Wahlen in Emmen: Sie sind die Generation der Teamplayer im Gemeinderat

Ramona Gut-Rogger (FDP), Brahim Aakti (SP) und Patrick Schnellmann (CVP) sind erst seit kurzem Gemeinderäte in Emmen – und sie wollen es bleiben.

Beatrice Vogel
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Von links: Brahim Aakti, Ramona Gut-Rogger und Patrick Schnellmann bei der Hochschule Luzern in der Viscosistadt.

Von links: Brahim Aakti, Ramona Gut-Rogger und Patrick Schnellmann bei der Hochschule Luzern in der Viscosistadt.

Bild: Eveline Beerkircher, Emmenbrücke, 4. Februar 2020

Für sie wird der 29. März die erste eigentliche Gemeinderatswahl sein: Ramona Gut-Rogger (FDP), Gemeindepräsidentin von Emmen, wurde im vergangenen Herbst still gewählt. «Der Ausgang der Wahlen ist schon etwas unberechenbar, weil ich mich auf kein früheres Wahlresultat stützen kann. Aber ich bin guten Mutes und werde mein Bestes geben», sagt Gut. In der Bevölkerung werde es geschätzt, dass eine junge Frau Gemeindepräsidentin ist. Ihr Bekanntheitsgrad sei in den letzten Monaten merklich gestiegen:

«Ich wurde sogar in Andermatt von einer Emmerin erkannt.»

Mehrmals sei aus der Bevölkerung die Frage gekommen, wie sie Gemeindepräsidium und Familie unter einen Hut bringe, so Gut weiter. Die 37-Jährige ist Mutter einer vier- und einer einjährigen Tochter. Sie kommuniziert offen, wie ihre Kinder betreut werden. «Wir haben die Betreuung gut organisiert und die Kinder leiden nicht darunter. Ausserdem kennen sie nichts anderes, weil ich bereits vorher immer gearbeitet habe.»

Kritische Fragen dieser Art kennt Brahim Aakti (SP) nicht, obwohl auch er Vater zweier Kleinkinder ist. Im Gegenteil:

«Ich werde oft dafür gelobt, dass ich versuche, konsequent einen Papitag pro Woche zu machen.»

Darüber hinaus erhält der Bildungs- und Kulturdirektor noch mehr positives Feedback, «sei es, weil ich jung bin, ein Familienvater in einer Führungsposition, oder als Gemeinderat mit Migrationshintergrund», sagt er. Insofern rechnet sich der 38-Jährige gute Chancen für eine Wiederwahl aus, auch weil er der einzige linke Kandidat ist.

Patrick Schnellmann (CVP) kann auf ein gutes erstes Resultat zurückblicken. Bei seiner Wahl im Herbst 2018 schnitt der heute 50-Jährige von allen Kandidaten am besten ab – obwohl er mit seiner Kandidatur die Konkordanz durchbrach. Seither ist die SVP nicht mehr im Gemeinderat vertreten. «Klar ist die Konkordanz ein grosses Thema. Für mich ist aber wichtiger, dass der Gemeinderat als Team gut zusammenarbeitet. Momentan ist das der Fall», sagt der Finanzvorsteher.

Sie kennt sich mit Schule und Feuerwehr aus

Vor ihrem Amtsantritt war Ramona Gut Schulleiterin. Davon habe sie viel Vorwissen mitnehmen können, das ihr beim Kennenlernen der Direktionen half. Dass ihr Mann beim Zivilschutz arbeitet und bei der Feuerwehr engagiert war, habe ihr zudem schon vor ihrem Amtsantritt Einblicke in ihre eigene Direktion Sicherheit und Sport verschafft. «Insofern bin ich gut gestartet», meint Gut. Über die bisherige Gemeinderatsarbeit von Ramona Gut lässt sich wenig sagen, ist sie doch erst seit knapp vier Monaten im Amt. Die Federführung übernommen hat sie beim Thema digitale Transformation. Dabei geht es unter anderem um die Frage, wie mit digitalen Hilfsmitteln neue Formen der Zusammenarbeit etabliert werden und wie es gelingt, die Kundenbedürfnisse auch in Zukunft zielführend befriedigen zu können.

Auf seine bisherigen Leistungen angesprochen, betont Brahim Aakti, dass der Gemeinderat alle Entscheidungen gemeinsam fällt: «Wir arbeiten als Gremium und nicht als Einzelkämpfer.» Trotzdem lassen sich natürlich Leistungen von ihm nennen, etwa die Kommunikation betreffend Schulhaus Erlen. Er legte dem Parlament plausibel dar, warum das fertige Provisorium nicht in Betrieb genommen, sondern der 4. Trakt gebaut wird. Zudem hat Aakti den Lead bei der Neuausrichtung der Kunstplattform Akku übernommen. Eine schwierige Aufgabe, zu der er nicht verpflichtet gewesen wäre.

«Für mich war das selbstverständlich. Es würde mich nicht in Ruhe lassen, wenn ich nicht alles probiert hätte, um das Akku zu retten.»

Patrick Schnellmann hat mit den Finanzen eine schwierige Direktion übernommen – und es geschafft, die Negativspirale zumindest zu bremsen. Die Vorarbeit dafür – eine Steuererhöhung und die kantonale Finanzreform – haben zwar andere geleistet. Sein erstes Budget hat Schnellmann im Einwohnerrat aber erfolgreich durchgebracht. «Der Budgetprozess ist innerhalb der Verwaltung aber auch gegenüber dem Parlament transparenter geworden», ist Schnellmann überzeugt. In seinem Ziel, Vertrauen aufzubauen und das Image der Finanzdirektion zum Positiven zu verändern, hat er seiner Meinung nach bereits Fortschritte erzielt.

Allerdings hat sich Schnellmann mit der Ankündigung, dass es nächstes Jahr wieder eine Steuererhöhung brauche, in die Nesseln gesetzt und im Parlament Kritik geerntet. Er räumt ein:

«Es ist mir bewusst, dass es schwierig wird, eine Steuererhöhung durchzubringen.»

«Mir ging es aber vor allem darum, zu sensibilisieren, dass es für die anstehenden Investitionen im Schulraum zusätzliche finanzielle Mittel braucht.»

Bei der Rhetorik gibts noch Luft nach oben

Hört man sich im Parlament um, spricht kaum jemand schlecht über die drei Neuen. Ramona Gut wird als Teamplayerin und als gewissenhaft wahrgenommen. Von aussen betrachtet, macht sie einen souveränen und ausgeglichenen Eindruck. Ob sie Emmen als Gemeindepräsidentin ein Gesicht und eine Stimme geben kann, wird sie aber noch beweisen müssen. Wie Patrick Schnellmann die Finanzen angepackt hat, wird von vielen Politikern als positiv gewertet. Seine anfängliche Unsicherheit hat er mittlerweile abgelegt. Auch Brahim Aakti wird im Parlament als dossiersicher wahrgenommen, wobei seine Voten noch etwas unsicher rüber kommen. Grundsätzlich können alle drei in ihrem Auftreten noch etwas an Selbstsicherheit und Rhetorik zulegen.

Die drei neuen Gemeinderäte stehen für einen Generationenwechsel und frischen Wind, wie man auch aus Verwaltungskreisen hört. Die Stimmung im Gesamtgemeinderat scheint gut zu sein: Alle fünf loben die konstruktive und positive Zusammenarbeit. Die Neuen etablieren derweil – ganz Teamplayer – eine kommunikative und kollegiale Führungskultur. Ramona Gut: «Mir ist wichtig, dass wir gemeinsam Lösungen erarbeiten und jeder seine Kenntnisse und Erfahrungen einbringen kann. Das gilt insbesondere auch für die Verwaltungsmitarbeitenden.» Auch Schnellmann und Aakti pflegen eine Politik der offenen Tür und beziehen ihre Mitarbeiter bei Diskussionen und Entscheidungen mit ein.

In Sachen Kommunikation sieht Ramona Gut grundsätzlich Nachholbedarf:

«Ich stelle fest, dass die politischen Abläufe und die Agenda des Einwohnerrates – die ja in einer Gemeinde allem zugrunde liegen – nicht allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern klar sind. Das müssen wir besser vermitteln.»

Auch die Schnittstellen zwischen den Direktionen müssen laut Gut «genau angeschaut werden, denn heute haben wir grosse Reibungsverluste». So wurden etwa involvierte Direktionen oft erst spät ins Boot geholt. Gut: «Hier müssen wir proaktiver sein.» Dem pflichten Brahim Aakti und Patrick Schnellmann bei.

In der kommenden Legislatur muss der Gemeinderat eine neue Finanzstrategie erarbeiten. Dazu gehört, Prozesse zu analysieren und langfristige Sparmassnahmen zu definieren, aber auch neue Einnahmen zu generieren. Ebenfalls eine Herausforderung wird die Schulraumplanung: «Dieses Thema wird uns die nächsten vier Jahre wohl am meisten beschäftigen», meint Aakti. Der Gemeinderat muss dafür sorgen, dass rechtzeitig genügend Schulräume für die wachsende Kinderschar bereitsteht.

Hinweis
Am 29. März wird in Emmen gewählt: Sechs Kandidaten bewerben sich um fünf Sitze im Gemeinderat. Die anderen Kandidaten wurden bereits vorgestellt (siehe «Mehr zum Thema»). 

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