WAHLEN: Jungspund Zeier soll nach Bern

Maurus Zeier ist jung, ehrgeizig und auf dem Weg in den Nationalrat: Der Jungfreisinnige erhält den ersten Listenplatz der FDP. Eine Strategie, die sonst die Linken verfolgen.

Evelyne Fischer
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Maurus Zeier (24), FDP-Nationalratskandidat: «Die Kandidatur ist ein Sprungbrett. Und dieses will ich nutzen.» (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Maurus Zeier (24), FDP-Nationalratskandidat: «Die Kandidatur ist ein Sprungbrett. Und dieses will ich nutzen.» (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Evelyne Fischer

Noch fünf Monate – auf Maurus Zeiers Homepage läuft der Countdown. Am 18. Oktober will der 24-jährige Luzerner den Sprung in den Nationalrat schaffen. Die FDP offeriert dem Präsidenten der Jungfreisinnigen Schweiz den ersten Listenplatz. Die offizielle Nomination soll an der Versammlung der Jungpartei vom 7. Mai erfolgen. In den Kantonsrat hat es Zeier knapp nicht geschafft: Er ist erster Ersatz. «Das gute Abschneiden bestärkt mich, mit der Kandidatur für den Nationalrat den richtigen Weg eingeschlagen zu haben», sagt Maurus Zeier. Es sei ein «starkes Zeichen» der FDP, auf junge Köpfe zu setzen.

«Startnachteil wettmachen»

Nach der Nomination des 30-jährigen Damian Müller für den Ständerat unterstreiche dieser Schritt eine bestimmte Botschaft, sagt Wahlkampfleiter Rolf Born. «Die FDP spricht nicht nur von Förderung, sie macht es auch.» Von einer Image-Verjüngung will Born nichts wissen. Mit dem Platz an der Spitze könne ein Jungpolitiker einen «Startnachteil wettmachen» und den fehlenden Bekanntheitsgrad kompensieren. Die Bedeutung des ersten Listenplatzes dürfe bei zehn Namen aber auch nicht überbewertet werden. «Nichtsdestotrotz ist es ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Jungpolitikern. Bei uns sind sie nicht nur Listenfüller.» Hofft die FDP auf einen Coup, wie er 2011 etwa der SP mit Cédric Wermuth gelang oder 2007 der SVP mit Lukas Reimann? «Das Prinzip Hoffnung ist nicht unser Entscheidungsfaktor. Jung sein allein reicht nicht. Es braucht einen Leistungsausweis.»

Nachwuchs erhält eine Stimme

Die FDP ist nicht die einzige Partei, die auf Jungpolitiker setzt. Katharina Meile, Co-Präsidentin der Grünen, sagt auf Anfrage: Den Jungen Grünen werde an der Versammlung vom 2. Juni ein Platz auf der Liste der Mutterpartei reserviert. «Wer politisiert, bestimmt die Zukunft mit. Das betrifft den Nachwuchs am meisten, also muss er auch eine entsprechende Stimme erhalten.» Auch Meile schreibt der Reihenfolge der Namen eine beschränkte Bedeutung zu. Dennoch: «Der erste Listenplatz gebührt unserem Bisherigen Louis Schelbert.» Auch die SP will wieder auf junge Kräfte setzen, sagt Parteisekretär Sebastian Dissler. «Im Visier haben wir Leute, die in der Partei bereits Verantwortung übernehmen und etabliert sind.» Vor vier Jahren standen auf der SP-Liste drei Kandidaten unter 30. Die Nomination erfolgt am Parteitag vom 13. Juni, die Juso tritt mit einer eigenen Liste an.

«Einzelne Jungpolitiker auf die Liste der Mutterpartei zu nehmen, hat im linken Lager Tradition», sagt Politologe Balsiger. Um junge Talente aufzubauen, könnten CVP oder SVP dasselbe tun. Sprich: nicht nur unterschiedliche Regionen und Berufssparten abdecken, sondern auch alle Altersgruppen. «Doch immer dann, wenn ein Sitzgewinn in der Luft liegt, gibt es bereits unter den arrivierten Politikern ein Gerangel. Die Jungen haben das Nachsehen.»

Junge sollen selber mobilisieren

Noch vor vier Jahren setzte auch die CVP mit Daniel Piazza auf einen Kandidaten der Jungpartei. Nach den Wahlen lag er abgeschlagen auf dem letzten Platz. «Heuer führten wir keine Gespräche mit Jungpolitikern», sagt CVP-Präsident und Wahlkampfleiter Pirmin Jung. «Sie werden mit einer eigenen JCVP-Liste antreten.» Mit einem separaten Wahlkampf und Social Media könnten sie jene Kanäle bewirtschaften, mit denen sie explizit ein junges Publikum ansprechen. Gleich tönt der Tenor bei GLP und SVP: «Jungpolitiker müssen auf eigenen Listen kandidieren», sagt SVP-Parteipräsident Franz Grüter. «So fällt es ihnen leichter, Stimmen von Wählern in ihrem Alter zu gewinnen.» Bei der Mutterpartei setze man auf bewährte Namen mit hohen Wahlchancen. «Letztlich geht es auch um den Erfolg der ganzen Partei. Junge Politiker bleiben gegenüber Etablierten meist chancenlos.»

Die SVP nominiert am 11. Juni, die CVP am 11. Mai. «Die vorderen Listenplätze reservieren wir den Bisherigen», sagt Pirmin Jung. Ähnlich dürften es die Grünliberalen am 28. Mai handhaben: «Bis ins Detail ist die Listengestaltung noch nicht geklärt. Vor vier Jahren standen aber die Spitzenkandidaten zuoberst, der Rest folgte alphabetisch», so Präsidentin Laura Kopp. Auch sie hofft, dass eine JGLP-Liste zu Stande kommt.

Chancenlose Unterstützungslisten

Gemäss Politologe Balsiger ist der Nutzen dieser allerdings äusserst begrenzt: «Auf Listen von Jungparteien hat niemand eine reale Wahlchance», sagt er. Seit 1971 hätten sich solche Unterstützungslisten «inflationär» vermehrt: Von damals rund 150 Listen mit 1700 Kandidierenden auf 365 Listen mit fast 3500 Kandidierenden im Jahr 2011.

Trotz Platz auf der Liste der Mutterpartei will der Jungfreisinnige Zeier seine Wahlchancen nicht überbewerten. «Grundsätzlich wird man als Jungpolitiker eher von der Liste gestrichen», sagt er. Doch so oder so sei die Kandidatur ein Sprungbrett. «Und dieses will ich nutzen.» Für Politologe Balsiger ist klar: Die jetzige Kandidatur sei ein Warmlaufen für 2019. «Macht Zeier ein gutes Resultat, ist er in vier Jahren als Kantonsrats- und Nationalratskandidat gesetzt.»