WAHLEN: Schwerzmann: «Es gibt kein Monopol für die Parteien»

Finanzdirektor Marcel Schwerzmann kontert die Kritik an seinen Führungsqualitäten. Und er glaubt an seine Wiederwahl.

Lukas Nussbaumer
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Sieht sich von den Wirtschaftsverbänden getragen: der parteilose Marcel Schwerzmann. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Sieht sich von den Wirtschaftsverbänden getragen: der parteilose Marcel Schwerzmann. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Die FDP empfiehlt ihn zur Wiederwahl, die CVP möchte lieber SP-Frau Felicitas Zopfi in der Regierung: Der parteilose Finanzdirektor Marcel Schwerzmann kann dem zweiten Wahlgang vom 10. Mai alles andere als entspannt entgegenblicken (Ausgabe vom Donnerstag). Überrascht haben die unterschiedlichen Haltungen von CVP und FDP den 50-Jährigen nicht, wie er gegenüber unserer Zeitung sagt.

Hat Sie die Empfehlung der CVP überrascht?

Marcel Schwerzmann: Die Empfehlung hat mich nicht überrascht, eher schon die Tatsache, dass die gegen mich geführte Schlammschlacht als Argument gegen mich gebraucht wird. Offenbar fehlen sachliche Argumente. Die CVP hat in den vergangenen Jahren immer wieder der SP geholfen. Von daher bin ich nicht überrascht, dass sie Felicitas Zopfi unterstützt.

Haben Sie mit ­dieser deutlichen Unterstützung der FDP gerechnet?

Schwerzmann: Ich habe einen grossen Rückhalt in Gewerbe- und Wirtschaftskreisen, daher hat mich die Unterstützung nicht überrascht. Ich freue mich auch an der sehr deutlichen Unterstützung.

Die Wirtschaftsverbände empfehlen Sie wie schon im ersten Wahlgang zur Wiederwahl. Als wie wichtig erachten Sie diese Unterstützung?

Schwerzmann: Die Unterstützung der Wirtschaftsverbände ist sehr wichtig, weil sich zahlreiche Mitglieder in einer bürgerlichen Partei engagieren. Wirtschaftsverbände sind sachorientiert und überparteilich organisiert.

Sowohl CVP- als auch FDP-Delegierte haben Ihnen im Zusammenhang mit der Dienststelle Informatik Führungsschwäche vorgeworfen. Was entgegnen Sie Ihren Kritikern?

Schwerzmann: Informatik ist in allen Unternehmungen ein schwieriges Dossier. Informatik in der öffentlichen Hand ist noch schwieriger, weil die Anforderungen sehr vielseitig sind und das Beschaffungswesen rechtlich sehr komplex ist. Hätte ich keine Führungsqualitäten, hätte ich wohl in allen Dienststellen Schwierigkeiten. Dem ist aber nicht so, diese laufen gut. Ebenso haben wir bei der Dienststelle Informatik gute Fortschritte erzielt. Die immer wieder genannten Probleme liegen bereits mehr als vier Jahre zurück.

Ausdrücklich gelobt wiederum von Vertretern beider Parteien – werden hingegen Ihre Leistungen als Finanzdirektor. Wie gehen Sie den zweiten Wahlgang vor dem Hintergrund der ambivalenten Haltungen in den beiden grossen Mitteparteien an?

Schwerzmann: Das Finanzdepartement besteht nicht nur aus Finanzen, sie sind aber die Kernaufgabe. Alles, was wir in der Finanz- und Steuerpolitik erreicht haben, wurde von den bürgerlichen Parteien gestützt. Wir müssen den eingeschlagenen Weg gemeinsam weitergehen. Daran soll man mich hauptsächlich messen.

Der Begriff «Konkordanz» wird derzeit auffällig oft verwendet. Es müssten alle politisch relevanten Kräfte in der Regierung vertreten sein, heisst es. Was sagen Sie als Parteiloser, der nun acht Jahre in einer nicht nach der Konkordanz zusammengesetzten Regierung gearbeitet hat, dazu?

Schwerzmann: Sich an der Konkordanz zu orientieren, ist sicherlich richtig, sie muss aber nicht zu jedem Zeitpunkt erfüllt sein. Solange die Regierung und das Parlament unseren Kanton vorwärtsbringen können, ist diese Frage sekundär. Zudem hat mich die Bevölkerung, welche zu rund 70 Prozent parteilos ist, zweimal mit guten Resultaten gewählt. In der Politik gibt es kein Monopol für die Parteien.

Von links und rechts können Sie höchstens ganz geringe Unterstützung erwarten. Worauf fokussieren Sie Ihren Wahlkampf thematisch nun?

Schwerzmann: Ich stehe weiter für eine konsequente Finanz- und Steuerpolitik ein. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist das sehr wichtig. Die Unternehmen brauchen verlässliche und stabile Rahmenbedingungen, um neue Investitionen tätigen und Arbeitsplätze schaffen zu können. Nur ein gesunder Staat ist langfristig fähig, seine Aufgaben zum Wohle der Bevölkerung zu erfüllen.

SVP und SP werden alles dafür tun, ihren Kandidaten zur Wahl zu verhelfen. Sie haben keine Partei im Rücken, sind auf sich selber angewiesen. Wie verschaffen Sie sich Aufmerksamkeit?

Schwerzmann: Wir werden mit einer neuen, kurzen Kampagne aufwarten. Dort wird die Wahlbevölkerung sehen, dass mein Rückhalt gross ist, weil meine Finanz- und Steuerpolitik geschätzt wird.

Wie beurteilen Sie Ihre Chancen für den zweiten Wahlgang, wenn Sie diese in Prozent ausdrücken müssten?

Schwerzmann: Das Rennen ist meiner Ansicht nach offen. Ich schätze meine Erfolgschancen als gut ein.

Lukas Nussbaumer

Das Interview wurde schriftlich geführt.