WAHLEN: Parteianimositäten zugunsten Arithmetik abgelegt

Bei den Luzerner Nationalratswahlen kommt es zu zwei unüblichen Partnerschaften. Die historischen Konkurrenten CVP und FDP reichen sich zur Sicherung von Restmandaten die Hände. Die Linksparteien verbunden sich mit den Grünliberalen.

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Die Delegierten der FDP des Kantons Luzern stimmten in Hochdorf mit 215 zu 8 Stimmen einer Listenverbindung mit den Mitteparteien zu. (Bild Pius Amrein)

Die Delegierten der FDP des Kantons Luzern stimmten in Hochdorf mit 215 zu 8 Stimmen einer Listenverbindung mit den Mitteparteien zu. (Bild Pius Amrein)

Nachdem der Parteivorstand der CVP am Montag die Listenverbindung mit der FDP gutgeheissen hatte, stimmten am Dienstag die Delegierten der FDP in Hochdorf diesem Schritt zu. Der Entscheid sei mit 215 zu 8 Stimmen fast einstimmig ausgefallen, sagte Geschäftsführerin Jacqueline Theiler auf Anfrage.

Es ist das erste Mal, dass im Kanton Luzern die CVP und die FDP für die Nationalratswahlen eine Listenverbindung eingehen. In diese eingebunden sind auch die im Kanton Luzern politisch wenig bedeutenden Parteien BDP und EVP.

CVP und FDP betonten, dass diese Listenverbindung keine politische Hochzeit sei, sondern das Ziel habe, überschüssige Stimmen zu sichern. Möglichst viele Restmandate sollten so in der bürgerlichen Mitte bleiben.

Bürgerliche GLP mit ins linke Boot geholt

Auch links der Mitte kommt es zu einem Schulterschluss. Die traditionellen Partner SP und die Grünen haben in Luzern entschieden, mit der GLP eine zusätzliche Listenverbindung einzugehen.

Die Entscheide fielen äusserst klar, bei der SP mit 40 zu 1 Stimmen und bei den Grünen mit 33 zu 0 Stimmen, wie die Parteipräsidien auf Anfrage mitteilten. Der Vorstand der Grünliberalen muss der Listenverbindung noch zustimmen.

Primäres Ziel der Linken ist es zu verhindern, dass der wackelnde Nationalratssitz der GLP an die SVP zurückgeht. Deshalb sei man trotz inhaltlichen Differenzen zur Listenverbindung mit der bürgerlichen GLP bereit.

Die SP hofft aber auch, dass die zusätzliche Listenverbindung mit der GLP ihre eigenen Chancen auf einen zweiten Sitz im Nationalrat erhöht. Die Listenverbindung sei keine Rettungsaktion für die Grünliberalen, sagte SP-Präsident David Roth.

Der Kanton Luzern hat zehn Nationalratssitze. Drei hat die CVP inne, je zwei SVP und FDP. SP, Grüne und GLP haben je einen Sitz. Die einzige Partei, die nicht in eine überparteiliche Listenverbindung eingebunden ist, ist die SVP.

CVP und FDP beschlossen ferner, für die Ständeratswahlen eine gemeinsame Liste zu bilden. Auf dieser figurieren der bisherige Konrad Graber (CVP) sowie Damian Müller (FDP/neu). Müller soll den Sitz von Georges Theiler (FDP) verteidigen, der nicht mehr antritt. Für den Ständerat gibt es zudem Kandidaturen von SVP, SP, Grünen und GLP.

(sda)

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Wahlkampfleiter Rolf Born spricht zu den Delegierten. (Bild Pius Amrein)

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Parteipräsident Peter Schilliger spricht im Zentrum Brau in Hochdorf zu den Delegierten. (Bild Pius Amrein)

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Spannen bei den Wahlen im Herbst zusammen: CVP-Präsident Pirmin Jung (links) und FDP-Präsident Peter Schilliger. (Bilder Pius Amrein und Gaetan Bally)

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Die SP Kanton Luzern macht definitiv eine Listenverbindung mit der GLP. Im Bild: SP-Präsident David Roth. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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