muss kooperativ ins Konzept integriert werden.
Judith DörflingerDer wesentliche Aspekt des Theaters ist und bleibt die Begegnung. Ich fordere ein Theater für alle, einen Treffpunkt für die Bevölkerung, wo man sich aufhalten und innehalten kann. Es muss auch für Theaterschaffende aus allen Bereichen offen sein.
Silvio Bonzanigo:Nur ein professionelles Mehrspartentheater kann national ausstrahlen. Dazu braucht es eine neue renommierte Projektleitung für den Neubau (nicht Umbau!). Das neue Theater darf kein niveaumässiges Allerlei werden - die freie Szene hat genügend Bühnen in Luzern..
Skandar KhanDas Theater soll auch als Begegnungszone fungieren und Raum für die freie Szene bieten. Als Ort ohne Konsumzwang und als Zentrum für Veranstaltungen könnte sich das Theater zu einem bedeutenden Standort für die Zentralschweizer Kulturszene entwickeln..
Jona Studhalter: Das Theater soll ein Haus für alle werden. Für die etablierte Theaterkunst, wie auch die Alternativszene, in dem sich alle entfalten können und in dem faire Löhne bezahlt werden.
Ruedi Schweizer: Das Stadttheater soll sanft renoviert werden. Die Sitzgelegenheiten verbessert werden. Um Platz zu schaffen, genügt ein passender Anbau vollkommen.

Franziska Bitzi
Luzern braucht ein Theaterhaus für den professionellen Betrieb. Gute Architektur muss sich nicht in der Grösse des Gebäudes zeigen. Wichtiger als die Hülle ist ohnehin der Inhalt. Das Augenmerk ist mehr auf die Betriebskosten als auf die einmalige Investition zu legen.

Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 6. März 2020)
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