Wahlen: Reiden wartet weiter auf Ruhe im Gemeinderat

Die IG Reiden will das Gemeindepräsidium, welches aktuell die CVP innehat. Das sorgt für Spannungen und Misstöne. Doch in dieser Gemeinde ist das courant normal.

Adrian Venetz
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Es sei «ziemlich speziell» – so lautet die Antwort, wenn sich jemand ausserhalb von Reiden nach der politischen Situation im Dorf erkundigt. Mit ein Grund ist die IG Reiden, die seit ihrer Gründung 2014 das politische Leben aufmischt und schon einige Mitglieder der etablierten Parteien zur Weissglut gebracht hat.

Das zieht sich bis in die Exe­kutive. Nicht, dass sich in einem Gemeinderat alle lieb haben müssen. Doch in Reiden scheinen die Dissonanzen zu gross, um eine zielgerichtete Politik betreiben zu können. Dieser Ansicht ist zumindest IG-Mitglied Evi Gasser-Mangold (53). Deshalb kandidiert sie am 29. März für das Gemeindepräsidium. Sie sagt:

«Ich hätte nicht kandidiert, wenn die aktuelle Stimmung im Gemeinderat gut wäre.»

Doch die Führung des Gremiums sei alles andere als gut.

IG Reiden könnte Mehrheit erlangen

Für die IG ist klar, wer die Hauptverantwortung dafür trägt: Gemeindepräsident Hans Kunz (CVP). Er führt das Gremium seit seiner Wahl 2017. Im fünfköpfigen Rat sitzen neben einem FDP- und SVP-Mitglied auch zwei Vertreter der IG.

Stiesse Evi Gasser den amtierenden Gemeindepräsidenten Kunz vom Thron, hätte die IG die Mehrheit im Rat. «Dies ist aber nicht der Hauptgrund für meine Kandidatur. Es geht darum, dass sich das Gremium endlich auf die Sachgeschäfte konzentrieren kann und die Gemeinde weiterbringt», so Evi Gasser.

Kräfteverhältnisse sei Nebensache in Exekutive

Es ist nicht der erste Anlauf der IG Reiden, das Präsidium zu übernehmen. Zwei Männer sind bereits gescheitert: Bruno Aecherli, der damalige und heutige Finanzchef, verpasste die Wahl 2016. IG-Sprecher Markus Schwander unterlag 2017 gegen Hans Kunz. «Aller guten Dinge sind drei», sagt Evi Gasser zu ihrer Kandidatur. «Es liegt nun an den Wählern, ob sie eine Veränderung wollen.» Als Mutter von drei erwachsenen Kindern und einer Pflegetochter sei sie sich gewohnt, eine vermittelnde Rolle einzunehmen. Es gehe nicht darum, mit wie vielen Sitzen die IG im Rat vertreten sei. «Wichtig ist, dass alle am selben Strick ziehen.»

Dass Gemeindepräsident Kunz und Finanzchef Aecherli das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben, ist kein Geheimnis. In Erinnerung bleibt den Reidern etwa eine Infoveranstaltung über einen Schulhaus-Kredit, als der Gemeindepräsident seinem Finanzchef vor versammelter Schar kurzerhand das Mikrofon entzog, weil sie in dieser Sachfrage uneins waren. Der 2016 eingeführte «Verhaltenskodex des Gemeinderates» – ein Dokument über den respektvollen Umgang miteinander – schien hier seine Wirkung zu verfehlen. Ist es besser geworden? «Rückblickend kann festgestellt werden, dass die Einhaltung/Umsetzung des Verhaltenskodexes eine echte Herausforderung war und auch noch ist», schreibt Gemeindepräsident Kunz im aktuellen Gemeindeblatt.

IG-Sprecher gibt sich betont kämpferisch

Angesprochen auf die Stimmung im Gemeinderat gibt sich IG-Mitglied und Finanzchef Aecherli diplomatisch. «Ich bin ein offener Mensch und versuche, mit allen gut auszukommen.» Eine Wahl von Evi Gasser ins Präsidium würde er «natürlich begrüssen». Und wenn es nicht klappt? «Dann machen wir weiter wie bisher. Wir müssen zusammenarbeiten, uns arrangieren. An mir soll es nicht liegen.» Es sei ja «keineswegs so, dass der Gemeinderat in seiner aktuellen Zusammensetzung nichts geleistet hat».

Deutlichere Worte findet IG-Sprecher Markus Schwander in einem Communiqué, das Evi Gasser zur Wahl empfiehlt: «In Reiden sprechen viele Indizien dafür, dass unsere Behörden unter der autokratischen Leitung des derzeitigen Gemeindepräsidenten ihren Aufgaben kaum mehr gerecht werden können.»

Gemeindepräsident Kunz bleibt ruhig

Dass er bei der IG Reiden eine Persona non grata ist, überrascht Hans Kunz (68) nicht. Auf den Vorwurf im Communiqué «möchte ich gar nicht Stellung nehmen – das führt zu nichts». Und weiter: «Ich bin mir bewusst, dass ich es nicht allen recht machen kann. Nur so viel: Ich werde von den Mitarbeitern auf der Verwaltung als kompetent und umgänglich wahrgenommen.»

Kunz hält fest, dass er weiterhin motiviert sei, als Gemeindepräsident zu amten. In den letzten drei Jahren habe er einiges bewegen können, sagt er und spricht etwa den Schulhaus-Neubau, die Badi-Sanierung und die Erarbeitung der Gemeindestrategie an. Was die Stimmung im Rat angehe, hält Kunz fest, dass es bereits vor seiner Amtszeit Konflikte gegeben habe. Er sagt: 

«Mein Führungsstil hat immerhin dafür gesorgt, dass nun etwas Ruhe eingekehrt ist.»

Auch eine Mediation, die er vor eineinhalb Jahren angestossen habe, um die Situation zu verbessern, werde nun weitergeführt. Wegen des budgetlosen Zustands vor einem Jahr war dieses Instrument vorderhand auf Eis gelegt worden.