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WAHLEN: Kleine Partei will in die Grosse Kammer

Die Organisation «Integrale Politik» will in den Nationalrat. Sie setzt nicht nur auf philosophische Inhalte – sondern auch auf eine aussergewöhnliche Aktion.
Die Organisation "Integrale Politik" inszeniert einen politischen Schweigekreis. dabei sitzen die Mitglieder schweigend auf dem Kornmarkt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Die Organisation "Integrale Politik" inszeniert einen politischen Schweigekreis. dabei sitzen die Mitglieder schweigend auf dem Kornmarkt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Die Luzerner Politlandschaft erhält Zuwachs. Zuwachs durch einen Verein, der in den Wahlkampf für die eidgenössischen Wahlen vom kommenden Oktober steigt. Die Organisation heisst «Integrale Politik», kurz IP, und möchte die angestammten Parteien herausfordern. Ein ungewöhnlicher Name für eine Partei, welche sich in einem Umfeld bewegen will, das von einfachen Botschaften geprägt ist.

Kritik an Wirtschaftswachstum

Gary Zemp pflichtet bei. Der Stadtluzerner sitzt im Vorstand der IP Zentralschweiz und war 2011 einer der Gründer der gesamtschweizerischen Organisation: «Wir können uns nicht mit Schlagwörtern verkaufen.» Trotzdem versucht er, die Werte der in der Zentralschweiz rund 70 Mitglieder zählenden Partei mit einem Satz zu erklären: «Die IP will das Wohl aller Menschen und aller Lebewesen – im Bewusstsein, dass alles mit allem zusammenhängt.» Nicht gerade einfach zu verstehen, mag man sich denken. Der 74-Jährige nennt deswegen einige politische Merkmale der Partei: «Die unendliche Wachstumsphilosophie der Neoliberalen kommt an ihre Grenzen.» Zudem beklagt der ehemalige Unternehmer den heutigen Lobbyismus in der Schweizer Politik. «Wir haben keine richtige Demokratie mehr. Heute haben reiche Menschen viel mehr Macht als solche mit beschränkten finanziellen Mitteln», sagt Zemp und mahnt: «Die Bevölkerung – nicht das Kapital – soll der Souverän sein.»

Das sind fast schon antikapitalistische Töne, und das von einem studierten und promovierten ETH-Chemiker und ehemaligen Unternehmer? Zemp betont, dass die Partei nicht in ein Rechts-Links-Schema passe. Dann wird er philosophisch, er erklärt das Wort «integral» als kommende evolutionäre Phase. Zuerst seien die Menschen im mythischen Zeitalter gewesen, danach kamen die Zeitalter der Moderne und Post-Moderne, in Letzterer befänden wir uns momentan. Zemp sieht die IP als Bewegung für das nächste Zeitalter, nämlich für die «integrale Phase». Dabei heisse integral denken «visionsorientiert denken».

Schweigekreis in Luzerner Altstadt

Die Partei will aber nicht nur mit philosophischen Gedanken auf sich aufmerksam machen, sie versucht auch, öffentlich in Erscheinung zu treten. Auf dem Kornmarktplatz in der Luzerner Altstadt trafen sich gestern Abend Mitglieder der Partei zu einem Schweigekreis. Während einer halben Stunde sassen rund ein Dutzend Personen in der Altstadt und schwiegen vor sich hin. Sie trugen dabei Schilder, auf denen Botschaften wie «Bildung ist nicht das Füllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen» oder «Wir benötigen tatsächlich ein nachhaltiges Wachstum. Ein Wachstum unserer Bewusstheit, nicht unseres Konsums!» platziert waren. Die Aktion wurde zum dritten Mal durchgeführt. Zum Ziel hat sie, die Botschaft zu platzieren, dass Politik auch anders angegangen werden kann: ruhig und mit einer Zukunftsvision einer Gesellschaft in Frieden.

«Potenzial für Wähler noch gering»

Ob das reicht, um im kommenden Herbst genug Wähler für einen Nationalratssitz zu gewinnen, bleibt fraglich. Auch Gary Zemp ist sich dessen bewusst. «Ein Sitz ist aus realistischer Einschätzung nicht unser Ziel. Das Potenzial für Wähler ist noch gering», sagt er. Die Partei sehe sich als künftige Alternative. Die Bewegung versucht nicht nur in Luzern einen Sitz im nationalen Parlament zu erobern. Auch in den Kanton St. Gallen, Genf, Aargau und Zürich wird sie antreten. Gesamtschweizerisch hat die Organisation etwa 600 Mitglieder.

Um die Positionen der Partei noch besser zu präsentieren, hat die IP nun Abstimmungsempfehlungen zu den eidgenössischen Vorlagen vom 14. Juni gefasst. Zur Präimplantationsdiagnostik, zur Erbschaftssteuer-Initiative sowie zur Änderung des Radio- und Fernsehgesetzes sagt die Partei Ja – zur Stipendieninitiative Nein.

Matthias Stalder

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