Kommt es in Kriens für den 2. Wahlgang
zur bürgerlichen Allianz?

Die SVP will eine linke Mehrheit im Stadtrat verhindern und startet einen Aufruf zur Zusammenarbeit – aber nur unter gewissen Bedingungen.

Stefan Dähler
Drucken
Teilen
Wer zieht ins Krienser Stadthaus ein? Die Diskussionen bei den Parteien laufen auf Hochtouren.

Wer zieht ins Krienser Stadthaus ein? Die Diskussionen bei den Parteien laufen auf Hochtouren.

Bild: Manuela Jans-Koch (3. Oktober 2019)

In Kriens könnten die Linken die Mehrheit im Stadtrat erobern. Drei der fünf bestplatzierten Kandidaten gehörten am Sonntag SP oder Grünen an. Eine Erklärung dafür könnte sein: Während die linken Parteien ihre jeweiligen Kandidaten gegenseitig zur Wahl empfahlen, kämpften CVP, FDP und SVP für sich.

Nun ruft die SVP die anderen bürgerlichen Parteien dazu auf, ihren Kandidaten Marco Frauenknecht im zweiten Wahlgang zu unterstützen, um eine links-grüne Mehrheit zu verhindern. Dazu müsste aber die SVP ihrerseits in der Lage sein, die Kandidaten der anderen bürgerlichen Parteien auch empfehlen zu können. «Ich kann nicht für die ganze Partei sprechen, aber so wäre das sicher denkbar», sagt SVP-Fraktionschef Räto Camenisch. «Aber wir unterstützen nicht jeden Kandidaten.» Namen nennt Camenisch nicht, doch er sagt:

«Die Wahlen waren ein Donnerschlag
und haben klar gezeigt, dass man nun
frischen Wind will.»

Eine Zusammenarbeit mit SVP oder CVP könnte laut FDP-Präsident Robert Marty durchaus ein Thema sein. «Wir werden das an unserer Geschäftsleitungssitzung thematisieren.» Dann werden natürlich auch die eigenen Kandidaten zu reden geben. Bauvorsteher Matthias Senn hat für den Stadtrat das schlechteste Resultat gemacht, beim Stadtpräsidium liegt er jedoch vorne. Der zweite FDP-Kandidat, Roger Erni, hat bereits seine Ambitionen für das Präsidium bekannt gegeben.

Weiter fraglich ist, ob die FDP nur noch mit einer Person für den Stadtrat antritt. «Das muss alles die Partei entscheiden», sagt Marty. Offen sei, ob man für die Sitzung einen sehr grossen Saal mietet oder diese elektronisch abhält. «Bei solchen Fragen wäre es eigentlich besser, sich persönlich zu treffen.»

CVP hat grossen Diskussionsbedarf

Auch bei der CVP besteht Diskussionsbedarf nach dem Verlust von zwei Einwohnerratssitzen und dem schlechten Abschneiden der beiden Stadtratskandidaten, Sozialvorsteher Lothar Sidler und Finanzvorsteher Franco Faé. «Offenbar konnten wir unsere Wähler nicht genügend mobilisieren und haben die Zuzüger in den neuen Quartieren zu wenig erreicht», sagt Präsidentin Christine Kaufmann-Wolf. «Unsere konstruktive Rolle als Mehrheitsbeschafferin ist vielleicht auch zu wenig in der Bevölkerung wahrgenommen worden.»

Ob die CVP im zweiten Wahlgang nochmals mit beiden Kandidaten antritt und ob eine Zusammenarbeit mit einer anderen Partei möglich ist, müsse man nun intern breit diskutieren – was jedoch aufgrund der Corona-Restriktionen derzeit schwierig ist. «Darum sind wir froh, dass die Eingabefrist verschoben wird.»

GLP wieder in Fraktion mit Grünen

Die GLP wird in Kriens kaum Teil einer bürgerlichen Allianz – obwohl sie nicht nur von Grünen-, sondern auch von CVP-Wählern viele Panaschierstimmen erhalten hat. Die Fraktionsgemeinschaft mit den Grünen soll weitergeführt werden, wie GLP-Präsident Pascal Meyer sagt. «Wir vertreten gemeinsam die ökologischen Themen und arbeiten gut zusammen. Wir haben mit den Grünen auf kommunaler Ebene die meisten Übereinstimmungen.»

Folglich werde man auch den Grünen Maurus Frey im zweiten Wahlgang für das Stadtpräsidium empfehlen. Wen die Grünliberalen für den Stadtrat empfehlen, ist noch offen.

SP ist wohl bereit, auf Präsidium zu verzichten

Der SP-Wahlausschuss hat seine Strategie für den zweiten Wahlgang diskutiert und eine Stossrichtung vorgegeben, wie Präsident Raphael Spörri sagt. Cla Büchi und Bildungsvorsteherin Judith Luthiger sind bereit, nochmals für den Stadtrat anzutreten. Bezüglich Büchis Präsidiumskandidatur laufen noch Gespräche. Man anerkenne das bessere Resultat von Maurus Frey (Grüne). Letztlich müsse es das Ziel sein, das Präsidium links-grün besetzen zu können. Zur Erinnerung: Für das Krienser Stadtpräsidium kandidierten Matthias Senn, Maurus Frey und Cla Büchi. Alle verpassten das absolute Mehr, wobei Senn am Sonntag die meisten Stimmen holte, danach folgte Frey vor Büchi.

Die Resultate vom Sonntag im Überblick:

Stadtrat Kriens

*
bisher im Amt.
gewählt
Maurus Frey
Maurus Frey
Grüne
3 629
Cla Büchi
Cla Büchi
SP
3 321
Roger Erni
Roger Erni
FDP
3 175
Judith Luthiger
Judith Luthiger *
SP
3 164
Marco Frauenknecht
Marco Frauenknecht
SVP
2 839
Verfügbare Sitze: 5
Lothar Sidler
Lothar Sidler *
CVP
2 712
Franco Faé
Franco Faé *
CVP
2 533
Matthias Senn
Matthias Senn *
FDP
2 461
Absolutes Mehr
3 489 Stimmen
Mehr zum Thema