Kommentar

Ja zu einer bürgerlichen Regierung, in der sich die ganze Luzerner Bevölkerung wiederfindet

Paul Winiker, Korintha Bärtsch und Marcel Schwerzmann: Wer soll am 19. Mai in die Luzerner Regierung einziehen? Evelyne Fischer, stv. Leiterin des Ressorts Kanton Luzern, spricht sich für Konkordanz aus.

Evelyne Fischer
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Evelyne Fischer, Stv. Ressortleiterin Ressort Kanton Luzern.

Evelyne Fischer, Stv. Ressortleiterin Ressort Kanton Luzern.

Paul Winikers Wiederwahl und Korintha Bärtschs Einzug in die Exekutive sind der Schlüssel zur Konkordanz. Politisch und gesellschaftlich. Das Einbinden von SVP und Grünen sorgt für angemessene Polparteienpräsenz. Darüber hinaus bündelt die Kandidatur der Umweltnaturwissenschaftlerin Anliegen vierer Lager, die in der letzten Legislatur zu kurz gekommen sind: die Linken, die Städter, die Jungen, die Frauen.

Nach vier Jahren Regierungsausschluss ist es überfällig, Linksgrün wieder in die politische Verantwortung zu nehmen. Ohne direkten Draht in die Exekutive wurden Parlamentsdebatten oft zu verkappten Trotzmanifestationen. Die Folge: politische Blockade. Sitzt die Linke wieder mit im Boot, ändert dies nichts am bürgerlichen Kurs – entschärft aber die Fronten. Kritiker mögen einwerfen, den Grünen stehe mit einem Wähleranteil von 11,7 Prozent bei den kantonalen Wahlen kein Mandat zu. Fakt ist: SP, Grüne und GLP – letztere bewegt sich bis auf Finanzfragen im linken Spektrum – vereinigen 32,1 Prozent aller Stimmen auf sich. Der Sitzanspruch der SVP ist mit 19,6 Prozent unumstritten.

Die Kriens/Luzern-Kombo würde nicht nur für parteipolitische Balance sorgen, sondern auch die ausgewogene Mitsprache von Agglo und Stadt sicherstellen. Als letzter städtischer Magistrat trat der Liberale Ulrich Fässler 2003 ab.

Mit der Wahl der 34-Jährigen liesse sich ferner der jungen Generation eine Stimme geben. Der Altersschnitt der bisherigen Regierung? Knapp 59 Jahre. Dass Bärtsch als Mittdreissigerin noch nicht über Jahrzehnte Führungserfahrung verfügt, ist wenig verwunderlich. Doch: Schon als 27-Jährige hat die ETH-Absolventin das städtische Parlament präsidiert, schon mit 28 ist sie dort Fraktionschefin geworden. Beides Belege für eine Politkarriere, die auf Kompromissbereitschaft und Pragmatismus fusst. Ihr Geschick, an Konsenslösungen mitzuzimmern, beweist Bärtsch seit 14 Jahren im Grossen Stadtrat.

Ein Votum für Winiker/Bärtsch würde nicht zuletzt jenen Parameter korrigieren, der den Kanton 2015 in Sachen Fortschrittlichkeit und Gleichberechtigung in vergessen geglaubte Zeiten zurück katapultiert hat: Die Frauen – und damit notabene die Mehrheit der Luzerner Bevölkerung – wären wieder in der Regierung repräsentiert. Der Umstand, dass ein Kanton bald 50 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts von einem reinen Männergremium gesteuert wird, ist jeglicher Kommentare müssig. Vielmehr ruft er förmlich nach einer Generalüberholung.