WAHLEN: Regierung: Kandidaten im Bürgertest

Wie gut und schnell beantworten die Luzerner Regierungsratskandidaten Fragen der Bevölkerung? Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und deutliche Unterschiede festgestellt.

Matthias Stadler
Drucken
Teilen
Wollen wiedergewählt werden (Bild links): Reto Wyss (unten), Guido Graf, Marcel Schwerzmann und Robert Küng. Wollen neu in die Regierung einziehen: Paul Winiker (links), Irina Studhalter, Felicitas Zopfi und Michael Töngi. (Bilder: Pius Amrein und Dominik Wunderli)

Wollen wiedergewählt werden (Bild links): Reto Wyss (unten), Guido Graf, Marcel Schwerzmann und Robert Küng. Wollen neu in die Regierung einziehen: Paul Winiker (links), Irina Studhalter, Felicitas Zopfi und Michael Töngi. (Bilder: Pius Amrein und Dominik Wunderli)

Matthias Stadler

Politiker geben sich gerne volksnah. Wer als unnahbar und kontaktscheu gilt, hat es in der Politik dementsprechend schwer. Doch wie nahbar sind die Luzerner Politiker für die Bevölkerung? Beantworten sie Fragen des einfachen Bürgers?

Wir haben den acht Personen, welche in der nächsten Legislatur in der Luzerner Regierung sitzen wollen, mit einer privaten E-Mail-Adresse Fragen gestellt (siehe Kasten), um zu sehen, ob sie sich für den Stimmbürger Zeit nehmen. Wir wollten wissen, wie sie zur Finanzpolitik des Kantons stehen und weshalb man gerade sie wählen soll. Die Kontaktangaben wurden den jeweiligen Internetauftritten der Kandidaten entnommen.

Blitzschnelle Zopfi

Am schnellsten antwortete SP-Kandidatin Felicitas Zopfi. Innerhalb von blitzschnellen sieben Minuten reagierte die 56-Jährige auf die Anfrage des politisch interessierten Bürgers. Dies allerdings mit dem Makel, dass ihre Antwort nicht sonderlich ausgiebig ausfiel. Sie verwies auf ihre Homepage, von der man ihre Standpunkte entnehmen könne.

Zur Finanz- und Steuerpolitik des Kantons Luzern schrieb die Sozialdemokratin einen Satz als Antwort. Sie plädiert für eine andere Finanz- und Steuerpolitik. Eine, die den Menschen mehr dienen würde als jene, die in den letzten Jahren getätigt worden sei.

Töngi und Graf ebenfalls schnell

Am zweitschnellsten reagierte der Grüne Michael Töngi. Der Krienser antwortete nach gut einer Stunde, seine Antwort war dabei deutlich länger und inhaltlich gehaltvoller als diejenige von Zopfi. Der 48-Jährige legt in seiner Antwort die Gründe dar, weshalb er die Steuerstrategie falsch findet. Zudem geht er auf seine politischen Schwerpunkte ein.

CVP-Regierungsrat Guido Graf (56) war der erste amtierende Regierungsrat, der uns antwortete. Seine E-Mail ging nach knapp fünf Stunden ein. Der Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartements schafft es zeitmässig damit auf den dritten Platz. Seine Antwort ist dabei die zweitlängste von allen. Er thematisiert die neue Spitalfinanzierung, das Asylwesen und die Totalrevision des Sozialhilfegesetzes. Zudem erwähnt er die Finanzpolitik und empfiehlt dem Adressaten zum Schluss einen Besuch auf der Wahlplattform Smartvote.

Ausführlicher Schwerzmann

Rund elf Stunden benötigte Irina Studhalter (21) von den Jungen Grünen. Sie greift in ihrer ausführlichen Antwort die Finanzstrategie des Kantons an und verweist des Weiteren auf diverse Webseiten, wo ihre Positionen aufgelistet sind.

Der zweitschnellste amtierende Regierungsrat war Marcel Schwerzmann (50, parteilos). Er antwortete ebenfalls nach rund elf Stunden und auch seine Antwort ist ausführlich. Als Finanzdirektor thematisiert er vor allem die Finanzpolitik des Kantons und erklärt aus seiner Sicht, weshalb die Steuerstrategie angepasst wurde.

SVP-Kandidat Paul Winiker (58) liess sich mit der Beantwortung etwas mehr Zeit. Er beantwortete die ihm gestellten Fragen nach mehr als einem Tag und war kurz angebunden. Er verweist im Schreiben hauptsächlich auf seinen Internetauftritt und schreibt in einem Satz, für welche Positionen er sich einsetzt.

Wyss und Küng erst auf Nachhaken

Die beiden bisherigen Regierungsräte Robert Küng (FDP) und Reto Wyss (CVP) zeigten innerhalb dreier Tage keine Reaktion auf die ihnen gestellten Fragen. Erst auf Nachhaken meldeten sie sich. Robert Küng (59) geht in seiner Antwort auf das Wachstum des Kantons Luzern ein. Er beschreibt die Steuersenkung und die Schuldenbremse. Der Vorsteher des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements verfasste eine lange Antwort, welche verschiedene Aspekte der Luzerner Politik beinhaltet.

Regierungspräsident Reto Wyss schliesslich antwortete als letzter, allerdings ist sein Schreiben das längste. Der 49-Jährige beantwortet die Fragen direkt und ausführlich. Er präsentiert sich als Brückenbauer und setzt sich als Bildungsdirektor für eine starke Bildung ein. Zudem verteidigt er die Finanzstrategie des Kantons. Eine Abkehr davon sehe er nicht.

Hinweis

Webadressen der acht Kandidaten: www.marcelschwerzmann.ch; www.guidograf.ch; www.robert-kueng.ch; www.reto-wyss.ch; www.irinastudhalter.ch; www.michael-toengi.ch; www.paulwiniker.ch; www.felicitas-zopfi.ch.

Die Resultate im Einzelnen

Felicitas Zopfi (SP)

Wann ist die Antwort eingetroffen?

Innerhalb von sieben Minuten.

Wie war die Qualität der Antwort?

Spärlich, verweist auf ihre Homepage und geht auf die Finanzpolitik mit einem Satz ein.

Fazit

Zopfi antwortet zwar blitzschnell, allerdings hat sie bei der Qualität der Antwort definitiv noch Luft nach oben.

Michael Töngi (Grüne)

Wann ist die Antwort eingetroffen?

Nach einer Stunde.

Wie war die Qualität der Antwort?

Gut. Töngi geht kompakt auf die Fragen ein und kommt schnell auf den Punkt.

Fazit

Das schnelle Antworten zusammen mit kompakten Ausführungen hinterlässt einen soliden Eindruck des grünen Kandidaten.

Guido Graf (CVP)

Wann ist die Antwort eingetroffen?

Nach weniger als fünf Stunden.

Wie war die Qualität der Antwort?

Sehr gut. Er geht direkt auf die Fragen ein und thematisiert verschiedene Aspekte.

Fazit

Aufgrund der raschen Antwort und deren Ausführlichkeit schneidet Guido Graf in unserem Test gut ab.

Irina Studhalter (Junge Grüne)

Wann ist die Antwort eingetroffen?

Nach knapp elf Stunden.

Wie war die Qualität der Antwort?

Gut. Irina Studhalter verweist auf diverse Websites, geht aber auch auf die Fragen ein.

Fazit

An der Antwort Studhalters gibt es nichts zu bemängeln. Die Junge Grüne bringt ihre Haltungen exakt auf den Punkt.

Marcel Schwerzmann (parteilos)

Wann ist die Antwort eingetroffen?

Nach rund elf Stunden.

Wie war die Qualität der Antwort?

Ausführlich. Schwerzmann geht aber nur auf finanzielle und steuerliche Aspekte ein.

Fazit

Der Finanzdirektor antwortete relativ schnell, doch hätte er noch mehr darauf eingehen können, wieso man ihn wählen soll.

Paul Winiker (SVP)

Wann ist die Antwort eingetroffen?

Nach etwas mehr als einem Tag.

Wie war die Qualität der Antwort?

Dürftig. Winiker verweist auf seine Website und schreibt nur einen Satz zu seinen Positionen.

Fazit

Paul Winiker antwortete nur mit ein paar Zeilen. Im Vergleich zu den anderen Kandidaten ein unterdurchschnittliches Abschneiden.

Robert Küng (FDP)

Wann ist die Antwort eingetroffen?

Nach drei Tagen erst auf Nachhaken.

Wie war die Qualität der Antwort?

Ausführlich. Robert Küng legt seine Sicht der Dinge schnörkellos dar.

Fazit

Küng liess sich mit der Antwort Zeit. Die Antwort war in Ordnung, allerdings gaben sich andere mehr Mühe.

Reto Wyss (CVP)

Wann ist die Antwort eingetroffen?

Nach drei Tagen erst auf Nachhaken.

Wie war die Qualität der Antwort?

Sehr gut. Reto Wyss geht auf die Fragen direkt ein und beantwortet sie ausführlich.

Fazit

Die Antwort liess auf sich warten, doch war der Inhalt stark. Andere Regierungsräte schnitten trotz auch starker Belastung – zeitlich besser ab.

So verlief der Kontakt

Verfahrenmst.Regierungsräte scheinen manchmal unnahbar. Aber wie kommt man als einfacher Bürger an Regierungsräte und solche, die es werden wollen, heran? Wie gehen sie mit Fragen eines politisch interessierten Stimmbürgers um? Um keine für Medien gefärbten Antworten zu erhalten, entschloss sich unsere Zeitung dazu, die Regierungsratskandidaten von einer eigens dafür kreierten E-Mail-Adresse aus anzugehen. Von diesem Autor (Gaudenz Zimmermann, frei erfunden) aus konnten keine Rückschlüsse auf die Verfasser gezogen werden.

Alle mit eigener Website

Alle Luzerner Regierungsratskandidaten haben einen eigenen Internetauftritt für den Wahlkampf. Auch die Kontaktangaben lassen sich auf diesen Websites finden. Teilweise sind direkte E-Mail-Adressen aufgeschaltet, teilweise kann man über ein Kontaktformular mit den Kandidaten in Kontakt treten.