WAHLEN: Niederlagen stacheln sie an

Wird Felicitas Zopfi nicht Regierungsrätin, ist ihre politische Karriere wohl vorbei. Doch davon geht die SP-Frau nicht aus sie hat schon grössere Hürden gemeistert.

Lukas Nussbaumer
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Regierungsratskandidatin Felicitas Zopfi (56, SP) im Coiffeurstuhl bei Fuchs Hairteam im Schappe-Center in Kriens. (Bild Nadia Schärli)

Regierungsratskandidatin Felicitas Zopfi (56, SP) im Coiffeurstuhl bei Fuchs Hairteam im Schappe-Center in Kriens. (Bild Nadia Schärli)

Lukas Nussbaumer

Sie wirkt in der Öffentlichkeit ernst, in ihren Voten im Luzerner Kantonsrat bisweilen etwas streng. Das höre sie auch immer wieder, sagt die 56-jährige Stadtluzernerin Felicitas ­Zopfi. Doch das stimme nicht: «Ich bin ein sehr zufriedener Mensch. Politik ist nun einmal keine Spassveranstaltung. Es gibt als Linke im Kantonsrat wenig Grund zum Lachen.»

Dennoch ist der Lehrerin mit einem 70-Prozent-Pensum in Kriens die Freude an der Politik nie verleidet. Im Gegenteil. «Sonst würde ich mich nicht schon so lange engagieren.» In der Tat: Die verheiratete Mutter von drei Kindern blickt auf eine lange politische Karriere zurück. Elf Jahre politisierte sie im Grossen Stadtrat von Luzern, seit 2003 kämpft sie im Kantonsrat für die Anliegen der Linken, vor sechs Jahren übernahm sie das Präsidium der SP des Kantons Luzern.

Ruhig, sachlich, unaufgeregt

Jetzt will die Frau, deren Vater schon Kantonsrat für die CVP – war, Regierungsrätin werden. Und die Chancen, dass die frühere Nationalliga-B-Volleyballerin zur Nachfolgerin von Parteikollegin Yvonne Schärli gewählt wird, stehen nicht schlecht. Auch wenn der Sitz der SP von bürgerlichen Kreisen unter Beschuss genommen wird. Zopfi kommentiert den Angriff von rechts so, wie sie eben auch wirkt: ruhig und sachlich. Es sei legitim, wenn diese Kreise eine rein bürgerliche Regierung anstreben würden, das Komitee «4 plus 1» beunruhige sie nicht gross.

Doch bringt Zopfi das Rüstzeug mit, um ein Departement zu leiten? Schliesslich gehörte sie nie einer Exekutive an. Das fragt sich beispielsweise Rolf Born, FDP-Fraktionschef im Kantonsrat und Wahlkampfleiter seiner Partei. Oder Angela Lüthold (SVP, Nottwil), die mit Zopfi zusammen in der Planungs- und Finanzkommission sitzt. «Die Führungserfahrung geht ihr ab», findet Lüthold.

«Berset führte auch keine Firma»

Born und Lüthold sind nicht die einzigen politischen Gegner, die diesen Punkt ansprechen. Zopfi kontert, dass sie seit 2009 eine Partei führe, dass sie eine Führungsausbildung zur Schulleiterin abgeschlossen habe und dass auch Bundesrat Alain Berset «nie eine Firma geführt oder in einer Exekutive mitgewirkt hat». Sie traue sich die Leitung eines Departements zu. «Ich bin es gewohnt, hinzustehen und Verantwortung zu übernehmen.» Welches Departement das im Falle ihrer Wahl und der Bestätigung der vier bisherigen Regierungsräte sein wird, ist absehbar: das Justiz- und Sicherheitsdepartement von Yvonne Schärli. Zopfi weiss das und sagt: «Mein Wunschdepartement ist das, das ich erhalten werde.»

Sicher ist, dass Zopfi auch im neuen politischen Amt Niederlagen verkraften muss. Daran habe sie sich längst gewöhnt, sagt die Frau, die im Parlament wegen ihrer Kritik an der bürgerlichen Sparpolitik auch schon Buhrufe einstecken musste: «Ich kann mich nach verlorenen Abstimmungen gut ­aufbauen. Das hat auch mit der tollen Unterstützung in der Partei zu tun.»

Genauso sicher ist, dass ein Mitglied des Regierungsrats eine dicke Haut braucht und dass das Amt zeitintensiv ist. Das wisse sie, sagt Zopfi. «Ich scheue weder den Stress noch die Kritik.» Ihr sei es wichtig, die Sichtweise der Linken und damit eines Viertels der Bevölkerung in der Regierung einzubringen.

Die 56-Jährige will ihr Amt 8 Jahre ausüben. Und in dieser Zeit für jene Werte einstehen, die ihr seit 40 Jahren wichtig sind: den sozialen Ausgleich von oben nach unten, einen starken Staat, Steuergerechtigkeit. Dass sie die Kraft dazu haben wird, davon ist die begeisterte Joggerin und Skifahrerin überzeugt. Sie habe sich von ihrem Hirnschlag im März 2011 sehr gut erholt «Gott sei Dank, das ist nicht selbstverständlich».

Viele Stärken, eine Schwäche

Bestimmt auftretend, sich klar ausdrückend, konsequent für ihre Anliegen einstehend: Diese Fähigkeiten attestieren ihr nicht nur Parteifreunde, sondern auch politische Gegner. Zopfi selber sieht das ähnlich. «Ich kann Wichtiges schnell erfassen und auf den Punkt bringen.» Ausserdem könne sie gut verhandeln, vermitteln und Menschen motivieren. Angesprochen auf ihre Schwächen, muss Zopfi lange überlegen. «Vielleicht bin ich manchmal etwas ungeduldig», sagt sie dann.