WAHLEN: Rudolf Schweizer will Handwerker in der Regierung vertreten

Stadtratskandidat Rudolf Schweizer ist partei- und religionslos. Er möchte sich in der Politik für die «kleinen Leute» einsetzen.

Drucken
Teilen
Welches ist die Lieblingsbeiz der Stadtratskandidaten? Rudolf Schweizer wählte für das Fotoshooting das Restaurant Felsenegg, dessen Wandel er in den letzten Jahren miterlebt hat. (Bild Dominik Wunderli)

Welches ist die Lieblingsbeiz der Stadtratskandidaten? Rudolf Schweizer wählte für das Fotoshooting das Restaurant Felsenegg, dessen Wandel er in den letzten Jahren miterlebt hat. (Bild Dominik Wunderli)

Der Karosseriespengler Rudolf Schweizer aus Malters stellt sich nicht das erste Mal zur Wahl. Bereits das letzte Jahr kandidierte er für den Ständerat. Chancenlos: Aus den 83 Luzerner Gemeinden erhielt Rudolf Schweizer total 2823 Stimmen, das Absolute Mehr lag bei 66 278. Dennoch möchte er, der vor kurzem in die Stadt gezogen ist, nun Stadtrat werden. Warum tut er sich das an?

Erklärungen dazu erhalten wir im Luzerner Restaurant Felsenegg, seiner Lieb­lingsbeiz. Der 53-jährige Werkstattleiter und Familienvater, der vor kurzem in die Stadt gezogen ist, erklärt: «Ans ‹Felsenegg› habe ich gute Erinnerungen aus meiner Gewerbeschulzeit. Wir assen hier zu Mittag an einem grossen Tisch. In der Mitte stand jeweils eine grosse Suppenschüssel, und das Dessert hatten wir Lehrlinge gar umsonst. Die Atmosphäre war sehr unkompliziert und familiär.» Schweizer besuchte ab 1978 die Gewerbeschule im Schulhaus Weggismatt, ein Katzensprung vom «Felsenegg» entfernt. Den Wandel der einstigen Uralt-Beiz bis zum heutigen Restaurant verfolgte er über die letzten Jahre als sporadischer Gast. Und Schweizer gefällt es heute besonders: «Werterhaltende Arbeiten und nicht einfach nur Spekulieren, das wird hier gelebt.»

«Konzentriere mich auf Inhalte»

Aufgewachsen ist Schweizer «ennet am Rümlig» im Vorderentlebuch, wie er erzählt. Damals wurde zu Hause das «Luzerner Tagblatt» und das «Vaterland» gelesen – eine Mischung von konservativ und liberal. Diese Mischung habe er beibehalten und politisiere deshalb parteilos. «Das hat den Vorteil, sich bei politischen Vorstössen auf die Inhalte zu konzentrieren und sachlich zu politisieren.» Zudem war bei den Schweizers sowohl der reformierte, wie auch der katholische Glaube vertreten. Also wird auch konfessionslos politisiert. «Das Bewusstsein über die Herkunft sollte man bei seinem Tun nie verlieren», so Rudolf Schweizer.

Für den Kleingewerbler ist klar: Handwerker braucht es auch in der Stadt. Doch diese würden immer mehr an die Peripherie gedrängt. Das habe er selber erfahren. 1988 begann Schweizer als Karosseriespengler bei der Auto AG im Tribschenquartier. Sie wurde an die Emil Frey Gruppe verkauft und später im Littauerboden angesiedelt. Das Tribschengebiet wurde daraufhin mit Verwaltungsgebäuden und Wohnbauten überzogen. «Weil diese Betriebe in Luzern fehlen, haben die Verkehrsströme zugenommen. Handwerker kommen nicht mit dem ÖV.»

Steht für die kleinen Leute

Politik hat ihn immer interessiert. In den Jugendjahren war es eher die globale, seit 1993 die regionale Politik. Das liegt auch daran, dass er sich selbstständig machte und 1993 eine Karosseriewerkstatt in Kriens-Obernau eröffnete. Als Kleingewerbler müsse man immer ums Überleben kämpfen. «Das ging bei mir 22 Jahre lang gut. Doch im 2015 fing es an zu kriseln.» Mitschuld an der Misere seien auch die Versicherungen, die fixe Verträge mit Garagen hätten und so bestimmen würden, wo der Wagen geflickt wird. «Da kommt ein Einmannbetrieb wie meine Karosseriewerkstatt gar nicht zum Zug.» Politisch möchte er sich deshalb für das Kleingewerbe einsetzen. Schweizer politisiert für die «kleinen Leute», die zunehmend unter die Räder kommen, wie er sagt.

Handlungsbedarf sieht er deshalb auch bei den Schulen. «Es gibt immer Schüler, die dem Lerndruck nicht gewachsen sind. Die fallen dann durch und haben später auf der beruflichen Ebene praktisch keine Chancen mehr.» Hier sei es notwendig, das Interesse am Lernen zu vermitteln und sie gezielt zu fördern – nicht nur intellektuell, sondern auch handwerklich.

Ein weiteres Thema, in das sich Schweizer politisch einbringen will, ist das Mietwesen. «In Wien gibt es beispielsweise eine Mietobergrenze. Hier in Luzern wäre schon positiv, wenn die Mieter im Falle eines Verkaufs der Liegenschaft das Vorkaufsrecht hätten. Spekulationen wird so ein Riegel geschoben, die Immobilienblase erstickt im Keim, und die Mieter können Besitzer werden.»

Er will Finanzdirektor werden

Er selber beschreibt sich als nachdenklich, ruhig, analytisch und unabhängig. Als politischen Newcomer sieht er sich nicht. «Als Handwerker hat man das geeignete Rüstzeug für die Politik.»

Bei diesen Worten erstaunt wenig, dass er sich bei einer Wahl für die Finanzdirektion entscheiden würde. Schweizer lacht: «Wir haben zwar die gleichen Ziele, aber einen anderen Ansatz und sicher auch andere Chancen.» Für Schweizer ist das Sich-zur-Wahl-Stellen eine handwerkliche Angelegenheit, damit lege er das Fundament für seine politische Laufbahn, der Aufbau finde in kleinen Schritten statt. «Je bekannter ich bin, desto mehr Stimmen erhalte ich. Die Wahl kaufen kann ich nicht.» Sein Budget für den Wahlkampf beträgt rund 1000 Franken. Am 1. Mai wird Rudolf Schweizer im Stadthaus vor Ort sein. Sich die Resultate anschauen und je nach Gusto gratulieren. «Das wird völlig losgelöst, und Enttäuschung wird nicht aufkommen. Ich habe ja nichts zu verlieren.»

Sandra Monika Ziegler