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Diese Luzerner Schüler füllen bald erstmals den Wahlzettel aus

Ein Podium soll bei Jungen, die erstmals wählen, Lust auf Politik wecken. Indes sehen Politiker bei der politischen Bildung Luft nach oben.
Roseline Troxler
Viele der Fachmittelschüler – hier im Kantonsratssaal – können im Herbst erstmals wählen. (Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 17. September 2019)

Viele der Fachmittelschüler – hier im Kantonsratssaal – können im Herbst erstmals wählen. (Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 17. September 2019)

Der Kantonsratssaal ist bis fast auf den letzten Platz besetzt – und hat sich gegenüber der Session am Vortag um Jahre verjüngt. Denn nun sitzen Schüler des Fach- und Wirtschaftsmittelschulzentrums (FMZ) Luzern auf den Plätzen der Kantonsräte. Viele dürfen dieses Jahr erstmals von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.

Das FMZ hat ein Podium mit den sechs Luzerner Nationalratskandidaten Marcel Budmiger (SP), Rahel Estermann (Grüne), Roland Fischer (GLP), Priska Hafner (FDP), Christian Huber (SVP) und Karin Stadelmann (CVP) organisiert. FMZ-Rektor Christian Heger eröffnet zu Beginn:

«Unser Wahlrecht ist keine Selbstverständlichkeit.»

In vielen Ländern werde dafür gelitten und gekämpft. «Wir sind daher der Meinung, dass wir das erstmalige Ausüben des Wahlrechts entsprechend würdigen sollen.» Heger betont die Bedeutung der politischen Bildung, welche am FMZ insbesondere im Geschichtsunterricht verankert ist. «Niemand darf Autofahren ohne Führerschein, entsprechend wichtig ist, dass politische Bildung als eine Art Führerschein für die Politik einen Beitrag leistet.» Das Thema beschäftigt auch Politiker, die in einem Vorstoss fordern, dass politische Bildung besser verankert wird (siehe unten).

Drei Themenblöcke wurden von Schülern moderiert

Diskutiert wird beim Podium, das Schüler moderieren, über Wirtschafts-, Klima- sowie Bildungspolitik. Shana Meister und Laura Erismann zeigen sich in der Pause zufrieden mit der bisherigen Diskussion. Laura Erismann meint aber: «Der Themenblock zur Wirtschaftspolitik war teils schwierig nachzuvollziehen. Das Thema Klima ist für mich persönlich aktueller.» Shana Meister pflichtet ihr bei und sagt:

«Es ist gar nicht so einfach, die Argumente der Kandidaten auseinanderzuhalten.»

Die Schülerinnen wollen im Oktober wählen gehen: «Es ist wichtig, dass wir Jungen teilnehmen.» Von ihrem Wahlrecht erstmals Gebrauch machen wollen auch Gian Reto Schmid und Ruben Thalmann, beide 18-jährig. Vom Podium sind sie positiv überrascht, wie sie erzählen. «Die Themen, welche diskutiert wurden, gehen mich etwas an», sagt Ruben Thalmann. Nicht gerechnet habe er mit so viel Einigkeit bei den Kandidaten. «Alle Politiker nennen durchaus gute Argumente, welche sie uns verständlich rüberbringen», sagen die Schüler. Trotz der Komplexität finden die beiden, dass sie gut folgen können – und loben die Politiker. «Sie versuchen, uns die Argumente gut zu erklären», findet Gian Reto Schmid. Ausserdem seien die Themen vorgängig in den Klassen besprochen worden.

Im Unterricht mit Wahlsystem vertraut gemacht

Marco Polli, Geschichtslehrer am FMZ und gemeinsam mit Peter Wicki Projektleiter des Wahlpodiums erklärt: «Die Klassen wurden von den Geschichtslehrpersonen im Vorfeld nochmals mit den Eigenheiten des politischen Systems der Schweiz und dem Wahlverfahren vertraut gemacht.» Politische Bildung fliesst laut Polli stets in den Geschichtsunterricht ein und geniesst dadurch am FMZ einen hohen Stellenwert. Polli stellt fest: «Gegenüber früheren Wahljahren beobachte ich ein spürbar höheres Interesse an politischen Themen.» Gründe sieht er in der aktuellen «Fridays for Future»-Bewegung und in der aktiveren Rolle der Jungparteien. Marco Polli hofft, dass das Podium «auf eine lustvolle Art ein Interesse für die Politik und für politische Debatten weckt».

Politiker fordern eigenes Fach

(rt) Die Regierung soll die Einführung eines Fachs politische Bildung während der obligatorischen Schulzeit prüfen. Dies fordert Irene Keller (FDP, Vitznau) mit einem Vorstoss. Darin führt sie aus: «Alle Lernenden sollen während mindestens eines Jahres mindestens eine Wochenlektion politische Bildung erhalten.» Das Fach soll auf der Sekundarstufe I, innerhalb des Fachs Räume, Zeiten, Gesellschaft, für eine gewisse Zeit in den Stundenplan aufgenommen werden.

Auf Anfrage sagt Keller: «Ich war überrascht, als ich feststellte, dass politische Bildung auch mit dem Lehrplan 21 nur einen minimen Stellenwert einnimmt und nicht in einem eigenen Fach unterrichtet wird.» Es sei damit stark abhängig von der Lehrperson, inwieweit politische Bildung unterrichtet würde. «Lehrer können das Thema umgehen und nicht im Unterricht behandeln, was vielerorts tatsächlich so geschieht», stört sie sich.

Der Vorstoss ist breit abgestützt. Er wurde von Kantonsräten der CVP, GLP, Grüne und SP mitunterzeichnet. Keller sagt: «Nur die SVP hat nicht unterschrieben. Sie ist der Meinung, dass die Familie für die politische Bildung zuständig ist.» Der Impuls für den Vorstoss gab laut Keller das Jugendparlament, das intensiv über das Thema diskutiert hat. In der Folge reichte Keller eine Anfrage ein. Aufgrund ihrer Unzufriedenheit mit der aktuellen Regelung folgte das Postulat.

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