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WAHLEN: Inserate: Zopfi übertrumpft alle

Vor dem ersten Wahlgang hiess der Inserate- könig Paul Winiker, SVP. Nun hat SP-Frau Felicitas Zopfi das Blatt gewendet. Verhilft ihr die Offensive zur Wahl?
Vor dem zweiten Wahlgang haben die drei Regierungsratskandidaten bisher mehr als 180 Inserate geschaltet. (Bild Pius Amrein)

Vor dem zweiten Wahlgang haben die drei Regierungsratskandidaten bisher mehr als 180 Inserate geschaltet. (Bild Pius Amrein)

Lukas Nussbaumer

Ist die SP nervös? Oder will sie mit ihrer Kandidatin Felicitas Zopfi vor dem zweiten Wahlgang vom Sonntag ganz einfach noch einmal Präsenz markieren? Sicher ist: Zopfi hat seit der ersten Ausmarchung vom 29. März auffällig viele Inserate in Zeitungen geschaltet oder schalten lassen – und vor allem deutlich mehr als ihre Gegenkandidaten Paul Winiker von der SVP und Marcel Schwerzmann, der als Parteiloser um seine Wiederwahl kämpft. Dies zeigen Auswer­tungen von David Zumbach, Politökonom am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Bern, für unsere Zeitung.

Externer Support für Bürgerliche

Zopfi hat in den letzten knapp vier Wochen 75 Inserate in 11 Zeitungen geschaltet, Winiker 56 und Schwerzmann deren 50 (siehe Tabelle). Mit Abstand am meisten inseriert haben die drei Kandidaten in unserer Zeitung: Zopfi 47 Mal, Schwerzmann 23 Mal, Winiker 21 Mal.

Auffällig ist, dass sowohl Zopfi als auch Schwerzmann mehr inseriert haben als vor dem ersten Wahlgang. Winiker hingegen war in Zeitungen weniger oft präsent als vor dem 29. März. Ebenso fest ins Auge sticht, dass Zopfi beziehungsweise ihre Partei fast alle Inserate selber geschaltet haben. Ganz anders Marcel Schwerzmann und Paul Winiker: Zwei Drittel der Inserate, in denen für die beiden Bürgerlichen geworben wird, stammen nicht von ihnen selber respektive nicht von Winikers Partei, der SVP. So hat das Komitee «Für Luzern mit Zukunft» 32 Doppelinserate mit den Köpfen von Schwerzmann und Winiker publiziert. Politökonom Zumbach kommentiert dies so: «Die SP ist vordergründig auf sich allein gestellt. Die Grünen und die CVP, die offiziell Zopfi unterstützen, haben keine Parteiinserate geschaltet. Informell funktioniert die Zusammenarbeit aber dennoch gut – und zwar über die Testimonials der Kampagne Zopfi.»

Auf Nameninserate – Testimonials also – setzt aber nicht nur Zopfi, sondern auch Schwerzmann. Testimonial-Inserate werden im Normalfall von jenen Personen bezahlt, die sich für einen Kandidaten starkmachen.

Zopfi: Höhere Präsenz nicht geplant

Felicitas Zopfi begründet ihre Inserate­offensive mit dem «Ruck, der nach dem ersten Wahlgang durch die Bevölkerung gegangen ist. Viele Menschen wollten für mich einstehen.» Die im Vergleich zum ersten Wahlgang deutlich höhere Präsenz sei nicht geplant gewesen, sondern sei durch die Initiative vieler Einzelpersonen zu Stande gekommen. Laut Zopfi hat ihr Unterstützungskomitee vor den beiden Wahlgängen je rund 13 000 Franken ausgegeben, die SP vor beiden Ausmarchungen zusammen etwa 15 000 Franken.

Marcel Schwerzmann nennt keine Zahlen zu seinem Wahlkampf und sagt lediglich, dass er «verhältnismässig wenig» ausgegeben habe. Ausser Inseraten habe er keine weiteren Werbeinstrumente eingesetzt. Schwerzmann begründet seine Zurückhaltung beim Schalten von Inseraten – er hat sowohl vor dem ersten als auch dem zweiten Wahlgang im Vergleich mit Zopfi und Winiker am wenigsten oft inseriert – so: «Die beste Werbung ist und bleibt, einen guten Job zu leisten. Das wird von den Wählern höher gewertet als eine Dauerpräsenz auf gekauften Werbeflächen.» Er habe zudem immer erklärt, dass er nur in moderatem Masse inserieren werde. Schwerzmann will nach dem ersten Wahlgang «bei weiten Teilen der Bevölkerung eine gewisse Werbemüdigkeit» festgestellt haben und schliesst daraus: «Wer permanent in hoher Kadenz die Werbetrommel rührt, riskiert mit der Zeit, dass die erwünschte Wirkung verpufft.»

Winiker: Mehrere hundert Plakate

Paul Winiker sagt, dass er die Inserate­auftritte gegenüber dem ersten Wahlgang zu Gunsten von mehr Werbung in Bussen zurückgefahren habe. Dies deshalb, weil seine Kandidatur durch mehrere Komitees unterstützt werde. Dazu ist Winiker auf Plakaten mit Abstand am stärksten präsent – er lächelt potenziellen Wählern im ganzen Kanton auf mehreren hundert Plakaten entgegen.

Testimonials wirken

So auffällig sich Felicitas Zopfi, Paul Winiker und Marcel Schwerzmann auf Inseraten, Plakaten und Flyern präsentieren, so fleissig sie Wahlveranstaltungen besuchen und so präsent sie in den sozialen Medien sind: Was bringen Wahlkampagnen überhaupt? Politikberater Mark Balsiger sagt, dass Inserate «dann einen positiven Effekt erzielen können, wenn sie über eine längere Zeitspanne geschaltet werden, auffällig gestaltet sind und eine Botschaft vermitteln, die bei den Wählern ankommt».

Eine positive Wirkung attestiert Balsiger den Nameninseraten. «Die allermeisten Wähler kennen die drei Kandidaten nicht persönlich. Persönlichkeiten können die Wahlentscheidung beeinflussen, wenn sie als glaubwürdige Mul­ti­plikatoren auftreten», sagt der Autor von drei Wahlkampfbüchern.

Nicht besonders viel hält Balsiger von den Inseraten des Komitees «Für Luzern mit Zukunft», auf denen Schwerzmann und Winiker als bürgerliches Duo angepriesen werden. «Ob der Schulterschluss bürgerlich und bewährt verfängt, bezweifle ich. Realität ist, dass jeder gegen jeden kämpft. Es ist ein realistisches Szenario, dass Winiker am Sonntag den Bisherigen Schwerzmann verdrängt.»

Alle drei Kandidaten zuversichtlich

Die drei Kandidaten für die beiden noch freien Sitze in der fünfköpfigen Luzerner Regierung beurteilen ihre Wahlchancen so:

  • Marcel Schwerzmann:«Aufgrund von unzähligen Reaktionen aus der Bevölkerung darf ich meine Chancen als intakt bezeichnen.»
  • Paul Winiker:«Es ist jedes Resultat möglich. Die Luzernerinnen und Luzerner haben eine Auswahl. Und das ist doch gut.»
  • Felicitas Zopfi:«Ich bin mir bewusst, dass es knapp wird. Deshalb kämpfe ich bis zuletzt um jede Stimme.»

Wahlhilfe: Kostenlose Informationen zu den drei Regierungsratskandidaten finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/wahlhilfe

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