WAHLEN: Luzern wählt Parlament und Regierung

Die Stimmberechtigten im Kanton Luzern entscheiden heute bei den Gesamterneuerungswahlen, ob weiterhin ein Parteiloser im Regierungsrat Einsitz haben soll. Geklärt wird dann auch, ob die SVP in der Opposition bleibt oder neu der SP diese Rolle zufällt.

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Regierungsgebäude des Kantons Luzern: Hier laufen alle Wahlresultate zusammen. (Archivbild LZ)

Regierungsgebäude des Kantons Luzern: Hier laufen alle Wahlresultate zusammen. (Archivbild LZ)

Die Kantonsregierung setzt sich seit 2007 parteipolitisch wie folgt zusammen: Die CVP hat zwei Sitze, je ein Mandat entfällt auf die FDP und die SP. Der fünfte Sitz wird von einem parteilosen Bürgerlichen gehalten.

Bis vor Kurzem galt es als wahrscheinlich, dass diese parteipolitische Zusammensetzung erhalten bleibt. Doch nun, mitten im Wahlkampf, geriet der parteilose 50-jährige Finanzdirektor Marcel Schwerzmann in die Kritik. Bereits zum zweiten Mal muss er sich mangelnde Führung und Kommunikation vorwerfen und eine Administrativuntersuchung in seinem Departement gefallen lassen.

Schwerzmann, einst Steuerverwalter des Kanton Luzern, hatte 2007 als bürgerlich-unabhängiger Sprengkandidat die SVP aus der Regierung gedrängt. 2011 wurde der sachlich politisierende Finanzfachmann, der die von den bürgerlichen Parteien geforderte und unterstützte Steuerpolitik umsetzte, im Amt bestätigt.

Parteipolitischer Störefried

Trotzdem ist Schwerzmann bei den bürgerlichen Parteien mehr geduldet als geliebt. Ihm fehle die politische Vernetzung und der politische Stallgeruch, wurde ihm vorgeworfen. Für SP und Grüne ist der Finanzdirketor der Prototyp des steuersenkenden Staatsabbauers.

Profitieren könnte Schwerzmann davon, dass die bürgerlichen Parteien getrennt in die Wahlen gehen, er aber auf diversen wilden Listen neben anderen bürgerlichen Kandidaten ebenfalls einen Platz erhalten hat. Sein härtester Konkurrent ist SVP-Kandidat Paul Winiker.

Der 58-jährige Winiker ist Betriebswirtschafter, Kantonsrat und Gemeindepräsident von Kriens. Er sagt, er kandidiere nicht gegen jemanden, sondern für einen Sitz der zweitstärksten Partei in der Regierung. Winiker gilt als kompromissfähig.

SP muss Vakanz verteidigen

Um ihren Sitz kämpfen muss die SP. Ihre Justiz- und Sicherheitsdirektorin Yvonne Schärli tritt nicht mehr an. Allerdings spricht nichts dagegen, dass SP-Kantonsrätin Felicitas Zopfi den einzigen und kaum in Frage gestellten linken Sitz wird verteidigen können. Die 56-Jährige Lehrerin hat eine grosse politische Erfahrung, ist engagiert und sachlich.

Neben Schwerzmann treten auch Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf (CVP, 56), Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss (CVP, 49) und Bau-, Umwelt- und Wirtschaftdirektor Robert Küng (FDP, 59) für eine weitere Amtszeit an. Sie dürften die Wiederwahl problemlos schaffen.

Zu diesen sechs Kandidaturen gesellen sich zwei aus dem grünen Lager. Michael Töngi (Grüne, 47), Kantonsrat und Generalsekretär des Schweizerischen Mieterverbandes, und Studentin Irina Studhalter (Junge Grüne, 21) haben aber nur geringe Wahlchancen.

Pro Parlamentssitz fünf Kandidaten

Neu gewählt wird am Sonntag auch der Kantonsrat. Um die 120 Sitze bewerben sich mehr als fünf Mal so viele Kandidaten. Jede dritte Kandidatur entfällt auf eine Frau. 104 der Bisherigen wollen im Amt bleiben.

Vor vier Jahren hatte die Grünliberale Partei (GLP) den Einzug in das Parlament geschafft. Sie holte 6 Sitze und erreichte Fraktionsstärke. Nun wird sich zeigen, ob sich die Newcomer einen festen Platz in der Luzerner Politlandschaft erarbeiten konnten, oder ob die anderen Mitteparteien CVP und FDP wieder aufholen können.

Die beiden Luzerner Traditionsparteien hatten vor vier Jahren weiter an Boden verloren. Die CVP verlor 7 Sitze und hat noch 39 Mandate. Die FDP musste 6 Sitze räumen und hat noch 23 Mandate.

Neben der GLP holten vor vier Jahren auch SVP und SP Stimmen in der Mitte. Die SVP holte 4 zusätzliche Mandate und wurde mit 27 Stimmen zweitstärkste Kraft im Parlament. Die SP konnte ihre Fraktion um 3 auf 16 Sitze erhöhen. Die Grünen verharrten bei 9 Sitzen.

Wahlen: So sind Sie hautnah mit dabei

Luzernerzeitung.ch hält Sie ab 12 Uhr über den Ausgang der Wahlen im Kanton Luzern auf dem Laufenden. Die Online-Redaktion liefert News, Resultate, Trends, Bilder und einen Liveticker aus dem Regierungsgebäude. Reaktionen, Einschätzungen und Analysen lesen Sie am 30. März in der Neuen Luzerner Zeitung.

Tele 1 begleitet die Wahlen ab 14 Uhr mit stündlichen Livesendungen. Um voraussichtlich 18.30 Uhr gibt es ein «Kontrovers-Spezial» mit einer Elefantenrunde. Wie die Staatskanzlei Luzern mitteilt, werden die ersten Ergebnisse der Listenstimmen bereits ab 12 Uhr erwartet, das Endergebnis bis 14.30. Die Kandidatenstimmen der Regierungsratswahlen sollten bis 17.30 Uhr vorliegen, die provisorischen Endresultate der Kantonsratswahlen bis 20 Uhr – wenn bei der Auszählung in den Urnenbüros und bei der Übermittlung der Wahlresultate keine grösseren Pannen auftreten.

Regierungsgebäude geöffnet

Wer hautnah bei der Entscheidung dabei sein will, kann dies von 13.30 bis zirka 21 Uhr im Regierungsgebäude an der Bahnhofstrasse 15 in Luzern tun. Der Lichthof dient als Wahlzentrale und Treffpunkt für Kandidatinnen und Kandidaten, Parteivertreter, Medien und interessierte Bürger. Die Ergebnisse werden auf einer Grossleinwand gezeigt, an einer Bar werden Getränke und Snacks verkauft.

Auch die Luzerner Parteien organisieren für ihre Mitglieder und Sympathisanten Wahlfeiern. So trifft sich die Stadtluzerner CVP im Restaurant Lapin (ab 15 Uhr), die Kantonalpartei der SVP und ihre Vertreter im Restaurant Obermättli in Littau. Die übrigen Parteien bleiben in Gehdistanz zum Luzerner Regierungsgebäude: Die FDP trifft sich im Restaurant Wilden Mann, SP, Juso und Second@s ab 15 Uhr im Restaurant da Vittorio, die Grünen im Restaurant Neustadt, GLP und EVP im Hotel Rebstock/Hofegge, und die BDP im Hotel Waldstätterhof (jeweils ab 17 Uhr). Zusätzlich haben viele Parteien Wahltreffs in den Wahlkreisen organisiert.

sda/rem